Konzernumbau gegen die Flaute

13. November 2008, 16:46
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Trotz des kostspieligen Konzernumbaus hat Siemens einen Milliardengewinn eingefahren und sieht sich für die Wirtschaftsflaute gut gerüstet

München - Trotz des kostspieligen Konzernumbaus hat Siemens einen Milliardengewinn eingefahren und sieht sich für die Wirtschaftsflaute gut gerüstet. Auftragseingang und Umsatz legten im vergangenen Geschäftsjahr kräftig zu. Unterm Strich blieb ein Gewinn von 5,9 Mrd. Euro und damit 46 Prozent mehr als im Vorjahr. "Trotz zunehmender konjunktureller Widrigkeiten halten wir an unserem Wachstumsziel fest", erklärte Konzernchef Peter Löscher bei der Vorlage der Jahresbilanz am Donnerstag in München.

Für das Geschäftsjahr 2009 peilt der Konzern ein Ergebnis zwischen 8 und 8,5 Mrd. Euro an. Angesichts der sich abkühlenden Weltkonjunktur rechne Siemens aber "mit abflachenden Wachstumsraten beim Auftragseingang und in der Folgewirkung auch beim Umsatz", räumte Löscher ein. Man werde quartalsweise die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft bewerten. Durch den Konzernumbau sei Siemens aber gerüstet.

Hohe Kosten für Neuaufstellung

Die Kosten für die Neuaufstellung rissen das Unternehmen im vierten Quartal tief in die roten Zahlen. Für Löscher ist das Thema aber abgehakt. "Die Transformation von Siemens ist abgeschlossen", erklärte er. "So starten wir mit einem Wettbewerbsvorsprung in die weltwirtschaftliche Schlechtwetterperiode." Der Konzern verfüge über einen Auftragsbestand von mehr als 85 Mrd. Euro, der nicht nennenswert korrigiert werden müsse. "Wir können uns jetzt voll auf die Kunden konzentrieren, während andere erst beginnen, ihre Hausaufgaben zu machen", sagte Löscher.

Im DAX gehörte Siemens zu den Gewinnern. Trotz Finanzmarktkrise machte der Konzern im vergangenen Jahr gute Geschäfte. Der Auftragseingang stieg im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent auf 93,5 Mrd. Euro, der Umsatz legte um 7 Prozent auf 77,3 Mrd. Euro zu. Die Dividende soll wie im vergangenen Jahr bei 1,60 Euro je Aktie liegen.

Das Ergebnis der drei Sektoren Industrie, Energie und Gesundheit, das die Entwicklung des operativen Geschäfts widerspiegelt, ging im vergangenen Geschäftsjahr um 2 Prozent auf 6,52 Mrd. Euro zurück. Kosten in Höhe von 325 Mio. Euro für den Konzernumbau hätten das operative Ergebnis gedrückt, teilte Siemens mit.

Löscher trieb Neuaufstellung voran

Löscher hatte die Neuaufstellung seit seinem Amtsantritt vor gut eineinhalb Jahren vorangetrieben. Neben Verkäufen von Randgeschäften hatte Siemens auch den Abbau von weltweit 17.000 Stellen verkündet. "Die größten Brocken beim Umbau haben wir 2008 weggeräumt", sagte Löscher. Im Schlussquartal machte sich dies durch einen Verlust von 2,4 Mrd. Euro bemerkbar. Der Verkauf des Autozulieferers VDO an Continental rettete Siemens die Bilanz, weil er dem Technologiekonzern im ersten Quartal 5,5 Mrd. Euro in die Kasse spülte.

Zwischen Juli und September verbuchte der Konzern dagegen rund 4 Mrd. Euro Sonderlasten. Davon entfielen auf den Umbau etwa 3 Mrd. Euro.

Wegen der Korruptionsaffäre stellte Siemens eine Milliarde Euro für eine erwartete Strafe der US-Börsenaufsicht SEC zurück. "Wir sind auf der Zielgeraden, aber noch nicht am Ziel", sagte Löscher zu den Verhandlungen mit der SEC. Allein im vergangenen Geschäftsjahr kostete die Aufarbeitung der Affäre und der Aufbau einer internen Anti-Korruptionseinheit Siemens 510 Mio. Euro.

Siemens wolle nun aus eigener Kraft wachsen und nur "punktuell in Schwerpunkt-Geschäften" zukaufen, sagte Löscher. Größter Umsatzbringer für den Konzern war der Industrie-Sektor mit einem Plus von 6 Prozent auf rund 38 Mrd. Euro im vergangenen Geschäftsjahr. Einziger Verlustbringer in dem Sektor war die Mobility-Sparte mit dem kriselnden Bahngeschäft.

Im Energiesektor konnte der Konzern dank des weltweiten Booms der Energiebranche den Umsatz um 11 Prozent auf 22,6 Mrd. Euro steigern. Im Gesundheitssektor habe man den Konkurrenten GE als Marktführer abgelöst, sagte Löscher. Der Umsatz in dem Sektor wuchs um 13 Prozent auf 11,1 Mrd. Euro. (APA)

 

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