"Karl der Große" wird 70

14. November 2008, 11:44
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Skilegende Karl Schranz feiert "runden" Geburts­tag - Lange Karriere ge­prägt von phantomhafter Jagd nach Olympia-Gold

Wien/St. Anton - Am kommenden Dienstag begeht mit Karl Schranz einer von Österreichs ganz großen Skifahrern seinen 70. Geburtstag. Anlässlich dieses "Runden" ist der am 18. November 1938 in St. Anton am Arlberg geborene, dreifache Weltmeister und zweifache Weltcup-Gesamtsieger aus Tirol kürzlich mit einer Sonderbriefmarke geehrt worden. Sein Heimatort wird dem Jubilar am 21. November auch ein großes Fest ausrichten.

Die Karriere und das Leben des Karl Schranz ist geprägt von der phantomhaften Jagd nach Olympia-Gold sowie dem Ausschluss von den Spielen 1972. Und damit eine längst filmreife Story, die sich als Bogen von der entbehrungsreichen Jugend eines Tiroler Eisenbahnerbuben bis zum triumphalen Empfang durch 100.000 Menschen am Wiener Ballhausplatz spannt.

Letzteres steht freilich auch für die stete Tragik im Leben des Karl Schranz. Der Jubel war ihm wegen des Ausschlusses von Olympia in Sapporo, wohin er wegen seiner vorangegangenen Abfahrtssiege in Kitzbühel als Favorit gekommen war, zuteilgeworden.

Ausschluss in Sapporo

Dieser Ausschluss hatte Schranz' vierten und letzten Griff nach Olympiagold vereitelt. Die veralteten Ansichten des damaligen IOC-Präsidenten Avery Brundage, der den Österreicher wegen einer Werbaufschrift bei einem Benefiz-Fußballspiel von den damals noch Amateuren vorbehaltenen Spielen ausschloss, hatte die Volksseele zum Kochen gebracht. Mit Schranz wurde damals praktisch ganz Österreich bestraft. "Das mag ein kleines Land nicht", erinnerte sich Schranz dieser Tage auf jenem Balkon stehend, auf dem man ihm damals gehuldigt hatte.

Der ganze Alpinskisport stand freilich damals auf der olympischen Kippe. Der "Fall Schranz" verhinderte nicht nur das, sondern bereitete letztlich dem ganzen heutigen Profisport den Weg. Als Märtyrer sieht sich Schranz deshalb aber auch 36 Jahre nach den geschichtsträchtigen Ereignissen nicht und das nicht nur, weil man sich viele Jahre später mit dem Olympischen Orden bei ihm entschuldigt hat.

Dass er schon vier Jahre davor als "kürzester Slalom-Olympiasieger aller Zeiten" in die Geschichte eingegangen war, passt zur bizarren Story des dreifachen Sportler des Jahres, der Ende der 1950er-Jahre praktisch die Führungsrolle von Toni Sailer (hat am 17. November Geburtstag) übernommen und danach den "Heldenbogen" zu Franz Klammer (wird am 3. Dezember 55) gespannt hatte. 1968 in Grenoble durfte Schranz nach einer Behinderung den zweiten Lauf nochmals absolvieren, hatte Gesamt-Bestzeit, wurde dann aber doch disqualifiziert. Stattdessen wurde dem Franzosen Jean-Claude Killy das dritte Olympia-Gold umgehängt.

Es war bittere Kost für einen ehrgeizigen Sportler gewesen, der stets beinhart und mehr trainiert hatte als die meisten anderen und sich jahrelang lieber mit allem und jedem angelegt hatte, als klein beizugeben. Die entbehrungsreiche Jugend mit einigen Schicksalsschlägen hatte den jungen Karl Schranz, der direkt neben der Seilbahn aufgewachsen war, sehr geprägt.

50 Siege bei Klassikern

Immerhin führte nicht zuletzt diese Härte zu sich selbst aber dazu, dass "Karl der Große" zwischen 1957 und 1972 an die 100 Rennen, darunter rund 50 Klassiker wie je viermal die Abfahrten in Kitzbühel und Wengen und gleich siebenmal das Arlberg-Kandahar, gewonnen hat. Und er hätte sich die große Kristallkugel wohl fünf- oder sechsmal geholt, wäre der Weltcup nicht erst 1966/67 und damit im letzten Drittel seiner Karriere erfunden worden.

Schranz steht aber für weit mehr als nur Skierfolge. Er war ein Pionier dieses Sports, ging als einer der ersten in einen Windkanal, benutzte 1966 als erster einen einteiligen Rennanzug und erfand die "Schranz-Hocke". Er erkämpfte als Funktionär lange nach dem Karriere-Ende die Ski-WM 2001 für St. Anton. Der Heimatort bedankte sich dafür beim nicht immer heiß geliebten Ex-Gemeinderat mit der Ehrenbürgerschaft.

Schranz war aber stets und ist auch noch immer Weggefährte und Du-Freund vieler Politiker und Berühmtheiten. Er hat den Tenno, den König von Spanien und Joe Louis getroffen, der Queen und dem Papst die Hand geschüttelt, Bubi Scholz, Armin Hary und Wladimir Putin das Skifahren beigebracht und mit Perry Como und Senta Berger eine Weihnachtsshow moderiert, die in den USA ausgestrahlt wurde. Für Putin ist Schranz bis heute ein "Ratgeber aus Freundschaft". Schranz war auch in der Kommission der österreichischen Bundesheerreform.

Dass Schranz mit 70 Jahren dennoch nicht Olympiagold nachtrauert, sondern selbst alle anderen Erfolge wieder hergegeben hätte, hat einen anderen Grund. Vor einigen Jahren erkrankte eine der drei Töchter von Schranz, der seinen Ruf vom "einsamen Arlberg-Wolf" erst durch seine späte Heirat 1981 mit der Hotelierstochter Evelyn endgültig abgelegt hatte, an Krebs. Er habe in seiner Karriere auf alle Probleme stets eine Lösung parat gehabt, sei da aber erstmals machtlos gewesen, so der Familienvater.

Anna Schranz ist mittlerweile dank klassischer Medizin geheilt. Umso verständlicher daher der einzige Geburtstagswunsch von Karl Schranz, der dank seiner gesunden Lebensweise auch als 60-Jähriger locker durchgehen würde und von seinen Gästen karitative Spenden für notleidende Familien erbittet. "Gesundheit für meine Familie und mich. Gesundheit ist das Wichtigste, das sollten sich auch junge Sportler hinter die Ohren schreiben." (APA)

 

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    Karl Schranz nach Beendigung des Herren-Abfahrtslaufs bei den Olympischen Winterspielen in Grenoble im Februar 1968 bei dem er den für Ihn enttäuschenden fünften Rang belegte.

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