Wo das Gedächtnis sitzt

13. November 2008, 20:21
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Die Hirnforschung weiß, welche Regionen in unserem Gehirn für das Erinnern und das Sprechen zuständig sind

Frage: Ab welchem Alter kann sich der Mensch bewusst etwas merken?

Antwort: Ein Baby kann sich schon das Gesicht oder die Stimme von Menschen merken und zwar bereits im Alter von vier Monaten. Die Fähigkeit, sich bewusst an Erlebtes erinnern zu können, kommt aber erst im Vorschulalter. Die Erinnerungen werden dann auch dauerhafter, weniger flüchtig.

Frage: Wo im Gehirn sitzt das Gedächtnis?

Antwort: Das Langzeitgedächtnis ist in jener Gehirnregion verankert, wo auch das Gefühlsleben sitzt - im so genannten limbischen System. Jener Teil, in dem dort das Gedächtnis sitzt, ist der Hippocampus, der nach einem Ungeheuer der griechischen Antike benannt ist (von griechisch "hippos" [Pferd], von griechisch "kampos" [Seeungeheuer, Wurm]). Eine Beschädigung des Hippocampus beeinträchtigt das Erinnerungsvermögen

Frage: Gibt es noch andere Langzeitspeicher im Gehirn?

Antwort: Ja. Der Hippocampus kringelt sich um eine Gehirnregion, die Thalamus genannt wird, wo auch ein Teil des Langzeitgedächtnisses sitzt. Der Thalamus ist bei Menschen, die alkoholkrank sind, beeinträchtigt. Etwas weiter vorne im Gehirn befindet sich der Basalkern. Wenn er nicht richtig funktioniert, fehlt dem Gehirn ein wichtiger Botenstoff. Dadurch kann es zum Gedächtnisverlust kommen - wie es bei an Alzheimer erkrankten Menschen der Fall ist. Noch etwas weiter vorne (im so genannten präfrontalen Kortex) befindet sich ein Bereich, der abspeichert, wann und wo wir etwas erlebt haben. Das wird "Quellengedächtnis" genannt. Es braucht besonders lange, bis es ausgereift ist.

Frage: Wo merke ich mir noch etwas?

Antwort: Eigentlich ist jede menschliche Nervenzelle an Merkprozessen beteiligt. Die Nervenzellen verändern sich je nach Reizen, was im Gehirn gespeichert wird. An Langzeitgedächtnis-Leistungen sind die oben genannten Hirnregionen (Hippocampus, Thalamus, Basalkern und präfrontaler Kortex) jedenfalls immer beteiligt


Frage: Gibt es ein Sprachzentrum?

Antwort: In den vergangenen Jahren sind Forscher immer mehr von der Theorie abgekommen, dass das Sprachvermögen aus einer einzigen Gehirnregion kommt. Vielmehr ist für die Verarbeitung von Wörtern ein Zusammenspiel mehrerer Teile des Gehirns wichtig. Aber auch da gibt es Unterschiede: Bei abstrakten Begriffen sind nur wenige Gehirnregionen beteiligt, bei konkreten Begriffen viele verschiedene. Menschen mit größerer Gedächtnisleistung gebrauchen übrigens ein weitflächigeres Netzwerk im Gehirn als jene, die sich weniger merken. (Gudrun Springer, DER STANDARD - Printausgabe, 14. November 2008)

Die nächste Ö1-Kinderuni am Sonntag um 17.10 Uhr widmet sich dem Thema "Was darf ich? Über die Entstehung, Einhaltung und Bedeutung der Kinderrechte". Am Freitag im STANDARD. Foto: Universität Bielefeld

Links

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www.kinderuni.at

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