Sammeln für Afrikas Zuckerkranke

13. November 2008, 17:55
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Zum heutigen Weltdiabetestag: Die Aktion "Insulin for Life" für Dritte-Welt-Länder

Eisenstadt - Johanna Brandl macht gerade "ein schnelles Packerl". Sechs Zucker-Messgeräte, 600 Messstreifen, mehrere Insulin-Spritzen und vor allem 625 Milliliter Insuline müssen so rasch wie möglich in den Kongo geschickt werden. Da dort gerade ein Bürgerkrieg tobt, schickt die pensionierte Krankenschwester und Diabetesberaterin aus Eisenstadt das Paket auf Umwegen hin. "In ein anderes Land, an jemanden, der es dann persönlich in Krankenhäuser bringt." Es würde ansonsten nämlich nie ankommen.

Johanna Brandl arbeitet seit drei Jahren für die weltweite Aktion "Insulin for Life", die 1984 vom australischen Diabetiker Ron Raab gegründet wurde, um Zuckerkranken zu helfen, die sich aufgrund fehlender Kassen lebenswichtige Medikamente nicht leisten können. Sie sammelt Insuline und Messgeräte, die von österreichischen Diabetikern nicht mehr gebraucht werden, Produktspenden von Pharmafirmen und verschickt dann all das "Erschnorrte" mit genauen Beschriftungen in Länder der Dritten Welt. Das Versorgungsloch scheint beim Insulin besonders groß zu sein: Immerhin 70 Prozent des weltweit herstellten Wirkstoffs werden nur von 16 Prozent der Weltbevölkerung verbraucht. Der Rest ist auf Spenden angewiesen.

Johanna Brandl erzählt, dass im Kongo derzeit viele Diabetiker sterben. "Da sie mehrere Tage nichts zu essen bekommen, erleiden sie häufig Unterzuckerungen." Und essen dann, wenn Mahlzeiten wieder möglich sind, viel zu viel. "Die Folge sind Zuckerwerte jenseits von gut und böse - bis zu 600 mg/dl." Der Normalwert liegt bei etwa 80-120 mg/dl. Ohne ärztliche Behandlung haben die Zuckerkranken keine Überlebenschance.

Afrika ist eine Diabetes-Krisenregion. Die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO: 2030 sollen 18,2 Millionen Zuckerkranke am Kontinent leben. Die Versorgung dürfte trotz dieser mahnenden Prognose katastrophal bleiben. Insuline, Messgeräte und Messstreifen verschlingen mehr als die Hälfte eines Monatseinkommens, sagt Brandl. „Da überlegen es sich Familien mit mehreren Kindern schon, ob sie alle durchbringen können oder das zuckerkranke Kind sterben lassen müssen." Bei jungen Mädchen sei das Problem besonders erschreckend: „Eltern versuchen, die Krankheit geheim zu halten. Weil sie fürchten, dass die Tochter nicht geheiratet wird."

Wenn ein Paket unterwegs ist, dann verschickt Johanna Brandl meist E-Mails mit Stoßgebeten: „Daumen halten, dass alles gut ankommt." Die australische Zentrale von "Insulin for Life" hat unterdessen die WHO um Hilfe für die Diabetiker im Kongo gebeten. (Peter Illetschko, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.11.2008)

Spendenkonto: Raika Eisenstadt BLZ: 33000, Ko.-Nr.: 1.089 705 Kennwort: Insulin zum Leben

 

 

  • Johanna Brandl organisiert Hilfspakete nach Afrika.
 
 
    foto: privat

    Johanna Brandl organisiert Hilfspakete nach Afrika.

     

     

  • Elias aus Uganda, 15 Jahre jung, Typ-1-Diabetiker.  
 
 
    foto: insulin for life

    Elias aus Uganda, 15 Jahre jung, Typ-1-Diabetiker.

     

     

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