Österreichs Wirtschaft wächst kaum mehr

14. November 2008, 13:19
6 Postings

Laut Wifo ist das österreichische BIP im dritten Quartal nur noch um 0,1 Prozent gewachsen, im zweiten waren es noch 0,3 Prozent, der Aschwung in der Industrie dürfte sich noch verstärken

Wien - Österreichs Wirtschaft ist im 3. Quartal kaum noch gewachsen. Gegenüber dem Vorquartal legte das heimische BIP nur noch um 0,1 Prozent zu, nach noch +0,3 Prozent im 2. Quartal. Im Jahresabstand betrug die Zuwachsrate 1,5 Prozent nach +2,2 Prozent im 2. Quartal. Dies geht aus der ersten Schätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) von Freitag hervor.

Vor allem die exportgetriebene Sachgütererzeugung verzeichne vor dem Hintergrund des internationalen Abschwungs einen deutlichen Rückgang, erklärt das Wifo. Im 4. Quartal dürfte sich der Abschwung in der Industrie weiter verstärken. Darauf würden Vorlaufindikatoren hinweisen.

Im 1. Quartal hat sich das BIP gegenüber dem Vorquartal noch um 0,5 Prozent erhöht, im 4. Quartal 2007 hatte der Zuwachs 0,6 Prozent betragen. Im Jahresabstand waren es noch +2,8 bzw. +2,6 Prozent Plus gewesen.

Weniger Wertschöpfung

Das Wirtschaftswachstum hat in Österreich im Jahresverlauf weiter an Dynamik verloren, wie das Wifo am Freitag betonte. Besonders deutlich war die Abschwächung im 3. Quartal in der konjunkturreagiblen Sachgütererzeugung: Die Wertschöpfung sank gegenüber dem Vorquartal um 0,7 Prozent. Ein ähnlich hoher Rückgang war zuletzt im Jahr 2001 verzeichnet worden.

Die Bauwirtschaft, die die nachlassende Konjunktur im 1. Halbjahr 2008 gestützt hatte, steigerte die Wertschöpfung im Vorquartalsvergleich nur noch geringfügig (+0,2 Prozent). Während die Nachfrage nach Ausrüstungsinvestitionen abnahm, expandierten die Ausgaben der privaten Haushalte stabil (+0,3 Prozent gegenüber der Vorperiode). Wegen des Konjunktureinbruchs auf den wichtigsten Absatzmärkten war die Exportnachfrage rückläufig (-0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal).

Nachdem einige große europäische Volkswirtschaften bereits im 2. Quartal geschrumpft waren, verstärkte sich der Abschwung in der EU im 3. Quartal. Die Industrieproduktion geht im Euro-Raum seit Mai im Vorjahresvergleich zurück, und die Unsicherheit angesichts der Finanzkrise dämpft die Konsum- und Investitionsnachfrage, so das Wifo.

In den USA sank die reale Wirtschaftsleistung im 3. Quartal gegenüber dem guten 2. Quartal (+0,7 Prozent) bereits um 0,1 Prozent. Vermögensverluste auf den Immobilien- und Finanzmärkten drückten die Konsumausgaben der privaten Haushalte, nachdem sie im Vorquartal noch durch die expansive Fiskalpolitik gestützt worden waren.

Verstärkter Industrie-Abschwung

Laut aktuellem Wifo-Konjunkturtest dürfte sich der Abschwung in der österreichischen Industrie im Abschlussquartal verstärken, nehmen die Wifo-Experten an. Erstmals seit fünf Jahren meldeten im Oktober mehr Unternehmen einen Rückgang der Produktion als eine Ausweitung. Die Kapazitätsauslastung sank unter 82 Prozent und lag damit um 4 Prozentpunkte unter dem Wert vor eineinhalb Jahren. Vor allem die Nachfrageschwäche im In- und Ausland belaste die Unternehmen, Finanzierungsprobleme im Zuge der Finanzkrise bezeichneten dagegen nur rund 1 Prozent der Unternehmen als Produktionshindernis.

Die Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar kommt den exportorientierten Unternehmen entgegen. Der preistreibende Einfluss von Treibstoffen und Heizöl ließ entsprechend nach. Die Inflationsrate war im September mit 3,7 Prozent dennoch relativ hoch.

Der Konjunkturabschwung dämpft auch die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt. Während sich der Beschäftigungszuwachs im Jahresverlauf abschwächte (Oktober +1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, +0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal), stieg die saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat um 0,3 Prozent. Im Oktober waren in Österreich 202.800 Arbeitsuchende vorgemerkt, die Quote laut heimischer Berechnung verharrte saisonbereinigt bei 5,9 Prozent. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Österreichs Wirtschaft ist im 3. Quartal kaum noch gewachsen. Gegenüber dem Vorquartal legte das heimische BIP nur noch um 0,1 Prozent zu, nach noch +0,3 Prozent im 2. Quartal.

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.