Von Kapstadt nach Indien

13. November 2008, 11:57
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Die nächste Etappe führt die Crew von Skipper Hanakamp nach Cochin - Gefahr auf zweitem Abschnitt sind Fischerboote und Piraterie - Killerwal wurde abgedichtet

Kapstadt - Die ersten 6.500 nautischen Meilen liegen hinter den acht Jachten, am Samstag fällt der Startschuss zur zweiten Etappe des Volvo Ocean Race von Kapstadt nach Cochin in Indien. Benötigte das Team Russia mit dem österreichischen Skipper Andreas Hanakamp für den ersten Ozean-Abschnitt 23 Tage, so werden für den zweiten über 4.450 Seemeilen 18 anberaumt. In Führung liegt das Segelteam Ericsson 4 mit 14 Punkten, Team Russia ist Achter (4).

Die Kosatka (Killerwal) legte als sechstes Boot an der südafrikanischen Küste an, steht aber dennoch im Zwischenklassement an letzter Stelle, da bisher auch das In-Port-Rennen im Starthafen Alicante und das Passieren des "scoring gates" bei der Insel Fernando de Noronha (Brasilien) gezählt wurden. Doch die erste Ozean-Etappe gab Auftrieb und die internationale Crew ging hochmotiviert in die freien Tage. "Wir haben super aufgeholt, leider ist uns dann der Spinnaker gerissen. Wir waren dann gut in Fahrt, doch die Etappe ist uns etwas zu kurz geworden", sagte Hanakamp, der gehofft hatte, die Telefonica Blue noch zu erwischen.

Der Österreicher flog ein paar Tage in die Heimat zur Familie, kümmerte sich um berufliche Angelegenheiten, wanderte in den Bergen, ging Mountainbiken. Das Ocean Race sei das Anstrengendste, das er je gemacht habe, sagte er im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur. "Das ganze Rennen war ziemlich am Limit, aber das ist keine Überraschung, es ist das, was ich erwartet habe." Die perfekte Vorbereitung und das richtige Einstellen auf die Verhältnisse an Bord machten sich bezahlt. "Bis zur letzten Meile waren alle voll motiviert. Es war uns klar, dass es lange wird. Und es niemand gefragt, wie lange dauert es noch?", lobte der Skipper die Moral seiner Seefahrer.

Hohe Dichte des Feldes

In diesem Punkt ist die Kosatka absolut konkurrenzfähig, was aber beispielsweise auf die Ericsson fehlt, sind eineinhalb Jahre seglerische Vorbereitung. Und dennoch liegt das Feld eng zusammen, damit hat Hanakamp nicht gerechnet. "In dieser Knappheit war dies noch nie der Fall, diese Dichte hat niemand erwartet. Das ist eine neue Dimension im Hochseesport, die Positionen wurden oft gewechselt. Das ist ein gutes Zeichen, das macht das Rennen sehr spannend. Ich hoffe, dass es lange offen bleibt." Erfreulich war, dass die Kosatka an Geschwindigkeit zugelegt hat. "Wir haben gelernt, das Boot jeden Tag schneller zu segeln. Für Außenstehende ist dies nicht wahrnehmbar, es sind Verfeinerungen wie bei einem Formel-1-Wagen."

In der Pause zwischen den Etappen versuchte die Land-Crew, die Kosatka abzudichten. "Das Boot nimmt viel Wasser, es ist permanent nass, die Leute sind permanent nass, das macht sie fertig", beschrieb Hanakamp das Bordleben. "Man muss sich das so vorstellen: ein Auto ist auch dicht, aber wenn man es aus fünf Feuerwehrschläuchen anspritzt, dann wird es auch reinrinnen." Kein Problem war die Ernährung. "Es ist nicht berauschend, aber alle hatten genug zu essen. Niemand ist verhungert und fast niemand hat Gewicht verloren. Wir wussten, dass es kein Gourmet-Törn wird."

Auf der zweiten Etappe wird der russische Geschäftsmann Oleg Scherebzow, der die finanzielle Basis für das Projekt geschaffen hat, mit an Bord des "Killerwales" sein. Das nächste Mal plant Hanakamp über Weihnachten heimzufliegen, kurz vor dem Heiligen Abend ist die Ankunft der dritten Etappe in Singapur geplant. Doch nun muss zuerst einmal der nächste Schritt erfolgreich gemacht werden. Die Herausforderungen auf dem Weg nach Indien sind vor der Ostküste Afrikas kleine, hölzerne, oft unbeleuchtete Fischerboote und die Gefahr der Piraterie. (APA)

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