"Müssen besser arbeiten als andere"

13. November 2008, 18:48
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Ex-Bundesligavorstand Nachbagauer skizziert die überfällige Reform des österreichischen Fußballbundes

Wien - Neben seinem interimistischen Präsidenten Kurt Ehrenberger (75) wirkt der ÖFB gar nicht so alt. Das kann noch besser werden. Reinhard Nachbagauer (52) schlägt den Umbau des Verbandes vor, mit Vorstand und Aufsichtsrat. Nachbagauer werkte bis vor zweieinhalb Monaten als Stellvertreter von ÖFB-Generalsekretär Alfred Ludwig, kümmerte sich um die Abwicklung der EURO und die Entwicklung der Verbandsstruktur. Die eher geheimnisvolle und seit Ende August entschlafene "Zukunftswerkstätte" ging auf eine Initiative Nachbagauers zurück. Sie sollte die "neue Struktur" des ÖFB definieren. Sie hätte aus dem verzopften Verband eine Firma gemacht - ähnlich der Bundesliga. Nachbagauer: "Der Präsident sollte ein Aufsichtsratsvorsitzender sein, am besten ein Unternehmer. Dazu zwei Liga-Vertreter als Stellvertreter und drei Landespräsidenten sowie externe Profis, Vertreter der Sponsoren."

Derzeit trifft das ÖFB-Präsidium die Entscheidungen. Dort sitzen neun Landesverbandspräsidenten (plus dem Burgenländer Rudolf Talos als Finanzreferent) und drei Bundesliga-Vertreter. Die operativen Chefs, ÖFB-Generalsekretär Ludwig und Bundesliga-Vorstand Georg Pangl, verfügen wie der ÖFB-Rechtsabteilungschef Thomas Hollerer über Anwesenheits-, aber kein Stimmrecht.

In einem Aufsichtsrat würden die Landesverbands-Chefs an Wichtigkeit, Einfluss und Öffentlichkeitswert verlieren. "Muss man ihnen halt klarmachen, dass die Änderungen zum Besten des Fußballs und damit auch zu ihrem Besten sind", sagt Nachbagauer. Derzeit geben die Chefs des Amateurfußballs sogar zum Nationalteam Kommentare und Sanktus. Interimspräsident Ehrenberger, der über eine vierzigjährige Erfahrung zwischen WAC und Donaufeld verfügt, will Teamchef Karel Brückner ins Gewissen reden.

Nachbagauer betrieb die Bundesliga-Reform Mitte der 1990er. Liga-Chef Hans Reitinger wusste, dass die Zeit der totalen Ehrenamtlichkeit angesichts der Kapitalisierung und Globalisierung des Fußballs die Wettbewerbsfähigkeit von Verband und Vereinen untergrub. Nachbagauer und rührige Manager (Werner Kuhn, Markus Kraetsch-mer, Jürgen Werner, Heinz Schilcher, Werner Hebenstreit, Karl Wieseneder) erstellten das Konzept "Bundesliga 2000". Ende der 1990er erfolgte dann die Statutenänderung.

Die moderne Arbeitsverfassung ließ die Liga auch den Bundesliga-Präsidenten Frank Stronach und seinen Neo-Feudalismus ("die Präsidenten geben das Geld her") überstehen. Ligapräsident Martin Pucher legt als "Aufsichtsrat" seine Rolle sehr operativ an, was die Effizienz der Arbeitsteilung mit Vorstand Pangl nicht notwendigerweise steigert.

Im Liga-Vorstand sitzen neben Pangl (Sponsorenverträge, TV-Lizenzen) Reinhard Herovits (Finanzwesen) und Christian Ebenbauer (Rechtswesen). Eine analoge Aufteilung empfiehlt Nachbagauer dem ÖFB. "Jeder Vorstand hat sein Büro, man kann sich überlegen, ob man etwa das Marketing auslagert oder nicht. Außerdem würde ich wie bei der Bundesliga die operative Ebene stärken und einen Jour Fixe der Landes-Sekretäre einführen." Ein zentrales Manko des ÖFB würde elegant behoben. Die zweite Führungsebene existiert praktisch nicht, Generalsekretär Ludwig, der vieles kann, aber Kompetenzen und Verantwortung teilen eher nicht, gibt eine Art Alleinunterhalter.

In der Bundesliga haben sich die Manager von den Präsidenten weitgehend emanzipiert und das operative Geschäft dadurch professionalisiert. Große Verbände wie in Deutschland werden zwar nach wie vor Ehrenamtsmännern präsidiert, die Geschäfte führen aber Manager.

Nachbagauer arbeitete von 1979 bis 2002 in der Liga, seit 1999 als Vorstand. Er handelte Mitte der 1990er den ersten TV-Vertrag aus, der nicht mit dem ORF, sondern mit der Vermarktungsfirma ISPR geschlossen wurde. Ein damals umstrittener, seither als wegweisend anerkannter Schritt. Nachbagauer: "Wir kommen wirtschaftlich mit England, Spanien, Italien nicht mit. Sogar Deutschland tut sich schwer. Daher müssen wir besser arbeiten als die alle. Tun wir aber derzeit nicht." (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe 14.11.2008)

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