Mordprozess in Vorarlberg: "Ich habe kein Blut gesehen"

14. November 2008, 18:51
11 Postings

21-Jähriger soll 16-jähriges Mädchen mit einer Bratpfanne erschlagen haben

Feldkirch - "Ich habe einen Fehler gemacht, ich stehe dazu." Der "Fehler" des 21-jährigen Angeklagten: In der Nacht zum 4. Jänner soll er die 16-jährige Jelena P. mit einer Pfanne erschlagen haben. "Auflaufform", verbessert der Koch das Gericht. Zugeschlagen habe er, weil er vom Mädchen, mit dem er zuvor Joints geraucht und Videos angeschaut hatte, bedrängt worden sei. "Ich wollte nicht, hab ihr gesagt, dass ich eine Freundin habe." Zeugen wollen in den beiden aber ein Liebespaar gesehen haben. Er habe keine Beziehung mit Jelena gehabt, behauptet der Angeklagte.

Die Spurensicherung ergab: Es gab körperliche Kontakte. Dragan M. zeigt vor Gericht keine Reue. Sagt, er habe das Mädchen auf den Rücken schlagen wollen, aber den Kopf erwischt. Als er sich nach der Tat von seinem Stiefvater abholen ließ, habe das Mädchen noch gelebt. "Ich habe kein Blut gesehen." Der Gutachter Walter Rabl spricht von mindestens zwei Schlägen mit großer Wucht, der Schädel wurde zertrümmert. Dragan M. bleibt dabei: "Ich habe kein Blut gesehen, es war nur ein Schlag."

Am nächsten Tag kehrte er an den Tatort zurück: "Da hab ich den Fleck an einem Fuß gesehen". "Todesflecken?", fragt Richter Peter Mück. "Ja." Kalt und steif sei sie gewesen. Was dann folgte, "dafür hab ich keine Erklärung." Dragan M. zog dem toten Mädchen Hose und Slip, "Tanga" berichtigt M., aus, spreizte die Beine der Toten. "Warum?", die Frage von Staatsanwalt und Richtern blieb unbeantwortet. "Ich hab keine Erklärung dafür." Der Prozess wurde vertagt. Das Gericht will die obduzierende Ärztin hören. Dann müssen die Geschworenen entscheiden, ob Jelenas Tod Körperverletzung mit tödlichem Ausgang oder Mord war. Dragan M. drohen fünf bis 20 Jahre Haft. (Jutta Berger, DER STANDARD - Printausgabe, 15./16. November 2008)

Share if you care.