Zukunftsmodell Güssing

16. November 2008 17:08
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    Foto: ökoenergieland

    Symbol für Güssings Aufstieg: Das Biomassekraftwerk

Vom Ödland zum Energiewunder: Die Kleinstadt im Südburgenland ist mit Hilfe Erneuerbarer Energie seit Jahren energieautark

Güssing, eine Kleinstadt im Südburgenland. Tausende Touristen pilgern jedes Jahr hierher. Nicht wegen der Landschaft oder dem milden Klima, auch nicht wegen der 850 Jahre alten Burgruine, die über der kleinen Stadt thront. Die Attraktion ist ein Biomassekraftwerk, Kernstück des "Energiewunders Güssing."

Vor zwanzig Jahren gehörte der Bezirk Güssing noch zu den ärmsten Regionen Österreichs: keine Infrastruktur, keine Arbeitsplätze. Ödland. Heute gilt Güssing als zukunftsweisendes Erfolgsmodell, als europäische Öko-Musterstadt. Denn Güssing deckt seinen Energiebedarf selbst. Mit erneuerbaren Energien: Für Strom sorgen das Biomassekraftwerk, eine Dampfturbine und eine Photovoltaikanlage, für Wärme zwei Fernheizwerke und ebenfalls das Biomassekraftwerk. Die Stadt ist energieautark. Das einstige Ödland wurde zum "Ökoenergieland".

50 neue Betriebe haben sich in den vergangenen zehn Jahren rund um Güssing angesiedelt, 1100 neue Arbeitsplätze sind in der Region entstanden. Man hat sich neben Umwelttechnologien auf Parkettherstellung und Laubholztrocknung spezialisiert.
Das Güssinger Oberstufenrealgymnasium bietet seinen Schülern eine Ausbildung zum Solarteur an. "Solarteur" kommt von Solar-Installateur - ein Installateur, der sich auf Energieversorgung mit Erneuerbaren Energien spezialisiert hat. Sprich: Er verbindet die Grundlagen der Elektro- und Heizungstechnik mit neuen Anwendungen in der Wärme- und Stromgewinnung. Dieses Bildungsangebot ist in Österreich einzigartig.

Ökoenergietourismus

Das "Ökoenergieland" will sich aber auch als Tourismusregion etablieren. Eigene Tourguides begleiten "Ökoenergietouristen" zu den mehr als 30 Demonstrationsanlagen, wo sie, wie es der Prospekt verspricht "hautnah miterleben können, wie erneuerbare Energie erzeugt wird." Der 125 Kilometer lange "Ökoenergieradweg" führt durch die acht Gemeinden, die neben Güssing auch Teil der Marke "Ökoenergieland" sind. Unter dem Motto "Run in the sun" wird jährlich beim Ökoenergiemarathon gelaufen. Mit dem "Grünen Tropfen", der in Ortszentren und Kreisverkehranlagen steht, arbeitet man am regionalen Corporate Design.

Das Biomassekraftwerk ist Symbol für Güssings Aufstieg. Mit ihm schaffte die Gemeinde 2001 den Sprung zur Energieautarkie. Das Kraftwerk arbeitet nach einer neuen Methode: Biomasse-Wasserdampf-Vergasung nennt sich das Verfahren, bei dem aus Holzschnitzeln ein hochwertiges Produktgas entsteht. Die Holzschnitzel werden nicht erhitzt und verbrannt, sondern mit Hilfe von Wasserdampf bei 850 Grad vergast. Das Endprodukt ist stickstofffrei und teerarm. Mit diesem Gas lassen sich nicht nur Wärme und Strom erzeugen, sondern auch synthetisches Erdgas und Treibstoff. Basis für diese Art der Energiegewinnung ist Holz: Der Bezirk Güssing ist zu rund 40 Prozent bewaldet. 105.000 Tonnen Holz wachsen hier jährlich nach, nur ein Fünftel davon soll für die Energieerzeugung verwendet werden.

"Modell Güssing" - ein Verkaufsschlager

Ihr Modell wollen die Güssinger vermarkten. Das hiesige Europäische Zentrum für erneuerbare Energien (EEE) koordiniert Projekte, Forschungsschwerpunkte, Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen - und es erstellt so genannte Energieentwicklungskonzepte für Gemeinden und Regionen. Kostenpunkt: 40.000 bis 50.000 Euro. Über Fördermittel kann ein Großteil davon allerdings wieder rückerstattet werden. Nach eigenen Angaben hat das EEE allein 2008 EEE 100 Anfragen für derartige Studien erhalten.

