
Und wer zahlt die Zeche für das opulente Leben? - "Wer jetzt den Rotstift im Sozialbereich ansetzt, erliegt einem Trugschluss."
Finanzkrise und Klimakatastrophe zeigen, dass unser Wachstum auf Kredit gebaut war. "Nachhaltigkeit" sollte zum Paradigma eines neuen Wertesystems werden. - Über die Schuld(en), die unser Lebensstil provoziert hat.
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Die Hiobsbotschaften in der Finanzwelt reißen nicht mehr ab. Tumulte an den Börsen, Rettungspakete für Banken und die Angst vor einer Rezession - die Realität hat Amerika und den Rest der Welt wieder eingeholt und eine bittere Erkenntnis gebracht: Geld kann nicht - wie im Märchen der süße Hirsebrei - auf wundersame Weise unendlich vermehrt werden: Ein herbes Erwachen aus einem Traum, der nur auf Kredit gebaut war.
In den letzten Jahren war das Banken- und Börsensystem vor allem auf einem Faktor aufgebaut: der Gier. Das ständige Streben nach übermäßigem Wachstum, die damit einhergehende Bereitschaft, alles auf eine Karte zu setzen und ein hohes Spekulationsrisiko einzugehen, erinnern mehr an ein Spiel am Kasinotisch denn an seriöse Geldgeschäfte. Echtes Unternehmertum zeichnete sich schon immer durch langfristige und verantwortungsvolle Führung aus. Würden Klein- und Mittelbetriebe nur annähernd so agieren, würden sie nicht einmal ein Jahr überleben - und sich vor Gericht verantworten müssen.
Doch es sind nicht nur Kredite und überzogene Spekulationen, die die Weltwirtschaft gerade wie ein Bumerang einholen. Auch der jahrelange Raubbau an natürlichen Ressourcen und der allzu sorglose und rücksichtslose Umgang mit unserer Umwelt fordern nun ihren Tribut, für den wir mindestens ebenso hohe Schuldenbeträge zahlen müssen. Der Klimawandel sowie die Probleme bei der Energieversorgung sind dramatische Entwicklungen, die dem Ausmaß der Finanzkatastrophe um nichts nachstehen. Vielmehr verstärken sich diese Krisen gegenseitig, und ihre Auswüchse unterhöhlen die Volkswirtschaften überall auf der Welt. Überflutungen, Dürren oder Tornados haben Agrarproduktionen lahmgelegt, Infrastruktur zerstört und Millionen Menschen obdachlos gemacht - und natürlich viel Geld gekostet. Und das ist erst die Spitze des Eisbergs.
Ob es nun um finanzielle oder natürliche Ressourcen geht - deren Verschwendung, die Ausbeutung und die ungerechte Verteilung hängen schlussendlich mit unserem Konsumverhalten, unserem Lebensstil und unserer Wirtschaftsweise zusammen. Tatsächlich müssten diese Krisen also vor allem eine Konsequenz haben: einen Umbruch in unserem Wertesystem. Weg vom Gierfaktor hin zu mehr Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt. Oder anders gesagt: Wir brauchen eine Rückbesinnung auf ursprüngliche unternehmerische Werte.
Nur ein Marketing-Gag?
"Nachhaltigkeit" ist in den letzten Jahren zu einem sehr stark strapazierten Schlagwort geworden, das mittlerweile für vieles herhalten muss: Da gibt es den nachhaltigen Tourismus, nachhaltigen Landbau, nachhaltigen Wohnbau, einen nachhaltigen Lebensstil ... Klingt alles gut, aber gleichzeitig auch nach viel heißer Luft. Was also bringt die Nachhaltigkeit in Zeiten der Krise?
Die Idee einer "nachhaltigen Entwicklung" setzt sich aus drei Säulen zusammen - Soziales, Ökologie und Ökonomie - sie hat also nicht nur eine umweltpolitische Dimension, sondern zielt auch auf soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Stabilität. Nachhaltigkeit ist also keinesfalls als Gegensatz zu Unternehmertum, Gewinn, Wachstum und Wettbewerb zu sehen, sondern vielmehr als umfassende Strategie, die die aktuellen Krisen bewältigen könnte. Ein nachhaltiger Umgang mit unseren Ressourcen würde eine völlig neue Qualität wirtschaftlicher Dynamik freisetzen, die der "Gierökonomie" weit überlegen ist.
