West-Banken ziehen Kapital vom Balkan ab

13. November 2008, 19:30
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Südosteuropa könnte von der globalen Finanzkrise noch stärker in Mitleidenschaft gezogen werden als die reichen Industrieländer des Westen

Zagreb - Südosteuropa könnte von der globalen Finanzkrise noch stärker in Mitleidenschaft gezogen werden als die reichen Industrieländer des Westens. Erstes Unheil deutet sich an: Der serbische Dinar verliert zurzeit besonders stark an Wert. Während man im Sommer noch 79 Dinar für einen Euro bezahlen musste, sind es jetzt schon 86.

Schuld sind offenbar die westlichen Banken. Belgrads Nationalbank-Präsident Radovan Jelasic erklärt den Kursverfall damit, dass die Muttergesellschaften der serbischen Töchter Kapital an sich ziehen. Zu Recht, sagt Vladimir Gligorov, Südosteuropa-Experte des Wiener Instituts für internationale Wirtschaftsvergleiche: "Schon seit Monaten fließt Geld ab." Auch der rumänische Leu steht offenbar unter Druck. Serbien und Rumänien haben ihre Banken vor allem an österreichische und italienische Muttergesellschaften verkauft. Wo die Währung durch Anbindung an den Euro sicher ist, wie in Bulgarien, Bosnien und Montenegro, ist die Lage nicht besser. Fehlt der Puffer, schlagen Krisen sich sofort in einer Rezession nieder.

Die Balkan-Banken leiden zwar nicht direkt unter dem Zusammenbruch der Immobilienpreise in den USA und dem Crash in Island. Aber die Länder der Region haben ihre eigenen "Immobilienblasen" produziert, die jetzt zu platzen drohen. Vor allem in den neuen EU-Ländern Rumänien und Bulgarien, aber auch an den Küsten von Kroatien und Montenegro haben potente Ausländer die Preise getrieben. Soweit die Anschaffungen mit örtlichen Krediten finanziert wurden, werden die jetzt faul. "Überall in der Region sind die Banken in den letzten Jahren sehr stark ins Hypothekengeschäft eingestiegen", sagt Gligorov. Verfallen die Immobilienpreise, geraten sie in Turbulenzen.

Noch größeres Ungemach steht an, wenn die Krise auf die Realwirtschaft übergreift. Besonders gefährdet sind Volkswirtschaften, die stark auf bestimmte, wenige Exportgüter setzen - kleine Länder also, aber auch die Ukraine, deren Export wenig diversifiziert ist. (Norbert Mappes-Niediek, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.11.2008)

 

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