Dafür fährt ein EEE-Mitarbeiter in die entsprechende Region, wo er ein Team zusammenstellt. Gemeinsam führen sie verschiedene Untersuchungen und Umfragen durch. Wie viel Energie wird benötigt? Welche Heizform bevorzugen die Bewohner? Welche Ressourcen sind vorhanden? - Diese Fragestellungen sollen helfen, ein individuell angepasstes Konzept zu erarbeiten. Manchmal stellt sich am Ende der Untersuchung allerdings heraus, dass eine autarke Energieversorgung gar nicht möglich ist.

Güssing will weiter Erfolgsgeschichte schreiben: 2010 soll das Energiemodell der Stadt auf den ganzen Bezirk ausgeweitet werden. (nb, derStandard.at, 13.11.2008)

 

 

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 65
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Herbi Wiffi
18.11.2008 09:23
Besser als viele kleine Einzelmaßnahmen hier wäre, das Problem grundlegender anzugehen -

aber dazu wären Maßnahmen im größten Maßstab erforderlich. Z.B. Solarstrom aus Nordafrika; anfangs wären gewaltige Investitionen erforderlich. Doch wenn man bedenkt, daß die Energieimporte der EU 250 Mrd. € ausmachen, kann man sich das Potential dieser Technologie vorstellen - ausser Erhaltungskosten kein zus. finanzieller Aufwand - d.h. ein 5-7 Jahren würde sich diese Technologie bei steigenden fossilen Kosten schon rentieren....

Lipa
19.11.2008 14:10
-

was ist an einer einzelmaßnahme schlecht? viele einzelmaßnahmen nebenenander sind effizienter als eine riesenmaßnahme. güssing hat den wald, also nützt es den wald. andere orte haben wenig wald, also werden sie nicht den wenigen wald zur energiegewinnung nützen sondern etwas von dem sie viel haben. lokal denken ist nichts schlechtes!

gigngogn
18.11.2008 10:06
Allein für die Kosten der 3 HGÜ Leitungen die dazu nötig wären können sie sich hier in Europa, vor Ort soviele EPRs bauen, dass diese sogar mehr Strom/Jahr produzieren als ihr Solarkraftwerk

Das sollte das Kostenargument ausreichend widerlegen.

Flosip
20.11.2008 17:51

Aber trotzdem laufen Projekte, die daran arbeiten Strom aus Algerien und Ägypten zu uns nach Europa zu transportieren...also ist sein Einwurf berechtigt...

Herbi Wiffi
18.11.2008 09:19
Ich möchte die Sinnhaftigkeit von kleinräumigen Energiemassnahmen hinterfragen

langfristig gesehen kommen wir über einen grossen Richtungswechsel - weg von den fossilen Brennstoffen nicht hinweg.
Also, wie sinnvoll ist es, jetzt mit teuren kleinen Einzelmaßnahmen ein Flickwerk zu vollführen - mit immens teurem Aufwand; das Grundproblem, daß in der nächsten Generation ein großer Teil des Energieangebotes in der EU wegfallen wird, bleibt bestehen.
Sinnvoller wäre es, das Problem grundlegender anzugehen, und schon die Grunlagen z.B. der Solarstromtechnik aus Nordafrika anzugehen. Jetzt ist noch die Zeit und dei Möglichkeit dafür.
Dann wäre der Strom rel. billig, so dass man sich sauteure und im Gesamten gesehen relativ unergiebige Massnahmen (wie etwa das letzte Prozent Effizienz aus Motoren rauszukitzeln) sparen kann

yomellamo
18.11.2008 16:01

im gegenteil...

wir sollten genau hin zu den kleinen lokalen energie-loesungen. bei allen weltweiten grossen (zb. solarstrom aus afrika) gibts wieder das grosse transportproblem bei dem man einen nicht unerheblichen anteil an energie gleich wieder verliert.

bei lokalen kraftwerken kann man auch zb. biomasse lokal beziehen usw.

ich sehe das als grossen vorteil.

obendrein waeren wir auch von laendern wie saudi-arabien russland nigeria usw. weniger abhaengig. .. auch kein nachteil.

Robert Gruber
17.11.2008 16:47
Warum so viele Vorwürfe?

Da macht eine Gemeinde ein superinnovatives Pilotprojekte und schafft in einer Krisenregion Arbeitsplätze um Arbeitsplätze, und sofort werden sie dafür verdammt.

