Österreichs Gesundheitswesen gut, aber nicht mehr Spitze

13. November 2008, 11:10
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Vergangenes Jahr lag Österreich noch auf Platz Eins des Euro Health Consumer Index - Jetzt Platz Drei - Kritik der Experten: "Patienten nicht Herr über eigene Gesundheit"

Brüssel/Wien - Österreichs Gesundheitswesen ist gut, aber laut dem Euro Health Consumer Index, der am Donnerstagvormittag, in Brüssel veröffentlicht wurde, im Gegensatz zu 2007 nicht mehr an der Spitze von 31 verglichenen europäischen Staaten. In Top-Position liegt in diesem Jahr die Niederlande, dann folgen Dänemark und Österreich. Etwa im Mittelfeld liegt z.B. Großbritannien, am Schluss mit weniger als der Hälfte der erreichbaren 1.000 Punkte bei insgesamt 34 Indikatoren befindet sich in dem Ranking Lettland.

Für den Report analysierten die Experten des Health Consumer Powerhouse (Brüssel) den Zustand des Gesundheitswesens der 27 EU-Mitgliedsstaaten, von Norwegen, der Schweiz sowie Kroatien und Mazedonien bei 34 Indikatoren in sechs Kategorien: Patientenrechte und Information, e-Health, Wartezeiten in der Therapie, Behandlungsresultate, Zugang zum Gesundheitswesen und Pharma. Insgesamt konnten 1.000 Punkte erzielt werden. Die Gewichtung unterschied sich von Kategorie zu Kategorie. Am schwersten wogen die Therapieresultate (250 Punkte) sowie die Klassifizierung nach den Wartezeiten auf eine Behandlung (200 Punkte). Vergangenes Jahr waren nach Österreich die Niederlande und an dritter Stelle Frankreich gefolgt.

"Patienten nicht Herr über eigene Gesundheit"

"Auf dem 3. Platz des Podiums befindet sich (mit Österreich, Anm.) der Gewinner des Jahres 2007 mit 784 Punkten. Er ist nicht so gut bei e-Health, steht aber bei den Arzneimitteln an der Spitze", schrieben die Experten. Die Kritik laut Arne Björnberg, der federführende Analyst: "Wie wir bereits mehrfach erklärt haben, ist der größte Nachteil der Konsumenten in Österreich, dass die Patienten dort nicht Herr über eigene Gesundheit sind. Das bedeutet schlechtere Resultate der Therapie und kann langfristig zu einem Schaden in der öffentlichen Gesundheit führen."

Der Experte weiter: "Österreich sollte auch seine Effizienz in der Krankheitsprävention und speziell bei der Verhinderung von Komplikationen bereits diagnostizierter Krankheiten verbessern. Außerdem sollte die Rate der Kinderimpfungen (Vierfachimpfung) erhöht werden. Es gibt Anzeichen dafür, dass Österreich die Einführung neuer Impfungen nicht besonders unterstützt." Heimische Experten fordern zum Teil seit Jahren, dass beispielsweise die Pneumokokken-Impfung für Babys und die HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs in die Reihe der kostenlosen Immunisierungen in Österreich aufgenommen wird. Kritik gibt es auch wegen einer zu geringen Beteiligung der Österreicher an der Influenza-Impfung. Ins Gewicht bei dem Ranking fiel auch der Umstand, dass beim Anfang Oktober vorgestellten Euro Consumer Diabetes Index Österreich nur auf dem 12. Platz unter 29. Staaten landete.

Positive Punkte: "Sehr gute medizinische Resultate und exzellenter Zugang zum Gesundheitswesen in Österreich. Das Land führt bei der Überlebensrate nach Krebs." Rundwegs gut schneidet Österreich z.B. bei der Dauer der Wartezeiten beim Hausarzt, in der Kindersterblichkeit, beim Sinken der Suizidrate, bei den Nierentransplantationen und im Zugang zu modernen Arzneimittel ab. (APA)

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