Mordanklage gegen Josef F.

13. November 2008, 14:59
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Ihm wird auch Vergewaltigung und Sklavenhandel vorgeworfen - Die Opfer befinden sich weiterhin im Klinikum Amstetten-Mauer

St. Pölten - Mord, Sklavenhandel, Vergewaltigung, Freiheitsentziehung, schwere Nötigung und Blutschande - Staatsanwältin Christiane Burkheiser hat in ihrer 27 Seiten umfassenden Anklage gegen den mutmaßlichen Täter im Inzest-Fall von Amstetten nichts ausgelassen.Vor allem über die beiden Punkte Mord und Sklavenhandel wurde spekuliert. Dem 73-Jährigen droht jetzt lebenslange Haft.

Die Opfer sind nach wie vor im Landesklinikum Amstetten-Mauer. Nach Bekanntwerden des Inhalts der Anklage gegen den Tatverdächtigen wurde von Opferanwalt Christoph Herbst auf APA-Anfrage am Freitag darauf verwiesen, dass zum Strafverfahren kein Kommentar abgegeben werde. Der Jurist appellierte unterdessen an die Medien, die Opfer in Ruhe zu lassen.

Die Anklageschrift wurde am Donnerstag vom Landesgericht St. Pölten per Fax dem Verteidiger, Rechtsanwalt Rudolf Mayer zugestellt, bestätigt Staatsanwaltssprecher Gerhard Sedlacek. Mayer wusste am Donnerstagnachmittag noch nichts von dem Schriftsatz. "Es interessiert mich jetzt auch nicht" , meinte er nur kurz angebunden zum Standard. Innerhalb von zwei Wochen kann der Verteidiger Einspruch gegen die Anklage erheben, somit ist sie derzeit noch nicht rechtskräftig.
Dennoch erläutert Staatsanwaltssprecher Gerhard Sedlacek jeden einzelnen der Anklagepunkt dezidiert:

* Mord: Josef F. soll 24 Jahre lang seine Tochter in einem selbst gezimmerten Verlies im eigenen Wohnhaus in Amstetten gefangen gehalten und mit ihr sieben Kinder gezeugt haben. Eines der Kinder starb 1996 wenige Stunden nach der Geburt. Der Beschuldigte habe den Leichnam verbrannt. Dies Staatsanwaltschaft wirft Josef F. in diesem Fall Mord vor. "Trotz des Erkennens der lebensbedrohlichen Situation des Säuglings" habe er es "vorsätzlich unterlassen, die erforderliche Hilfe durch Dritte zu veranlassen, sodass das Kind verstarb" , heißt es in derAnklage.

* Sklavenhandel: Durch die Gefangenschaft vom 29. August 1984 bis 26. April 2008 habe der Tatverdächtige die Tochter in eine "sklavereiähnliche Lage" gebracht. Er habe die Frau "verschleppt und eingesperrt" , in "vollständige Abhängigkeit" gebracht, ihr "sexuelle Dienste" abverlangt und über sie "wie über sein Eigentum" verfügt. Dies sei ein Vergehen nach Paragraph 104 Absatz 2 des Strafgesetzbuches, der mit Sklavenhandel betitelt ist.

* Vergewaltigung: In den 24 Jahren der Gefangenschaft soll Josef F. seine Tochter "in einer Vielzahl von Tatangriffen regelmäßig zum Beischlaf genötigt haben" .

* Freiheitsentziehung: "Durch Einsperren in einem beengten, feuchten Kellerverlies ohne Fenster und somit ohne Tageslicht und direkter Frischluftzufuhr" wurden die heute 42jährige Frau und drei der gemeinsamen Kinder widerrechtlich gefangen gehalten" und somit ihrere Freiheit beraubt. Diese Kinder waren ihre Leben lang bis zu ihrer Befreiung am 27. April diesen Jahres im Keller eingeschlossen. Die drei weiteren Kinder aus der erzwungenen Beziehung mit der Tochter nahm der Verdächtige Jahre zuvor in seine Familie auf und zog sie im Haus über dem Versteck auf.

* Schwere Nötigung: Wiederholt soll der Tatverdächtige die Eingesperrten "durch gefährliche Drohung mit angebrachten Gas- und Sprengfallen zur Abstandnahme von Fluchtversuchen genötigt haben soll" .

* Blutschande: Zum Vorwurf der Blutschande führt die Staatsanwältin aus, dass der 73-Jährige den Beischlaf mit seiner Tochter, die in gerade Linie mit Josef F. verwandt ist, vollzogen habe.
Wird der Angeklagte, der ein weitgehendes Geständnis abgelegt hat, verurteilt, dann werden die Strafen mehrerer Delikten aber nicht zusammengezählt, ergänzt Sedlacek. Das Strafmaß richte sich nach dem mit der strengsten Strafe bedrohten Delikt. Im Fall Amstetten wäre dies das Kapitalverbrechen Mord (zehn Jahre bis zu lebenslang). Weitere Verurteilungen würden als erschwerend gewertet.

Zusätzlich zu einer Bestrafung hat Staatsanwältin Burkheiser aber auch noch die Unterbringung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragt. Nach dem vorliegenden psychiatrischen Sachverständigengutachten sei der Angeklagte zwar für den gesamten Tatzeitraum als "voll zurechnungsfähig" anzusehen, dennoch weise er eine "höher gradige seelisch-geistige Abartigkeit" auf. Die Linzer Psychologin Adelheid Kastner attestiert dem 73-Jährigen in ihrem Gutachten sowohl eine "Störung der Sexualpräferenz" als auch eine abartigen Narzissmus. Das mache die Einweisung in eine Anstalt notwendig.

Der Prozess wird vermutlich nicht vor März nächsten Jahres und unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, mutmaßt Sedlacek. Nur die Anklageverlesung und die Urteilsverkündung werden öffentlich sein.

Alles nur Gerüchte

Medienberichte, wonach der in St. Pölten inhaftierte Josef F. von Mitgefangenen mit dem Tode bedroht worden sein soll, wurden am Donnerstag jedoch dementiert. "Alles erfunden und nichts dahinter" , sagte Günther Mörwald, der Leiter der Justizanstalt St. Pölten. Es seien nur Gerüchte gestreut worden, der mutmaßliche Täter hätte gefoltert und getötet werden sollen. (APA/Kerstin Scheller, DER STANDARD - Printausgabe, 14. November 2008)

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    27 Seiten lang ist die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft St. Pölten gegen Josef F.. Auch wegen des Vorwurfs des Mordes und des Sklavenhandels wird sich der Beschuldigte verantworten müssen.

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