Weil sie (bei ihrem Pilotprojekt) noch nicht xx % Wirkungsgrad geschafft haben, was die superklugen Poster natürlich sofort geschafft hätten (wenn sie jemand gefragt hätte). Weil sie es gewagt haben, für ihr Pilotprojekt Fördergelder zu kassieren (ich dachte, das ist bei Pilotprojekten so üblich).

Tatsache bleibt: In Güssing kann man sehen, wie so etwas funktionieren kann. Und an Güssing kann man auch sehen, wo man noch was besser oder anders machen kann.

Jedenfalls super, dass sie es gewagt haben. Und der Rest ist wohl der Neid...

rf1234
18.11.2008 19:29
Meine volle Zustimmung

Viel Gemeinden, Städte und Staaten reden und diskutieren möglicherweise Jahrzehnte herum, was man alles machen könnte und sollte. Güssing hats einfach getan!

luchmhor
17.11.2008 23:02

Neid.

Weils zuhause Oel- oder gasheizung haben (ich leider auch)

Apropos: Danke Wien Gas fuer die 30%.

Ergates faber
18.11.2008 17:30
Auch von mir ein Danke an die Abzocker von

WienEnergie und Stadt Wien!

nut snail
17.11.2008 16:42
Bissl was klarstellen...

Das Biomassekraftwerk soll in erster Linie H2 und CO (= Synthesegas) aus Biomasse herstellen.

Der Grund ist folgender: Aus den Bausteinen CO und H2 kann man über verschiedene Synthesewege (zB Fischer-Tropsch) diverse höhermolekulare Kohlenwasserstoffe herstellen (Benzin,Öle, etc...).

Die momentane Quelle für diese Stoffe (und viele andere) ist das liebe Erdöl, das ja langsam zur Neige geht. Da bietet sich die Vergasung von Biomasse als eine mögliche alternative Quelle an. Diese Technologie (Vergasen und anschließende Synthetisieren) muß natürlich erforscht werden, deswegen dieses Kraftwerk.

Da man nicht das ganze produzierte H2 und CO für die Forschung braucht, verheizt man den Rest und nutzt den so produzierten Strom und die Abwärme.

Dschunke
17.11.2008 16:11
was nicht alles geht

wenns stimmt gehört 2/3 von güssing mitsamt dem sägewerk einer einzigen person.
was also nicht alles geht, wenn nicht zu viele entscheidungsträger die persönlichen interessen dorpedieren können.

klauing
 
17.11.2008 12:21
was kostet die kWh Fernwärme ?

Die Frage ist doch nicht was das dem Abnehmer kostet, sondern wie der güssinger Wahnsinn auf die Oesterreicher sozialisiert wird...Ohne massiver Subvenionitis wär das das güssinger Wunder nicht möglich ...Wirtschaftlichkeit ist hier kein Kritierium- uebrigens der österr. Wald wird bei weitem nicht ausreichen um für alle Oesterreicher Strom und Wärme zu erzeugen- und auch die 2Kühe pro Familie um aus Scheisse Strom zu machen stelle ich mir für die Wiener schwierig vor....

luchmhor
17.11.2008 23:05

Wald, gepaart mit Wind, gepaart mit Solar, gepaart mit energieeffizienten Waermepumpen, gepaart mit Wasserkraft, gepaart mit ....

get the idea?

gigngogn
17.11.2008 15:54
Die Wiener brauchen keine Kühe, die haben eh genug Hunde :)

Bosko Brankovic
17.11.2008 09:47

Die Burgenländer waren doch schon immer die Münchhausens Österreichs. Also man darf das ruhig kritischer sehen. Primär wurden haufenweise Fördergelder reingepumpt und 2tens kommt das Holz das verbraucht wird, nicht alleine aus Güssing. Die Parkettholztrocknung braucht haufenweise Holz zur Wärmeerzeugung, um 2000 war die Wärmeerzeugung so dermassen überdimensioniert, das man die Wärme zum Kühlen in den Leitungen hin und her pumpte, danach wurde die Trocknung erweitert und nochmal erweitert. Und mehr steckt nicht dahinter. Eine Holztrocknung und ein Nahwärmenetz plus ein Forschungsprojekt mit EU Geldern und Stromerzeugung und irgendwo steht noch eine Biogasanlage, ebenso nicht besonders effizient, aber besser als garnichts.

totaler Wahnsinn
17.11.2008 21:29
Nachhilfe

Münchhausen ist bekannt für hochtrabende Lügengeschichten.