Selbst wenn derzeit ein auf Nachhaltigkeit aufgebautes Wirtschaftssystem noch Wunschdenken ist - es gibt bereits zahlreiche Beispiele nachhaltig agierender Unternehmen, die Rückschläge besser überstehen, weil sie ihre Geschäftspolitik an Werten und langfristigen Zielen ausrichten. Und es steht außer Zweifel: Wer auf steigende Energie- und Transportkosten, immer anspruchsvollere gesellschaftliche und gesetzliche Anforderungen sowie die wachsende Globalisierung nicht reagiert, wird zunehmend Wettbewerbsnachteile haben.
Umso bedauerlicher ist es, dass die Unmittelbarkeit und Heftigkeit der Finanzkrise bei so manchem Unternehmen als Vorwand für Einsparungsmaßnahmen vorgeschoben wird. Energieintensive Branchen stellen langfristige Pläne für den Umwelt- und Klimaschutz zurück; Der Rotstift wird auch bei sozialen Leistungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angesetzt. Dass man damit eine Lösung für die prekäre wirtschaftliche Situation erzielt, ist ein Trugschluss. Es zeigt lediglich, dass für diese Unternehmen Nachhaltigkeit nicht mehr als ein Marketing-Gag ist, der in Zeiten wie diesen keinerlei Bedeutung hat.
Das Fehlen nachhaltiger Strategien in den Managementsystemen ist übrigens vor allem in einer Branche signifikant: im internationalen Banken- und Finanzwesen. Beim Klima- und Umweltschutz erkennen Finanzunternehmen nur zögerlich die Notwendigkeit eigenen Engagements. Die gesellschaftliche Verantwortung für das Gemeinwesen und für die Ärmsten der Armen ist mit wenigen Ausnahmen ein Fremdwort in dieser Branche.
Und wie sieht es mit der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit aus? - Die aktuelle Finanzkrise ist wohl Antwort genug auf diese Frage. (Monika Langthaler, Christian Nohe, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.11.2008)
Autoren
Monika Langthaler und Christian Nohel sind Geschäftsführer der Beratungsfirma brainbows.
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aber sind wir uns ehrlich, um das Ruder des maroden Finanzraddampfers noch einmal rumzureißen braucht es billiges Öl und billige Rohstoffe in rauen Mengen.
Das die Umwelt dabei den kürzeren ziehen wird liegt doch auf der Hand.
Ich sehe den Ansatz der Nachhaltigkeit als richtig an, besonders stark in Kombination mit Hightech, auch wenn es skurril klingt.
Bald werden wir uns vom Dogma der "schrecklichen Arbeitslosigkeit" trennen. Denn in wenigen Jahrzehnten wird körperliche Arbeit großteils von Maschinen erledigt werden, in wenigen Jahrhunderten ebenso die Geistige.
Würden also alle ihre Schulden zurückzahlen,gäbe es nicht nur kein Geld mehr,sondern es würden auch Massen an Zinsforderungen übrigbleiben.Der Schuldendruck kommt ja eben durch den Zins.Weil alles Geld der Welt Kredit ist,kann der Zins dafür nicht vorhanden sein und kommt nur durch neuerlichen Kredit ins System(Zinseszinseffekt: Exponentialkurven in der Gesamtverschuldung).
Die "Gier" anprangern ist wirklich das Populistischste und Billigste Argument,weil eben die Gier(d.h. exponentielle Aufschuldung)Voraussetzung ist, damit das System überhaupt funktioniert.Alles was man bräuchte wäre 100% warengedecktes Geld(z.B. Goldstandard),100% Kapitalismus und 100%ige Abschaffung der Zinsmanipulateure(Zentralbanken)und Verbot von Staatsverschuldung.
Die Teilung in Einzelfragen gehört zum wissenschaftlichen Denken, insofern ist die Analyse des reinen Geldsystems samt Marktpsychologie zweifellos Voraussetzung für jede politische Ökonomie, doch ohne die Kenntnisnahme anderer Gesellschaftsbereiche werden solche Analysen trotz wissenschaftlicher Korrektheit im Rahmen des von der Gesellschaft abstrahierten Theorietableaus zur puren Ideologie.
Daß in Fragen der Infrastruktur und anderen Staatsaufgaben der freie Markt nicht die optimale Antwort ist, kann ganz ohne Generalabstraktion zu einer künstlichen Widerspruchsfreiheit in der Theorie anhand der USA festgestellt werden.
Gefragt sind heute Ökonomen, die ihre Theorie-Sandkiste verlassen, und sich mit der realen Ökonomie beschäftigen.
