Finanzgerüst aus dem Museum für Architektur

13. November 2008, 18:04
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Ab Freitag treffen sich die führenden Vertreter der 20 stärksten Industrienationen, um in der Finanzkrise über neue Regeln zu reden

Zufall oder nicht, allein der Tagungsort ist ein Symbol. Ab Freitag treffen sich die führenden Vertreter der 20 stärksten Industrienationen, um in der Finanzkrise über neue Regeln zu reden. Die G20 versammeln sich im National Building Museum, dem Architekturmuseum Washingtons. Mancher versteht es als schöne Metapher: Was auf der Tagesordnung steht, ist eine neue Architektur der Regulierung der Finanzmärkte.

So haben es die amerikanischen Gastgeber formuliert, als sie sich im Oktober für die Idee erwärmten. Und in dem vorbereitenden Papier, das George W. Bushs Kabinett zirkulieren ließ, war ausdrücklich von einer neuen Regelarchitektur die Rede. "Noch Anfang September" , sagt ein europäischer Diplomat, "wäre das völlig undenkbar gewesen."
Die Pleitewelle der Investmentbanken, die am 15. September mit dem Kollaps des Traditionshauses Lehman Brothers begann, hat auch im Weißen Haus zu einem Umdenken geführt. In die Melodie, wonach man die Märkte am besten sich selbst überlässt, wollen selbst Bushs Konservative nicht mehr einstimmen. Allerdings ist noch völlig offen, wie das neue Finanzgebäude aussehen soll.

Unstrittig sind die Prinzipien: höhere Transparenz, bessere Buchführung, strengere Standards für Ratingagenturen, mehr Aufsicht über die Banken. In einer gemeinsamen Erklärung wollen die Gipfelteilnehmer sie ausdrücklich betonen - wobei die USA drängen, auch den Grundsatz freier Märkte klar festzuschreiben. Die aktuelle Verunsicherung dürfe nicht dazu führen, dass sich einzelne Staaten protektionistisch abschotten.
Mit konkreten Bauplänen rechnet jedoch niemand, zumal der wichtigste Akteur durch Abwesenheit glänzt. Erst am 20. Jänner wird Barack Obama als nächster US-Präsident vereidigt. (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 14.11.2008)

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