Burgenländer sind lediglich häufig geschmacklosen Witzen Ihrer Landsleute aus den anderen Bundesländern ausgesetzt. Sie können sich diese Witze so ähnlich wie Ihr posting vorstellen.

Trotzdem noch ein paar Worte zum Inhalt: Subventioniert wurde in Güssing nur die Forschung. Und davon gab es in Güssing einiges, wie z.Bsp. die diskutierte Demonstrationsanlage oder die Entwicklung von 2nd Generation Fuels.

Zu bedenken wäre auch, dass ganz andere Kaliber Subventionen erhalten, wie die EVN, Lenzing Fibers (siehe Wirtschaftspark Heiligenkreuz).

Darüberhinaus ist Güssing zu DEM Vorbild zur nachhaltigen Verwendung von EU-Fördermitteln geworden, wie zahlreiche Delegationen beweisen.

krokokater
 
17.11.2008 07:50
Es stimmt eigentlich nachdenklich

dass solche tollen Initiativen nicht von der Industrie und den großen Energiekonzernen ausgehen. Ein für mich ebenfalls beeindruckendes Projekt ist das Schiestl Haus am Hochschwab.
http://www.nachhaltigwirtschaften.at/nw_pdf/06... tlhaus.pdf

Peter Rosegger
17.11.2008 02:43
Wie funktioniert Biomasse-Wasserdampf-Vergasung

Klingt sehr interessant, gibt es dazu naehere Informationen?

tossi namas
17.11.2008 09:46
leider eine Marketing Gag!

Die im BIl dgeozeugte Anlage dürfte einen Wirkungsgrad von 16-22 (eventuell 28)% haben. Das heißt das 70-80% der Energie des Holzes werden für den Prozess benötigt. Leider maß man eine Teil dazu extern zuführen!

Zum Vergleich: Die Wirbelschichtfeuerung auf Hackschnitzelbasis für das Fernheizwerk in Güssing hat einen Wirkungsgrad von ca. 88 - 93% je nach Qualität des Brennmaterials.

Vielleicht sollten JournalistInnen auch mal eine Gegenexpertise einholen, bevor sie in Lobhudeleien verfallen!

totaler Wahnsinn
17.11.2008 21:18
Aufklärung

In Güssing gibt es keine Wirbelschichtfeuerung.

Das Fernheizwerk ist eine separate Anlage, trotzdem speisen alle KWK in dasselbe Netz.

Der Gesamtwirkungsgrad des FICFB-Vergasers beträgt 80%.

Zusätzlich können mit der Anlage verschiedene weitere Produkte erzeugt werden: Erdgas (Bio-SNG) und Diesel (Bio-FiT).

Die AUSBEUTE beträgt bei Diesel ca. 18%, bei Erdgas ca. 60% des eingesetzten Brennstoffs.

Der GESAMTWIRKUNGSGRAD beträgt je nach Betriebsweise zwischen 70% und 85%.

Das heißt, die eingesetzte Biomasse wird stets optimal genutzt, das ist auch der Grund warum kleine, dezentrale Anlagen die wirtschaftlichste Alternative sind.

Bosko Brankovic
18.11.2008 17:01

Scheint einiges weiterzugehen. 18% FiT ist mir neu. War aber auch seit 2 Jahren nicht mehr dort.

gigngogn
17.11.2008 15:56
Ich glaube sie verkennen den Zweck des 'Themenportals', hier geht es um Lobbying, um sonst nichts

totaler Wahnsinn
17.11.2008 09:23
Danke für Ihr Interesse

Unter
http://www.ficfb.at/
gibt es genaue Beschreibungen und weiterführende Links (auf Englisch).

pudelweiss
16.11.2008 20:09
man rechnet nicht gut !!

Wenn man von der "Güssinger Autarkie" einmal die "graue Energie2 abzieht (also den Energieeinsatz der für die "Gewinnung" der ökologischen Energie erforderlich ist)
und dann noch die öffentliche Förderung abzieht, dann wird nur wenig Gewinn übrigbleiben !

Daher sollte endlich Wahrheit gesprochen werden,
und solange "ideologische" Darstellungen die Wahrheit überdecken, solange ist Wahrheit nicht vorhanden!

Nicht agrarische Profitgier ist die Lösung - sodern die wirklich sachliche Alternative !!

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