Wertverfall beim Einfamilienhaus

13. November 2008, 16:47
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Viele hätten es gerne, aber nur wenige können es sich überhaupt noch leisten - das Einfamilienhaus - Vor allem hat sich einiges an Kostenüberlegungen geändert

Über die zu erwartenden Veränderungen sprach Michael Pisecky, Geschäftsführer der s Real, mit Gerhard Rodler

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Standard: Immer mehr Menschen wollen in einem Einfamilienhaus mitten im Grünen wohnen. Hat sich an diesem Trend durch die aktuelle Finanzkrise etwas verändert?

Pisecky: Am grundsätzlichen Wunsch der Österreicher hat sich nichts verändert, an der Umsetzung sehr wohl. Seit einigen Monaten ist die tatsächliche Nachfrage nach Einfamilienhäusern in Lagen mit schlechter Infrastruktur spürbar zurückgegangen.

Standard: Was sind die Ursachen dafür?

Pisecky: Vor allem eines hat sich geändert: Die gestiegenen Energiepreise werden heute schon in die laufenden Kosten für das Wohnen eingerechnet - sowohl die fürs Haus als auch die fürs Auto. Hier wäre die Politik gefordert, mehr Wohnbauförderung für Subjektförderungen bereitzustellen. Immobilien sind ja nach wie vor die Basis jeder Vorsorgepyramide - ganz besonders Wohnimmobilien, die ja an sich kaum krisenanfällig sind.

Standard: Welche Rolle spielt die Mobilität im Konkreten?

Pisecky: Eine große. Die rückläufige Nachfragetendenz hat schon im Frühjahr im Zuge der Energiepreisdiskussion begonnen. Seither sind Liegenschaften, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht erreichbar sind, wesentlich schwieriger verwertbar. Um in Zukunft Benzin zu sparen, legen immer mehr Menschen Wert darauf, dass U-Bahn oder Schnellbahn fußläufig erreichbar sind. Auch Infrastruktur wie etwa Einkaufszentrum, Schulen und medizinische Versorgung müssen zunehmend ohne eigenen Pkw erreichbar sein. Keine Familie will heute noch auf ein zweites Auto angewiesen sein.

Standard: Welche Auswirkungen hat das auf den Markt?

Pisecky: Es gibt einen klaren Trend zu Ballungszentren. Häuser direkt in Mistelbach beispielsweise sind durchaus gefragt. Aber schon in der Nachbarortschaft sind die Objekte so gut wie unverwertbar.

Standard: Schlagen sich Energieausweise und Energieeffizienz in der Verwertbarkeit von Einfamilienhäusern bereits nieder?

Pisecky: Das Thema ist sehr wichtig. Im Neubau ist Energieeffizienz schon gang und gäbe, schrittweise werden nun auch Gebrauchthäuser auf Niedrigenergiestandard nachgerüstet. Durch die ab 1. Jänner 2009 in Kraft tretende Energieausweispflicht für alle Immobilien wird sich dieser Trend noch weiter verstärken.

Standard: Einfamilienhäuser ohne attraktiven Energieausweis werden dann unverkäuflich sein?

Pisecky: Das nicht, aber die Preise für solche Objekte werden sinken. Die Menschen gehen immer mehr dazu über, bei der Bewertung eines Hauses die gesamten Lebenszykluskosten heranzuziehen. Hat ein Haus schlechte Dämmwerte, wirkt sich das erheblich auf den erzielbaren Kaufpreis aus.

Standard: Von welchen Wertverlusten sprechen wir?

Pisecky: Das ist schwer zu sagen. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass die Preisvorstellung der Abgeber von derartigen Gebrauchtimmobilien im Schnitt um 25 bis 35 Prozent zu hoch ist. Einfamilienhäuser, die nicht ständig auf den letzten technischen Stand gebracht werden, unterliegen einem steten, für Laien unerwartet raschen Wertverfall.(Gerhard Rodler/DER STANDARD Printausgabe 8/9.11.2008)

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