
Suhrkamp-Autor Gaston Salvatore sieht seine Intentionen vom Burgtheater missachtet.
Wien - Die Uraufführung von Gaston Salvatores Charles-Darwin-Stück Feuerland im Kasino des Burgtheaters am Wiener Schwarzenbergplatz (14.11., 20 Uhr) wird von massiven Meinungsverschiedenheiten überschattet.
Der 67-jährige Autor, in Chile geborener Sohn italienischer Einwanderer und Neffe von Salvador Allende, distanziert sich gegenüber dem Standard in deutlichen Worten vom Konzept des Leitungsteams (Regie führt Tina Lanik): "Wir haben vor eineinhalb Monaten ein langes Gespräch miteinander geführt, und ich habe Einwände gegen die Ästhetik geltend gemacht." Salvatores Zwei-Personen-Stück erzählt von der Feuerlandfahrt des Naturforschers Darwin 1831.
An der gefahrvollen Expedition nach Patagonien sind drei feuerländische Ureinwohner beteiligt. Die in England zwischenzeitlich zu Musterchristen ausgebildeten "Steinzeitmenschen" (Salvatore) sollen bei den "Yaghanen" die Frohbotschaft der Zivilisation verbreiten helfen.
An diesem für ihn heiklen Punkt sei die Verständigung zwischen Dichter und Theater zum Erliegen gekommen, sagt Salvatore: "Was man zu inszenieren beabsichtigt, hat nichts mit dem gemeinsam, was ich geschrieben habe! Ich habe mit dem Feuerländer ,Jemmy Button‘ eine Caliban-Figur geschaffen - einen Naturmenschen, der daher nach Möglichkeit auch nicht wie Kevin Costner sprechen sollte!"
Wie dünn ist der Lack der Zivilisation, den man auf den Angehörigen einer indigenen Kultur pinseln kann? Salvatore, nach seiner zwischenzeitlichen Auswanderung nach Deutschland (1965) Proponent der Studentenbewegung und Rudi-Dutschke-Freund, sieht seinen Text unachtsam in die Regie-Pflicht genommen: "Warum müssen klar gekennzeichnete Figuren verblasen herumsprechen, als säßen sie auf der Terrasse eines Golfklubs?"
Autoren wie er - Salvatore hat seit 1970 rund 15 Stücke verfasst, darunter große Erfolge wie Stalin (1985) - würden von den Theatern "wie Palmen in Kalifornien" behandelt: "Als wäre man irgendein Drehbuchautor! Und vor den Palmen werden Figuren wie Bauern auf dem Schachbrett herumgezogen."
Um des lieben Friedens willen habe er trotzdem in die Uraufführung eingewilligt: "Ich tröste mich damit, dass es sehr bald Folge-inszenierungen in Deutschland geben wird - die Verhandlungen laufen auf Hochtouren!" Laniks Inszenierung wolle er vorderhand nicht mit seiner Anwesenheit beehren. Das Burgtheater legt dem obligaten Programmbuch ("Text in einer Fassung des Burgtheaters" ) den Originalwortlaut von Feuerland in gesonderter Form bei. (Ronald Pohl / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.11.2008)
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