Terror-Prozess: Zweiter Versuch mit Schleier

13. November 2008, 17:58
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Vollverschleiert in Gerichtssaal und behauptet: "Ich bin nicht Mona S." - Für Schimpfkanonade vom Vortag entschuldigt

Wien - "Der Mensch macht eben Fehler" , sagt Mona S. mit einem Blick auf ihre Schwester. Die steht neben der Vollverschleierten auf dem Gang vor dem Verhandlungssaal im Wiener Landesgericht, wo die Wiederholung des Islamistenprozesses stattfindet - und zeigt der Umgebung ihr nacktes Gesicht, weil sie nur ein Kopftuch trägt.

Dem "wahren muslimischen Glauben" entspreche das auf keinen Fall, betont Mona S., die in dem Verfahren mitangeklagt ist: "Das ist wie mit dem Alkohol. Alle Muslime wissen, dass sie keinen trinken dürfen - aber viele tun es trotzdem." Sie hingegen wolle fehlerfrei leben und habe sich vor vier Jahren für den Schleier entscheiden, den sie in Anwesenheit von fremden Männern nicht ablegen dürfe. Die unverschleierte Schwester lächelt.

Wie berichtet wurde Mona S. am Mittwoch aus dem Gerichtssaal ausgeschlossen, weil sie ihr Gesicht nicht vor den Geschworenen enthüllen wollte. Die Schimpfkanonade, die sie beim Verlassen des Saales von sich gab ("Vollidioten!" ) tut ihr am Donnerstag "sehr leid" .

Zu Verhandlungsbeginn am Donnerstag hatte sie einen vollverschleierten Betretungsversuch gestartet und behauptet: "Ich bin nicht Mona S." . Als Richterin Michaela Sanda sie aufforderte, im Hinterzimmer den Schleier zu lüften, verließ sie den Saal.

Diesen betraten in der Folge zwei Zeugen, die zu den Umständen, Erfolgen und Unzulänglichkeiten der polizeilichen Lausch- und Spähangriffe auf Computer und Wohnung des Hauptangeklagten Mohamed M. befragt wurden. Um den Terrorverdacht zu überprüfen habe man erst über den Internetprovider Einblick in M.'s Internetverkehr zu erlangen versucht, sagte ein Vertreter des Bundesamtes für Terrorismusbekämpfung. Doch vieles sei unentzifferbar gewesen.

Also sei man zur Verwanzung von M.'s Zimmer und Überwachung per Videokamera übergegangen, schilderte in der Folge der Aktenführer in diesem Ausspähverfahren. Sowie zur Installierung einer Überwachungssoftware auf M.'s Computer, die der Polizei regelmäßig Screenshots zukommen ließ. Eingebaut wurde dies alles am Tag seiner Hochzeit mit Mona S. (Irene Brickner, DER STANDARD - Printausgabe, 14. November 2008)

  • Mona S. will "fehlerfrei leben" - mit Schleier.
    foto: standard/heribert corn

    Mona S. will "fehlerfrei leben" - mit Schleier.

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