United Internet könnte Freenet-Beteiligung verkaufen

14. November 2008, 08:18
posten

Zum Dreifachen des jetzigen Aktienkurses - Abkühlung im Online-Werbemarkt

Der deutsche Internetanbieter United Internet (UI) könnte sich zum richtigen Zeitpunkt von seiner Beteiligung am Konkurrenten Freenet trennen. "Wenn der Preis für Freenet wieder stimmt, könnten wir uns vorstellen unsere Beteiligung abzustoßen", sagte United-Internet-Chef Ralph Dommermuth am Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. "Wenn das Geschäft richtig geführt wird und die Finanzkrise beendet ist, dann kommt die Aktie sicher auch wieder auf die 16 Euro, zu denen wir gekauft haben", umriss er die Bedingungen für einen möglichen Verkauf. Derzeit ist die Aktie weniger als fünf Euro wert.

Beteiligung

UI ist zusammen mit Drillisch über ein Gemeinschaftsunternehmen mit knapp 26 Prozent an Freenet beteiligt. Derzeit sucht Freenet nach einem Käufer für seine DSL-Sparte. Doch der Verkauf kommt Branchenkreisen zufolge nur schleppend voran. Knackpunkt sind demnach vor allem die Preisvorstellungen von Freenet. Auch das Marktumfeld sei wegen der Finanzkrise derzeit ungünstig. Grundsätzliches Interesse hatten unter anderem Versatel und Vodafone bekundet, beide Unternehmen sollen aber Branchenkreisen zufolge nicht mehr im Rennen sein. Dommermuth wollte nicht sagen, ob sein Unternehmen unter den Interessenten ist.

Aktien

Weil die Aktienkurse von Freenet und Drillisch stark fielen, setzte UI den Wert seiner Beteiligungen in seinen Büchern um 145,6 Millionen Euro herab. Dies führte im dritten Quartal zu einem Nettoverlust von 104 Millionen Euro. Auch die Schwäche der Werbemärkte macht UI zu schaffen, was Dommermuth zu einer Rücknahme der Prognose zwang. "Wir haben im vergangenen Quartal die Abkühlung im Online-Werbemarkt zuerst in England, Frankreich und Spanien gesehen. Jetzt ist diese auch in Deutschland angekommen", sagte der Firmenchef. "Wir hatten in unserem Portalgeschäft ein Wachstum der Werbeerlöse von rund 40 Prozent im laufenden Jahr geplant, jetzt werden es noch rund 20 Prozent."

Kunden

Im DSL-Geschäft wird UI zudem nicht die angepeilte Kundenzahl erreichen. Seit einigen Monaten nutze United Internet ein neues DSL-Produkt der Deutschen Telekom. "Die Anschaltprozesse dauern dort etwas länger. Daher werden wir am Jahresende eine größere Zahl an Aufträgen haben, die noch nicht online sind", erläuterte Dommermuth. Auch verliert United Internet Kunden, weil nicht alle vom Internet-Anschluss auf die Komplettangebote aus Internet und Telefon wechseln. "Konkret standen einem Wachstum von 190.000 Komplettpaketen im dritten Quartal 170.000 Abgänge beim DSL-Resale gegenüber", sagte Dommermuth. Bei den Komplettpaketen werde das Unternehmen auch im vierten Quartal stark zulegen. (APA/Reuters)

Share if you care.