Felderer: Wirtschaft erst am Weg nach unten

13. November 2008, 13:10
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Bezüglich Exportwirtschaft Österreich ist "ein kleines Deutschland" - Umgang mit Krise in den USA zeigt große institutionelle Mängel

Wien - Die Rezession in Deutschland komme zwar nicht überraschend, dass das Minus im dritten Quartal mit 0,5 Prozent schlechter ausfiel als im zweiten Quartal (revidiert Minus 0,4 Prozent), zeige aber, dass die Wirtschaft erst "am Weg nach unten" sei, sagte IHS-Chef Bernhard Felderer am Donnerstag im Gespräch mit der APA. Auch im vierten Quartal 2008 sei mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung zu rechnen, eine Erholung erwartet Felderer erst im Sommer 2009.

Ob nun auch die österreichischen Vorhersagen anzupassen sind, wollte sich Felderer nicht festlegen. Gerade bezüglich der Exportwirtschaft, deren Rückgang Deutschland massiv Probleme bereitet, sei Österreich aber "ein kleines Deutschland". Denn auch Österreich exportiere massiv Investitionsgüter und diese reagierten auf Konjunkturschwankungen überdurchschnittlich.

Heftige Kritik übte Felderer am Umgang der US-Behörden mit der Krise. "Von einer Blamage zu reden ist vielleicht zu viel", aber die Maßnahmen "haben institutionelle Mängel großen Ausmaßes" gezeigt. Die US-Behörden hätten "von vornherein nicht gewusst, was man will". Felderer bezog sich damit auch auf die aktuelle Entscheidung von Finanzminister Henry Paulson, nun doch keine faulen Kredite aufzukaufen, sondern wie in Europa Finanzinstituten mit Geldspritzen unter die Arme zu greifen. Am schlimmsten sei jedoch, dass die US-Notenbank in den vergangenen Jahren "ihre Aufsichtspflicht nicht wahrgenommen hat" und Kredite, "die teilweise kriminell waren", zugelassen hat.

Positiv bewertet Felderer, dass der Interbankenzinssatz Euribor falle - "wenn auch nur leicht". Das zeige eine Verbesserung der Kreditvergaben zwischen den Banken. Dennoch habe sich in der Wirtschaft insgesamt viel Angst aufgebaut. Es werde einige Zeit dauern, bis sie sich wieder abbaut. "Aber die Erfahrung zeigt: Irgendwann geht es immer wieder aufwärts". Das sei auch nach der großen Depression 1929 so gewesen. (APA)

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