USA-Reisende müssen zuerst ins Netz

13. November 2008, 17:46
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In knapp zwei Monaten kann in die USA nur einreisen, wer sich zuvor online registriert hat

Dabei sind die genauen Reisedaten und persönliche Informationen, etwa über Drogensucht, anzugeben.

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Wien - Österreicher, die am 12. Jänner 2009 oder danach mit einem Ticket in die USA am Flughafen stehen und sich noch nicht auf der Website eingetragen haben oder von jemand anderem registrieren ließen, werden dringend ein Internetcafé brauchen. Denn ab 12. Jänner muss jeder österreichische Staatsbürger, der in die Vereinigten Staaten reist, im "Electronic System for Travel Authorization" (ESTA) aufscheinen. Die Einführung des Systems geht auf eine Empfehlung der US-Kommission zur Untersuchung der Attentate vom 11. September zurück.

"ESTA ist schnell und erhöht die Reisesicherheit" , versprach Constance Anderson, Generalkonsularin der US-Botschaft, Mittwochabend bei der Präsentation von ESTA in Wien. In der Regel dauere es nur wenige Sekunden, bis aufscheint, ob man für die Einreise in die USAzugelassen ist. Allerdings: Empfohlen wird eine Registrierung mindestens 72 Stunden vor Abflug. Die Informationen, die die USA haben wollen, sind umfassend. Neben der Fluglinie, mit der man kommt und seiner Telefonnummer will die Regierung auch wissen, ob man an psychischen Erkrankungen oder Drogensucht leidet.

Das derzeit übliche händische Ausfüllen des grünen Formulars im Jet wird mit Einführung des neuen Systems zwar weiter notwendig sein - aber nicht mehr ausreichen. Erst wenn ESTA gut funktioniert, soll die Papierversion irgendwann wegfallen. Auch die Abnahme von biometrischen Daten ersetzt ESTAnicht. Wer eine Ablehnung erhält, muss ein Visum beantragen. Weiterhin werden Fingerabdrücke erfasst und digitale Gesichtsfotos angefertigt.

Weiter Visumspflicht

Österreicher, die für einen Studien- oder Arbeitsaufenthalt länger als 90 Tage in die USAreisen, werden übrigens nach wie vor ein Visum beantragen müssen. Kompliziert bleibt es auch für die Besitzer eines "roten" Reisepasses, der zwischen dem 26. Oktober 2005 und dem 15. Juni 2006 ausgestellt oder verlängert worden ist. Die brauchen ebenso ein Visum, wobei ein neuer Pass weniger kostet.

Selbst wenn man die Registrierungsprozedur überstanden hat, gibt es noch immer keine Garantie, dass man auch den Boden der neuen Welt betreten darf. Grenzbeamte haben immer noch die Möglichkeit, jemandem die Einreise zu verweigern. Betroffen sind davon aber nur wenige Österreicher. 99 Prozent der rund 100.000 Landsleute, die pro Jahr in die USA wollen, erhalten eine Einreiseberechtigung.

Die bei der Internet-Registrierung zu beantwortenden Fragen sind in 16 Sprachen verfasst. Antworten muss man allerdings auf Englisch. Es darf auch jemand anderer das Ausfüllen übernehmen. Zum Abflug sollte man einen Ausdruck der Registrierungs-Bestätigung mitnehmen.
Schon seit Mitte Oktober ist ESTA in Betrieb, wer will, kann sich bereits online anmelden. Die Erlaubnis zur Einreise gilt zwei Jahre lang - außer der Pass wird vorher ungültig. Es besteht aber die Pflicht, bei jeder Reise veränderte Daten neu einzutragen.

"Die Daten werden streng vertraulich behandelt" , versichert JamesPlitt vom US-Heimatschutzministerium. Nur seine Behörde habe auf sämtliche Informationen Zugriff. Anonymisiert können Informationen aber auch an andere US-Regierungsorganisationen weitergegeben werden - etwa um statistisches Material über Einreisende zu erhalten. Für Airlines ist zudem einsehbar, ob sich der Fluggast bereits registriert hat. Das ist vor allem dann wichtig, wenn jemand die ausgedruckte Bestätigung vergessen hat. (Gudrun Springer, DER STANDARD - Printausgabe, 14. November 2008)

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    Sich fotografieren und Fingerabdrücke nehmen lassen wird USA-Reisenden in Zukunft nicht erspart bleiben. Ab 12. Jänner müssen sie sich zusätzlich vor ihrer Abreise online registrieren.

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