"Das Vermächtnis": Zeitzeugen auf DVD über NS-Terror

13. November 2008, 18:41
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Videoexperten aus Vorarlberg und Salzburg haben 13 Interviews ausgewählt - "in jedem Mensch bildet sich die ganze Geschichte ab"

Hohenems - "Man hat mich nie gefragt. Niemand wollte meine Geschichte hören", Elisabeth Scheiderbauer (72) sagt das eher erstaunt als anklagend. "Sag niemandem, dass du im KZ warst, sag niemandem, dass du Jüdin bist", verweist ihre sieben Jahre ältere Schwester Helga Feldner-Busztin auf ein "Tabuthema", das bis in die Gegenwart reiche. Die beiden Schwestern erzählten zum Gedenken an das Novemberpogrom in der früheren Synagoge Hohenems über ihre Leidenszeit als Kinder im KZ Theresienstadt, das Glück, die Eltern nicht verloren zu haben, die Schwierigkeit wieder zueinander- und sich zurechtzufinden.

Die Geschichte der beiden Wienerinnen ist auch auf der DVD "Das Vermächtnis" zu finden. Historiker, Lehrende, Videoexperten aus Vorarlberg und Salzburg haben für die DVD 13 Interviews aus der Sammlung der von Steven Spielberg gegründeten Shoah Foundation ausgewählt und für den Schulunterricht aufbereitet. Die Geschichten der Überlebenden sollen ein Schlüssel zur Geschichte selbst sein. "Denn", so Albert Lichtblau, "in jedem Mensch bildet sich die ganze Geschichte ab."

Die nächste reale Begegnung mit einer Zeitzeugin ist am 13. Jänner, 15 Uhr, im Festsaal des Landesschulrates in Innsbruck möglich: Horst Schreiber spricht mit Dorli Neale, geborene Pasch, die 1938 aus Tirol fliehen musste. (jub, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. November 2008)

  • Dorli Pasch war ein fröhliches Innsbrucker Kind bis sie Opfer des NS-Terrors wurde und nach England fliehen musste.
    foto: dorli neale/london

    Dorli Pasch war ein fröhliches Innsbrucker Kind bis sie Opfer des NS-Terrors wurde und nach England fliehen musste.

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