Anleger lassen Meinl-Board abblitzen

13. November 2008, 18:53
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Bei der außerordentlichen MIP-Hauptversammlung haben die Anleger der Strategie des Boards eine Abfuhr erteilt und alle Tagesordnungspunkte abgeschmettert

Wien - Bei der außerordentlichen Hauptversammlung (HV) von Meinl International Power (MIP) haben die Anleger den Direktoren am Donnerstag kalt-warm gegeben. Der Antrag, Audley Capital zum neuen Manager der MIP-Managementgesellschaft Meinl Power Management (MPM) zu bestellen, ist haushoch abgelehnt worden. Audley Capital ist die Investmentgesellschaft von Michael Treichl, der auch im MIP-Board sitzt. Auch die anderen Beschlüsse (betreffend die Verträge mit der Meinl Bank und den Rückkauf von eigenen Zertifikaten) wurden abgeschmettert.

Weitere Sonder-HV

Damit bleibt alles so, wie es ist: Der Lizenzvertrag mit der Meinl Bank, das Market-Maker-Agreement und das Board bleiben bestehen - zumindest für die nächsten Stunden. Denn bereits am Freitag, findet die Sonderhauptversammlung statt, die von den Meinl-unabhängigen Investoren ("Rebellen") eingefordert wurde. Sie stellen das gesamte Direktorium zur Abwahl, wollen eigene Direktoren in das Gremium wählen und in der Satzung die Möglichkeit einer Zwischendividende verankern. Damit könnte jene Revolution stattfinden, die die Rebellen im Juli nicht geschafft haben. Bei Meinl Airports International (MAI) ist das gelungen, seit Juli lenkt dort ein neues Management die Geschicke des Unternehmens.

Passend zum Anlass auch die Location. Die Hauptversammlungen finden im Palais Niederösterreich statt, das schon einmal Hort einer Revolution war. Laut Internet-Lexikon Wikipedia wurde am 13. März 1848 das Landhaus zum Ausgangspunkt der Revolution, als Bürger und Studenten die niederösterreichischen Stände zwangen, eine Petition an den Kaiser mitzutragen, in der eine Verfassung sowie Presse- und Versammlungsfreiheit gefordert wurden.

Harsche Kritik

Bevor es am Donnerstag zur Abstimmung kam, haben die Anleger weder mit Kritik noch mit persönlichen Übergriffen gespart. Kleinanleger-Vertreter Wilhelm Rasinger etwa attackierte MIP-Chef Hans Haider, von dem er "persönlich sehr enttäuscht" sei, als auch Michael Treichl, der zwar einen großen Namen trage, aber ein "Wolf im Schafspelz" sei und "das schwarzes Schaf der Familie".

Damit die Abstimmung reibungsloser als bei der vergangenen HV im Juli verläuft, haben sich das MIP-Board und die Rebellen darauf geeinigt, dass Wahlbeobachter (Wirtschaftsprüfer von Grant Thornton) der HV beiwohnen. Anwesend waren knapp 65 Prozent des Grundkapitals.

Einige Fragen sind von Haider dennoch offen geblieben. Nicht beantwortet wurde etwa, wie viele Unternehmen sich um das MIP-Management beworben haben und warum Audley Capital den Zuschlag bekommen hat.(Bettina Pfluger, DER STANDRAD, Print-Ausgabe, 14.11.2008)

 

 

  • Da benötigte Michael Treichl (links) Liquiditätszufuhr: Der von Hans Haider eingefädelte Einstieg des Investors bei der MIP wurde von den Aktionären abgeschmettert.
    foto: standard/cremer

    Da benötigte Michael Treichl (links) Liquiditätszufuhr: Der von Hans Haider eingefädelte Einstieg des Investors bei der MIP wurde von den Aktionären abgeschmettert.

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