Lidl und KIK weltweit auf dem Kieker

16. November 2008, 09:00
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Frauenlöhne gleichen sich weltweit nach unten an: Gewerkschaftsführerin und Näherin aus Bangladesch auf Tour durch Deutschland und Österreich

Wien - Vom 14. November bis 9. Dezember 2008 werden Shahida Sarker und Suma Sarker durch Städte in Deutschland, Österreich, Belgien und England reisen, um über Arbeitsbedingungen in Bekleidungsfabriken in Bangladesch zu berichten, in denen deutsche Discounter produzieren lassen. Shahida Sarker hat bis 1996 als Textilarbeiterin gearbeitet und ist seit 1995 Gewerkschaftsmitglied. Seit Februar 2005 ist sie Vorsitzende der Gewerkschaft National Garments Workers Federation (NGWF). Suma Sarker, die Witwe ist und Mutter eines Sohnes und ihren alten Vater versorgen muss, arbeitet seit ihrem 13. Lebensjahr in den Bekleidungsfabriken Bangladeschs.

Lohnangleichung auf niedrigem Niveau

Ziel der Reise durch den deutschsprachigen Raum ist es, die Öffentlichkeit und PolitikerInnen darauf aufmerksam zu machen, dass die Arbeitsbedingungen sich weltweit auf niedrigem Niveau angleichen: "In Bangladesch sind sie menschenunwürdig und in Deutschland werden sie immer schlechter", heißt es in der Presseaussendung der Co-Veranstalterinnen von Terres des femmes am Freitag.

In Bangladesch drücken die Discounter Lidl und KiK mit ihrer Einkaufsmacht die Preise bei ihren Lieferanten, so dass diese Löhne unter dem Existenzminimum an ihre Arbeiterinnen zahlen. Eine Interessenvertretung der Beschäftigten sei unmöglich, denn: Wer aufmuckt fliegt raus.

Abbau von Vollzeit-Arbeitsplätzen

Die Discounter zahlen in Deutschland ihren Beschäftigten teilweise sittenwidrige niedrige Löhne (laut Urteil des Dortmunder Arbeitsgerichts gegen KiK vom Mai 2008). Vollzeitstellen werden abgebaut, Teilzeitbeschäftigte machen die Arbeit zu Niedrigstlöhnen. Arm trotz Arbeit ist die Folge. Die Discounter verhindern, dass die Beschäftigten sich für ihre eigenen Interessen organisieren. "All dies trifft vor allem Frauen: ­ 80-90 Prozent der Näherinnen in Bangladesch sind Frauen, und 70 Prozent der Beschäftigten im deutschen Einzelhandel sind weiblich", heißt es in der Aussendung.

Die "Kampagne für saubere Kleidung" (Clean Clothes Campaign = CCC) hatte eine Untersuchung bei sechs Lieferanten von Lidl und KiK in Bangladesch durchführen lassen. Bei den Lieferanten wurden massive Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen festgestellt.

Unnütze Vereinbarungen

Gisela Burckhardt von der Clean Clothes Campaign kritisiert:"Die freiwilligen Selbstverpflichtungen der Handelskonzerne haben bisher zu keinen Verbesserungen der Arbeitsbedingungen geführt. Sie sind das Papier nicht wert, auf dem sie stehen." Deshalb fordern die Organisationen, dass der Staat und die Staatengemeinschaften verbindliche grenzüberschreitende Regeln für Unternehmensverantwortung einführen und transnationale Unternehmen zur Rechenschaft über ihr Tun verpflichten. (red)

Termine in Österreich:

  • Donnerstag 20.11. Wien Veranstaltung von Südwind und der Volkshochschule Wien, 18.00 Uhr, "Die Arbeit die sie meinen: NORD-SÜD: Gegeneinander oder Miteinander? Volkshochschule Wien, Rafaelgasse 11, 1200 Wien
  • Freitag, 21.11 Wien Veranstaltungen der Kampagne für Saubere Kleidung Österreich, 9.00 Uhr, Vortrag in einer Modeschule, 17.00 Uhr „Die Neuen Modetrends: Prekarisierung und Informalisierung", Seminarraum der Frauensolidarität; Berggasse 7 /1090 Wien

Link

www.saubere-kleidung.de

 

Die Kampagne für Saubere Kleidung / Clean Clothes Campaign ist ein internationales Netzwerk aus Gewerkschaften und Nicht-Regierungsorganisationen, u.a. Terre des femmes, das sich für eine Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der ArbeiterInnen in der globalen Textil- und Bekleidungsindustrie einsetzt.

  • Eines der Postkartenmotive der Kampagne für Saubere Kleidung.
    foto: kampagne für saubere kleidung

    Eines der Postkartenmotive der Kampagne für Saubere Kleidung.

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