HPV-Immunisierung hilft Zellen-"Gedächtnis"

13. November 2008, 12:01
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Expertenplädoyer für Impfung: "Keine Einzige erkrankte an Vorstufen oder Gebärmutterhalskrebs durch Virusstamm"

Wien - Die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs führt offenbar zu einem langzeitigen Schutz gegen Infektionen mit dem Human Papilloma Virus (HPV) und ihren Folgen. "Das ist ähnlich wie bei der Hepatitis-B-Impfung, deren Wirkung dauert auch dann noch an, wenn im Blut keine Antikörper mehr durch die Impfung vorhanden sind", erklärt der Wiener Gynäkologe Elmar Joura (Universitäts-Frauenklinik der MedUni Wien am AKH). Basis dafür ist eine jetzt von Joura und Co-AutorInnen online veröffentlichte Studie in der Fachzeitschrift "Vaccine". 

Abwehrreaktion provozieren

70 Prozent der Fälle könnten durch eine Immunisierung mit einer Vakzine verhindert werden. Diese Vakzine beinhaltet künstlich produzierte virusähnliche "Sphären", die - ohne echte Viren zu sein - durch ihre Oberflächenproteine dem Immunsystem der Geimpften das Vorhandensein eines Erregers vortäuschen und zu einer Abwehrreaktion führen.

Joura war an der Wiener Universitätsklinik mitbeteiligt an den entscheidenden Phase-III-Studien mit einem HPV-Impfstoff gegen vier HP-Virusvarianten (6, 11, 16 und 18). Die beiden ersten Stämme sind für Genitalwarzen verantwortlich, 11 und 16 hingegen für Zervixkarzinome. Nach der vollständigen Immunisierung mit drei Teilimpfungen zeigte sich, dass die Vakzine de facto vollständig vor durch die angesprochenen Viren verursachten Karzinome und ihre Vorstufen (Konisationen) wirkt.

Immunologisches Gedächtnis

"Im Rahmen der Untersuchungen hat sich aber herausgestellt, dass 40 Prozent der immunisierten Frauen nach vier Jahren keine (durch die Impfung hervorgerufene) Antikörper gegen HPV-18 mehr hatten. Doch trotzdem erkrankte - wenn man sich die Daten von fast 18.000 an der Wirksamkeitsstudie beteiligten Probandinnen ansieht - keine einzige Frau an Vorstufen oder Gebärmutterhalskrebs durch diesen Virusstamm. Das bedeutet, dass es durch die Impfung offenbar zu einem immunologischen Gedächtnis kommt", erläutert der Experte. Es werden B-Lymphozyten (memory cells) durch die Immunisierung so auf HPV-18 "trainiert", dass sie bei einer allfälligen Neuinfektion - HPV wird auf sexuellem Weg übertragen - sofort wieder mit der Produktion von Antikörpern gegen die Krankheitserreger reagieren. Joura: "Ein solches immunologisches Gedächtnis konnte auch für die Hepatitis-B-Impfung nachgewiesen werden."

Insgesamt gibt es aus klinischen Daten bereits Informationen über einen Zeitraum von neun Jahren, in dem eine Impfung gegen HPV offenbar wirkt. Aus den großen Wirksamkeitsstudien liegen Daten zu eine Effizienz über zumindest fünf Jahre vor.

Kostenfrage

In Österreich haben sowohl der Impfausschuss des Obersten Sanitätsrates als auch die Krebshilfe und verschiedene Medizin-Fachgesellschaften vehement für die HPV-Impfung plädiert. Zu einer generellen Übernahme in die Reihe der kostenlosen Kinderimpfungen konnte sich die Öffentliche Hand aber bisher nicht entschließen, obwohl laut Schätzungen auf Seite der Krankenkassen der Preis für eine Teilimpfung (drei notwendig) damit von je rund 200 Euro auf je 80 bis 90 Euro sinken könnte. (APA)

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