Denn ursprünglich wurde vom Kapitalismus ja gerade erhofft, daß er bestimmte menschliche Neigungen und Triebe unterdrücken und eine weniger unberechenbare, eher »eindimensionale« menschliche Persönlichkeit prägen würde. Diese Auffassung .. ergab sich aus der tiefsten Unruhe, welche die .. allgegenwärtigen Gefahren einer bestimmten historischen Periode hervorriefen, - aus der Besorgnis über die. zerstörerischen Kräfte, die von den menschlichen Leidenschaften entfesselt wurden: mit der Ausnahme, wie es damals schien, der »harmlosen« Habsucht.
(Alert O.Hirschman, Leidenschaften u. Interessen, S. 17 u. 141)
Max Weber beginnt den Hauptteil seiner Protestantischen Ethik mit der Frage: »Wie ist nun aus diesem, im günstigen Fall, sittlich tolerierten Gebaren ein Beruf im Sinne Benjamin Franklins geworden?« Mit anderen Worten: Wie konnte es geschehen, dass Handel, Bankwesen und andere dem Gelderwerb dienende Tätigkeiten an einem gewissen Punkt der Moderne ehrbar wurden, nachdem sie jahrhundertelang als Geiz, Gewinnsucht und Habgier verurteilt oder verachtet worden waren?"
Auch die soziale Nachhaltigkeit soll ein Thema sein, nicht nur die Umwelt. Nachhaltigkeit ist eine Form von Ganzheitlichkeit. Wenn die Nachhaltigkeit nicht auch beim Menschen selbst angewendet wird, dann hat sie seine Existenzberechtigung verfehlt. Eine nachhaltige Geschäftsidee muss ja nicht per se eine Gewissensberuhigung sein. Das wäre eine Geschäftsverständnis der endlosen Manipulation. Das ist der Kapitalismus der Vergangenheit, einen nachhaltigen Kapitalismus hat es noch nicht wirklich gegeben, denn diese Verbindung von inneren und äußeren Werten hat es es noch nicht gegeben. In dieser Hinsicht könnte die Finanzkrise durchaus ein Segen sein, weil es die Menschheit dazu zwingen könnte, endlich die Nachhaltigkeit zu leben.
Das ist ja immer wieder niedlich, wie sich die ehemalige Realo-Fraktion der Grünen ernsthaft und beseelt bemüht, dem Kapitalismus auch positive Seiten abzugewinnen. Nachhaltigkeit als Geschäftsidee, so kann man Gewissensnöte beruhigen. Der Kapitalismus läßt sich aber nicht in einen gierigen und einen verantwortlichen unterscheiden, sondern ist ein Gesamtkomplex, der zusammenhängt. Die höheren Preise für nachhaltige Produkte und Dienstleistungen können in der Ersten Welt nur bezahlt werden, weil Ausbeutung in anderen Sektoren umso rigider stattfindet, und zwar im Finanz-, Produktions- und Handelssektor. Ungleiche terms of trade, Rohstoffkriege, Standortwettbewerbe um niedrigste Löhne sind das Feuer, auf dem Langthaler ihre Suppe kocht.
die damit einhergehende Bereitschaft, alles auf eine Karte zu setzen...]
stimmt schon. Aber warum tun die das - weil ihnen in wahrheit nichts passieren kann. der einzige, der im augenblick im häfen sitzt ist der elsner. und der tut mir schon !!!fast!!! leid.
alle andern haben die schäfchen im trockenen und warfen bis vor kurzen mit dem geld anderer leute herum als gäbe es kein morgen. immer auf die nächsten quartalszahlen schielend. DAS ist einer der wesentlichsten punkte, die geändert gehören. quartalszahlen irrelevant machen - und wieder die substanz von unternehmen bewerten. nicht das, was irgendwelche dahergelaufenen autoverkäufer daherblasen. weil es sowieso nie der realität entspricht.
In einem System, wo der Staat gesetzlich legitemiert, dass Geschäftsbanken Geld aus dem Nichts kreiieren dürfen, würde jede Bank aus dem freien Markt ausscheiden, die nicht endlos viele Kredite zu endlos günstigen Konditionen herausgibt. Dazu kommt noch die Zinsmanipulation der Zentralbank und eben durch die permanente Kreditmengenausweitung der Zentralbanken steigen die Preise und damit die Sicherheiten für weitere Kredite. Wenn dann 20 Jahre lang die Häuserpreise steigen muss man sich nicht wundern, wenn die Kreditvergabe zusätzlich immer laxer wird.Und wenn der Kunde keinen Kredit bekommt, dann geht er eben zu einer anderen Bank. Schuld an diesen ganzen Desaster hat NUR und AUSSCHLIEßLICH der Staat und sein Monopoly-Geld aus dem Nichts.
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