Neue Aufgabe für den roten Krisenmanager

13. November 2008, 17:52
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Der "begnadete Netzwerker" Hundstorfer ist - wie schon bei der Bestellung zum ÖGB-Chef - der Kompromisskandidat für das Sozialministerium

Wien - Für Rudolf Hundstorfer wäre es ein "würdiger Abschluss seiner Karriere" , wie es ein Gewerkschafter formuliert. Platzen die Koalitionsverhandlungen zwischen SPÖ und ÖVP nicht doch noch überraschend, wird der 57-jährige ÖGB-Präsident schon in wenigen Wochen als Sozial- und Arbeitsminister angelobt. Wie es gewerkschaftsintern heißt, soll Hundstorfer SPÖ-Chef Werner Faymann bereits zugesagt haben.

Mag der Wechsel von der ÖGB-Spitze in einMinisterium auf den ersten Blick überraschen, so folgt er doch einer gewissen SPÖ- und ÖGB-Logik. Hundstorfer ist ein klassischer Kompromisskandidat. Für Außenstehende ist es zwar kaum nachvollziehbar, aber in der Gewerkschaft herrscht noch immer Misstrauen zwischen Arbeitergewerkschaften - allen voran den Metallern - und der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA). Faymann hätte zwar gerne den Chef der GPA, Wolfgang Katzian, zum Sozialminister gemacht. Letztendlich waren die Vorbehalte der Arbeiter gegen den Angestellten Katzian aber doch zu groß.

In Wien groß geworden

Und da der Chef der Sozialdemokratischen Gewerkschafter, Wilhelm Haberzettl, abgewinkt hatte, kam nur mehr der ÖGB-Präsident persönlich für das Ministeramt in Frage. Mit Faymann verbindet ihn ein jahrelanges Vertrauensverhältnis. Der gelernte Kanzleibedienstete Hundstorfer diente sich im Wiener Beamtenapparat hoch, bis er 2003 zum Vorsitzenden der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten aufstieg. Parallel dazu stieg er die landespolitische Karriereleiter hoch. Ab 1990 war er Mitglied des Wiener Landtages, ab 1995 Vorsitzender des Wiener Gemeinderates. Faymann war zu dieser Zeit bereits Wiener Stadtrat.

Beide sind also in der Wiener SPÖ groß geworden. Während Faymann heute aber ein getrübtes Verhältnis zu Bürgermeister Michael Häupl nachgesagt wird, funktioniert die Achse Häupl-Hundstorfer weiter exzellent. Die beiden waren hinter den Kulissen auch federführend für die Demontage von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer als SPÖ-Parteichef verantwortlich.

Auch wenn Faymann zunächst von vielen Gewerkschaftern kritisch beäugt wurde, gelang es ihm doch, nach dem Bawag-Skandal wieder ein "normales" Verhältnis zwischen SPÖ und Gewerkschaft herzustellen. Er ermöglichte wieder die Kandidatur von Spitzengewerkschaftern für den Nationalrat, Hundstorfer sorgte im Gegenzug dafür, dass die Arbeitnehmer-Vertreter ordentlich wahlkämpfen.

Das Ministeramt kann also durchaus als Dankeschön an Hundstorfer verstanden werden. "Blumentopf kann er als Arbeitsminister freilich keinen gewinnen" , sagt ein Vertrauter des ÖGB-Chefs. Schließlich rechnen alle Experten mit steigender Arbeitslosigkeit im nächsten Jahr.
Mit schlechten Ausgangslagen hat Hundstorfer allerdings umzugehen gelernt. Als er 2006 zum Nachfolger von Fritz Verzetnitsch bestellt wurde - auch damals war er der kleinste gemeinsame Nenner - lag der ÖGBam Boden. Gemeinsam mit Finanzchef Clemens Schneider ist dem Krisenmanager aber die Konsolidierung gelungen.

Dass er sich zur schwersten Zeit nicht gedrückt hat, wird Hundstorfer, der von allen als "begnadeter Netzwerker" bezeichnet wird, von Gewerkschaftskollegen hoch angerechnet. "Er hat den ÖGBdurch den Sturm geführt." Dennoch geht er auch als jener Präsident in die Geschichte ein, der die Bawag verkauft hat.

Foglar Favorit für Nachfolge

Auch wenn ihm einige nachtrauern, wird Hundstorfer ein Wechsel nicht übel genommen. Angesichts seines Alters sei jetzt die letzte Chance auf ein Ministeramt. Ein ÖGBler: "In die Politik kannst du nur gehen, wenn deine Zukunft bereits in der Vergangenheit liegt."

Wer ihm an der ÖGB-Spitze folgt, ist noch nicht entschieden. Am Freitag, diskutieren die SPÖ-Gewerkschafter dem Vernehmen nach zwar den Zwischenstand bei den Koalitionsverhandlungen, personelle Entscheidungen werden aber nicht erwartet.

Als Favorit für den ÖGB-Vorsitz wird der Chef der Metaller-Gewerkschaft, Erich Foglar, gehandelt. Wie schon bei der Minister-Vorauswahl gilt: Es ist unwahrscheinlich, dass der Angestellten-Vertreter Katzian zum Zug kommt. (Günther Oswald/DER STANDARD Printausgabe, 14. November 2008)

  • ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer auf dem Weg in die SPÖ-Zentrale: Unter dem nächsten Kanzler Werner Faymann soll er sich um das wachsende Problem Arbeitslosigkeit kümmern.
    foto: standard/cremer

    ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer auf dem Weg in die SPÖ-Zentrale: Unter dem nächsten Kanzler Werner Faymann soll er sich um das wachsende Problem Arbeitslosigkeit kümmern.

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