Musikrundschau: Schlecht ist anders

14. November 2008, 12:18
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Neue Alben von Seal und dem Kommando Elefant

SEAL
Soul
(Warner)
Seal singt Soul. Das wird dem Göttergatten von Model Heidi Klum zwar schon länger unterstellt, auf seinem neuen Album trifft es aber erstmals tatsächlich zu. Seal, ein in Nigeria geborener Brite, covert sich auf diesem manifest betitelten Album nämlich durch ein Dutzend Klassiker des Genres. Beginnend mit A Change Is Gonna Come, dem zur Bürgerrechtsbewegungshymne gewordenen Song von Al Cooke, das sehr klassisch arrangiert ist, geht Seal querfeldein zu Ann Peebles, Al Green, Eddie Floyd und landet am Ende bei Curtis Mayfield. Dass er mit David Foster einen Produzenten gewählt hat, der schon den Klang aus den schmalen Lippen Céline Dions auf Tonträger bannte, schmerzt natürlich und zeitigt stellenweise eine etwas zu sterile Produktion. Nicht auszudenken, wenn Seal der Name Joe Henry geläufig gewesen wäre. Der hätte ihm vielleicht das etwas platte It's A Man's Man's Man's World ausreden können. Trotzdem: Schlecht ist anders.

KOMMANDO ELEFANT
Kaputt, aber glücklich
(Asinella Rec./Hoanzl)
Mit "Die Bar ist scheiße/das Bier ist warm/Die Musik ist schlecht und jedes Mädchen/Hat den Freund im Arm" eröffnet das Debüt von Kommando Elefant sehr, sehr lebenserfahren. Erklärt wird derlei Ungemach dann von Wittgenstein, der ebenfalls wie nicht abgeholt an der Bar lehnt. Kommando Elefant ist hauptsächlich Alf Pehersdorfer (plus ein paar Freunde), der sich auf Kaputt, aber glücklich vornehmlich an den kleinen Dingen des Lebens abarbeitet. Highlife & Drogen werden dagegen in einem fast schon schwelgerisch mit Streichern unterfütterten Song eingefordert. Mit goscherten Texten, mit Gitarre und elektronischem Klimbim produziert das Kommando einen sympathischen Rock, der sich mittels Arschbombe im Indie-Fach platziert. Ein bisserl Lo-Fi, Gerade-aus-Punkrock von früher sowie eine spürbare Euphorie lassen Kaputt, aber glücklich nachgerade als menschlichen Idealzustand erscheinen. (flu / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.11.2008)

 


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