Lufthansa bei AUA gelandet

13. November 2008, 17:45
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Die ÖIAG führt nur mehr mit Luft­hansa abschließende Gespräche, Air France-KLM und die russische S7 sind aus dem Rennen

Die Staatsholding ÖIAG wischt alle Bedenken gegen Exklusivverhandlungen mit der Lufthansa vom Tisch und setzt nun ausschließlich auf einen Verkauf der AUA an die deutsche Fluglinie. Der Privatisierungsausschuss der Holding hat sich trotz des Interesses der Air France-KLM gegen eine Neuausschreibung entschieden. Gegen allfällige Klagen hat sich ÖIAG-Chef Peter Michaelis mit zwei Gutachten von zwei Universitätsprofessoren gewappnet.

In den nächsten Tagen finden die entscheidenden Verhandlungen statt, am 5. Dezember soll der Zuschlag erfolgen. Danach wird der Steuerzahler zur Kasse gebeten - die Republik wird 500 Millionen Euro in die AUA einschießen, um die Bedingungen der Deutschen zu erfüllen.

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Die ÖIAG setzt beim AUA-Verkauf auch formal nur noch auf die Lufthansa. Am Donnerstag legte sich der Privatisierungsausschuss der Staatsholding ÖIAG darauf fest, nur noch mit den Deutschen zu verhandeln. Die verbliebenen Interessenten, die russische S7 und die Air France-KLM wurden aus dem Verfahren ausgeschieden, bestätigte ÖIAG-Chef Peter Michaelis am Donnerstag Abend in einer Aussendung.

"Die Unterlagen der S7 entsprechen nicht den Kriterien eines EU-konformen Bieterprozesses. Außerdem hat S7 die Bestätigung zur Aufrechterhaltung der Betriebsgenehmigung nicht erbracht. Auch Air France-KLM hat innerhalb der Angebotsfrist kein Angebot abgegeben", so Michaelis.

Abgesichert durch zwei Gutachten

Er hat sich gleich mit zwei Gutachten abgesichert, um etwaige Anfechtungen der Kontrahenten abzuschmettern: Thomas Eilmansberger, Professor an der Universität Salzburg, und sein Kollege an der Wirtschaftsuniversität Wien, Christian Nowotny, gelangen zur Ansicht, dass eine neuerliche Ausschreibung "nicht notwendig und auch nicht sinnvoll" sei, wie es aus der ÖIAG hieß. Damit heißt es - wieder einmal - Gutachter gegen Gutachter: Rechtsanwalt Gabriel Lansky gelangte nämlich im Auftrag der ÖIAG-Arbeitnehmervertreter zu der Ansicht, dass die Air France zu Unrecht aus dem Verfahren ausgeschieden worden sei. Michaelis will bis zur nächsten ÖIAG-Aufsichtsratsitzung am 5. Dezember "EU-rechtlichen Fragen bezüglich des negativen Kaufpreises" abklären. Der Vertragsabschluss sollte innerhalb eines Monats erfolgen.

Der ÖIAG, die nun 500 Mio. Euro in die AUA pumpt, ist neben den rechtlichen Gesichtspunkten die Unsicherheit einer Neuausschreibung zu groß: Dann würde sich der Verkaufsprozess ins Frühjahr und damit "mitten in die Rezession" ziehen, was die Partnersuche zusätzlich erschweren könnte.

Charmeoffensive


Im Vorfeld ÖIAG-Sitzung soll die Lufthansa versucht haben, auch die Betriebsräte der AUA für eine Zustimmung zum Zuschlag für den Verkauf der ÖIAG-Anteile der AUA an Bord zu holen. Kritik der Belegschaftsvertreter gab es vor allem daran, dass Lufthansa keine Standort- und Jobgarantie abgeben wollte. Zuletzt hatte Peter Mitterbauer, Aufsichtsratschef der Staatsholding ÖIAG, indirekt bestätigt, dass die deutsche Lufthansa vor dem Zuschlag bei der AUA stehen könnte.

Kurz vor der Entscheidung wurde laut darüber nachgedacht, die Airline nicht zu verkaufen, sondern neu zu gründen, ähnlich wie bei der Alitalia. Massive Kritik am Verkaufsprozess hagelte es zuletzt von allen politischen Parteien. (Claudia Ruff, Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.11.2008)

  • Die ÖIAG verwies darauf, dass die von der russischen Fluglinie S7
eingereichten Unterlagen nicht den Kriterien eines EU-konformen
Bieterprozesses entsprochen hätten. Außerdem habe die S7 die
erforderliche Bestätigung zur Aufrechterhaltung der Betriebsgenehmigung
nicht erbracht. Auch Air France-KLM habe innerhalb der Angebotsfrist
kein Angebot abgegeben.
    montage: derstandard.at

    Die ÖIAG verwies darauf, dass die von der russischen Fluglinie S7 eingereichten Unterlagen nicht den Kriterien eines EU-konformen Bieterprozesses entsprochen hätten. Außerdem habe die S7 die erforderliche Bestätigung zur Aufrechterhaltung der Betriebsgenehmigung nicht erbracht. Auch Air France-KLM habe innerhalb der Angebotsfrist kein Angebot abgegeben.

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