65 Prozent der Postämter werden geschlossen

13. November 2008, 11:42
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Post-Chef Wais: Bedeutung der Aktionäre wird in der derzeitigen Diskussion ausgeblendet

Wien  - Die Schließungswelle bei den Postämtern steht auch nach einem Rückzieher beim gestrigen Aufsichtsrat der Post AG weiter auf der Tagesordnung. Mittelfristig werde sich die Post von 65 Prozent ihrer Ämter trennen, erklärte am Donnerstag Post-Chef Anton Wais vor Journalisten. Er verwies auf die Beispiele Deutschland und die Niederlande, deren Postmarkt mit Österreich vergleichbar wären (und die - wie die Post AG - zu den ganz wenigen Ländern mit börsenotierten Postunternehmen zählen). Demnach würden in diesen Staaten weniger als 20 Prozent der Postfilialen im Besitz der Ex-Monopolisten sein. Demgegenüber habe die heimische Post noch Filialen, in denen monatlich keine 100 Brief aufgegeben würden.

Höhere Dividende

Dass die Österreichische Post für 2009 ihren rund 13.000 Aktionären eine höhere Dividende verspricht, gleichzeitig aber Ämter schließen und Personal abbauen will, sieht Wais nicht als Widerspruch. Schließlich werde bei der Post niemand gekündigt, der Personalabbau erfolge über einen Sozialplan, über eine Hacklerregelung und über natürliche Fluktuation. So würden jährlich rund 80 Postler freiwillig das Unternehmen verlassen. Auch der Sozialplan werde gut genutzt und bei der Hacklerregelung habe die Ausweitung um drei Jahre auf die Geburtsjahrgänge bis 1953 zu einer Verdreifachung des Potenzials geführt, so der Postchef.

Zu der Bemerkung des Kapitalmarktbeauftragten der Regierung, Richard Schenz, das Postmanagement solle einen Nachteilsausgleich von der Republik zur Kompensation der Verluste der Aktionäre verlangen, meinte Wais, dass dies mit "irrsinnigen Streitigkeiten" verbunden sei. Es stimme aber, dass in der laufenden Post-Diskussion die Bedeutung der Aktionäre ganz ausgeblendet werde. Die Post gehört nach dem Börsegang 2006 nur mehr zu 51 Prozent dem Staat. Hintergrund: Verbietet Verkehrsminister Werner Faymann (S) Postämter-Schließungen, dann verschlechtert das nach Meinung der Postführung die Bilanz - was wiederum den Aktionären weniger Ertrag bringt.

Zur Ankurbelung des Geschäftes will Wais künftig gemeinsam mit der BAWAG PSK verstärkt auf Finanzdienstleistungen in "Spezialfilialen" setzen, die optisch eher an Banken denn an Postämter erinnern würden. Auch sollen mehr mobile Finanzberater eingesetzt werden. Bei der nächsten Aufsichtsratssitzung am 11. Dezember 2008 werde festgelegt, welche Filialen 2009 geschlossen werden sollen. Noch am selben Tag werden dann Bürgermeister, Finanzminister und Regulator informiert und die betroffenen Postämter im Internet bekanntgegeben, versprach Wais. (APA)

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