Warten auf den richtigen Zeitpunkt

13. November 2008, 19:07
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Marc Janko wird Salzburg irgendwann verlassen. Manager Stangassinger kann den Termin nicht nennen, er erhält haufenweise Angebote. England und Deutschland werden bevorzugt.

Salzburg - Georg Stangassinger, seit zwei Jahren Manager von Marc Janko, hat aufgehört, die Anfragen zu zählen. "Konkret sind 20 Angebote, es könnten auch mehr sein." Das Handy des Berchtesgadeners klingelt und klingelt, die Mailbox quillt über, wildfremde Stimmen flehen um Rückruf. Am Donnerstag hatte der 50-jährige Stangassinger zum Beispiel einen Scout aus Deutschland in der Leitung. Der hat am Vortag die beiden Tore Jankos beim 2:2 in Ried gesehen. "Er versicherte mir, dass es Weltklasse war. Ich behaupte: Marc ist wirklich ganz nahe an der absoluten Weltklasse."

Den prinzipiellen Nachteil, in der als armselig geltenden österreichischen Liga tätig zu sein, hat der 25-jährige Janko praktisch außer Kraft gesetzt. 22 Tore in 17 Runden fallen international auf. Stangassinger: "Es kommt auch auf die Schönheit der Tore an. Ein tolles Solo ist für den Marktwert besser als ein billiger Abstauber. Und Treffer im Nationalteam zählen doppelt. Wer gegen Italien oder Frankreich scort, wird rascher respektiert." Wie lange Janko noch für Red Bull Salzburg netzt, vermag Stangassinger nicht zu beantwortet. Die Aussage von Trainer Adriaanse, der sinngemäß behauptet hatte, dass Janko erst reif für Ungarn wäre, konnte Stangassinger nicht nachvollziehen. "Keine Ahnung, was er damit bezwecken wollte." Der Vertrag bei den Bullen endet erst 2011. "Es ist kein Geheimnis, dass Herr Mateschitz gut zahlt. Aber Ziel ist das Ausland. Salzburg wird nicht verhindern wollen, dass Marc seinen Traum leben darf. Da bin ich mir sicher. Und irgendwann muss ein Klub ja auch ein Geschäft machen."

Persönlichkeit

Janko selbst hat sich quasi aus dem Gespräch genommen. Natürlich weiß er, dass er äußerst gefragt ist. In Ried sagte er: "Dass viele Scouts im Stadion waren, ist mir egal. Ich plane gar nichts, konzentriere mich auf Salzburg und lasse alles auf mich zukommen." Auf Janko kommt einiges zu. Hält er den Schnitt, ist Hans Krankls Rekord aus dem Jahre 1978 gebrochen. Der traf damals 41-mal für Rapid. Stangassinger: "Marc könnte in die österreichischen Annalen eingehen, das macht sich gut auf der Visitenkarte. Er ist vernünftig, bleibt auf dem Boden. In seiner Karriere hat er immer kalt und warm bekommen, auf eine Enttäuschung folgte der Erfolg. Und dann kam wieder eine Verletzung. Er ist zur Persönlichkeit gereift."

Über den wahren Marktwert lässt es sich lustig spekulieren, generell werden Stürmer an der Börse höher gehandelt als Verteidiger. Stangassinger, der sich auch um Andreas Ivanschitz, Helge Payer und Andreas Dober kümmert: "Fünf Millionen Euro, zehn Million, 15 Millionen. Das sind Spielereien." Die globale Finanzkrise belaste natürlich auch den Fußball . "Man muss darauf achten, zu welchem Verein man geht. In Italien können viele Klubs die Gehälter nicht mehr zahlen. Und auch in der Türkei muss man vorsichtig sein."

Janko strebt ohnedies einen Transfer in die englische Premier League oder deutsche Bundesliga an. Stangassinger: "Dort passt er am besten hin. Er nimmt den Ball an, schließt schnell ab, verschwendet keine Zeit, trödelt nicht." Problem sei, den richtigen Zeitpunkt für einen Wechsel zu erwischen. Da wird der Kick für den Manager philosophisch. "Gibt es den überhaupt? Fußball ist ein Tagesgeschäft, unberechenbar, ein Risiko bleibt. Und vor allem benötigt man Glück." Das Angebot von Hertha BSC sei übrigens sehr konkret.

Stangassinger geht nicht unbedingt von einem Transfer bereits in der Winterpause aus. "Es sei denn, irgendein reicher Engländer von einem vernünftigen Klub taucht auf und blättert Salzburg 15 Millionen hin." Das Handy werde, so der Manager, gewiss noch oft läuten. "Hoffentlich ist der Richtige dran." (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 14.11.2008)

 

 

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    Wer in der österreichischen Liga bisher 22-mal gejubelt hat, fällt auch außerhalb des Landes auf. Marc Jankos Wert steigt.

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