EU will Energieverschwender brandmarken

13. November 2008, 19:43
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Neue Kennzeichnungspflichten für Autoreifen - Brüssel setzt auf mehr Windparks, Sonnen­energie und last but not least auf Atomkraft

Brüssel - Mit neuen Kennzeichnungspflichten will die EU-Kommission Anreize zum Energiesparen schaffen. Analog zur Verbrauchskennzeichnung von Haushaltsgeräten mit den Buchstaben A-G sollen nun erstmals auch Autoreifen hinsichtlich ihrer Kraftstoffeffizienz eingestuft werden. Die EU schätzt, dass Autofahrer damit bis zu zehn Prozent Sprit sparen könnten. Daneben sollen auch Heiz- und Klimageräte Energie-Etiketten bekommen sowie die durchgehende Energiekennzeichnung von Häusern durchgesetzt werden.

Mit einem grundlegenden Umbau der Energieversorgung soll Europa seine Abhängigkeit von Öl- und Gas-Importen verringern. Die EU-Kommission forderte am Donnerstag in Brüssel massive Investitionen in Windparks und den Aufbau eines "Energie-Rings" rund ums Mittelmeer, um mehr Solarstrom in europäische Haushalte zu lenken. Zugleich präsentierte sie Vorschläge zum Energiesparen. "Wir müssen den Teufelskreis steigenden Energieverbrauchs und zunehmender Importe durchbrechen", forderte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.

Verstärkt in heimische Energiequellen investieren

Über 50 Prozent der in Europa verbrauchten Energie müssten schon heute aus anderen Regionen eingeführt werden, erklärte Barroso. Die Kosten pro EU-Bürger belaufen sich nach seinen Angaben auf 700 Euro jährlich, insgesamt rund 350 Milliarden Euro. Allein im vergangenen Jahr seien die Energiepreise in der EU um rund 15 Prozent gestiegen. Die Europäer müssten deshalb Energie sparen und verstärkt in heimische Energiequellen investieren.

Atomkraft

Neben Wind- und Sonnenergie setzt die EU-Kommission dabei auch auf die Atomkraft. Die 148 Atomreaktoren in der EU deckten gegenwärtig rund ein Drittel des Stromverbrauchs ab und produzierten kaum Treibhausgase, betonte die Brüsseler Behörde. Vor diesem Hintergrund würden "Entscheidungen über eine Laufzeitverlängerung, neue Investitionen oder den Ersatz von Reaktoren jetzt akut".

Um den Energieverbrauch zu reduzieren, will Brüssel Hausbesitzer in ganz Europa bei größeren Renovierungen zu Klimaschutzmaßnahmen verpflichten. EU-weit könnte damit der Energieverbrauch um fünf bis sechs Prozent gesenkt werden, erklärte die Kommission.

Da der Anteil der Gas- und Öl-Importe aus dem Ausland trotz alledem weiter steigen wird, will sich Brüssel um eine Verminderung der Abhängigkeit von Russland bemühen, dem wichtigsten Energielieferanten der EU. Dazu soll der seit langem geplante Bau einer Gas-Pipeline vom Kaspischen Meer nach Europa vorangetrieben werden. Als Konsequenz aus den wiederholten Liefer-Unterbrechungen Russlands an Transitländer wie die Ukraine und Weißrussland, die sich
teilweise auch in der EU bemerkbar machen, schlug die Kommission die Entwicklung eines Krisenreaktionsmechanismus vor. (APA)

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    EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und EU-Energiekommissar Andris Piebalgs bei der Präsentation des zweiten Energie-Strategie-Berichts.

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