Post kontert Streikdrohung mit höherer Dividende

13. November 2008, 18:50
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Während die Postge­werkschafter ihre Kräfte für Protestmaßnahmen bis zum Streik gegen das Sparpaket bündeln, will General Anton Wais die Aktionäre mit Geld bei Laune halten

Wien - Die Post-Gewerkschafter (die zugleich Betriebsräte der gelben Post sind) haben am Donnerstag ihre Kampfmaßnahmen bis hin zum Streik auf den Weg gebracht. Bis ein formaler Streikbeschluss vorliegt, werden noch einige Tage vergehen, denn erst muss der Bundesvorstand (per Rundmail) zustimmen, dann die ÖGB-Gremien. Bis spätestens 24. November, rechnet Post-Gewerkschaftschef Gerhard Fritz, sollte alles auf Schiene sein. Um dem Vorstand rund um Generaldirektor Anton Wais doch noch Gelegenheit zu geben, seine Sparpläne detailliert vorzulegen, wird für nächsten Freitag ein Einspruch gegen die Wirtschaftsführung vorbereitet.

Wais sieht sich durch den "Vorratsbeschluss" der wütenden Gewerkschafter nicht gefordert. Er habe den Arbeitnehmervertretern vor der Post-Aufsichtsratssitzung am Mittwoch vier Werktage lang Gespräche angeboten, sei damit aber abgeblitzt. Fritz kontert, es gehe dabei um Personalmaßnahmen und über die sei laut Gesetz mit dem Betriebsrat zeitgerecht zu beraten. Wäre es Wais ernst mit seinem Angebot, hätte er den Antrag auf Beschluss ja von der Tagesordnung absetzen können.

Neue Strategie

In der neuen Strategie, die Wais bei Vorlage der Neunmonatszahlen am Mittwoch nicht viel, aber doch ein wenig präzisierte, sind in der Tat einige Maßnahmen inkludiert, die Stoff für anhaltenden Streit sein werden: Eine davon ist die Erhöhung des Anteils privater Zustellung und Sortierung im Brief- und Paketbereich. Setzt die Post dies um, werden die Post-Bediensteten sukzessive durch billigere, weil zum kostengünstigeren Transport-Kollektivvertrag beschäftigte oder gar freiberuflich tätige Zusteller ersetzt und den unkündbaren, versetzungsgeschützten Post-Beamten geht die Arbeit tatsächlich aus. Wais kann sich dafür auch Gründung einer eigenen Tochtergesellschaft vorstellen.

Was die Schließung von Postämtern betrifft, gab sich Wais von der öffentlichen Erregung unbeeindruckt. Er garantiere nicht eine bestimmte Zahl an Postämtern oder Servicestellen, aber flächendeckende Versorgung. Die Gefahr weißer Flecken im Netz bestehe nicht, weil: "Wir haben ja nur mehr dort Filialen, wo es mehr gibt als eine Kirche." Die Herausforderung sei nun, Partner zu finden, die das Postgeschäft übernehmen würden

Bedürnisse der Post

Dass er Verkehrsminister Werner Faymann und Finanzminister Wilhelm Molterer bereits im März vollumfänglich über die geplante umfassende Neustrukturierung samt Streichung von 9000 Stellen und 1000 Postämtern informiert habe, bestreitet Wais. Es sei eine grundsätzliche Information gewesen und um die Bedürfnisse der Post im liberalisierten Markt gegangen, versicherte Wais. Die Grünen sehen das anders, sie sehen in einer dem Standard vorliegenden Präsentationsunterlage den Beweis, dass Faymann Detailkenntnisse haben musste. Laut Wais gab es aber erstmals im August-Aufsichtsrat erste "Rechenbeispiele". Allerdings hatten die Christgewerkschafter bereits im Juni mit ähnlichen Zahlen hantiert.

Die Post hat in den ersten neun Monaten ohne Quelle und Universalversand weniger verdient. Der Konzernumsatz stieg um sieben Prozent auf 1,78 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis (Ebit) sank um 13 Prozent auf 103 Millionen Euro. Die Aktionäre will man dafür mit einer höheren Basisdividende bedienen, sie soll über den im Vorjahr gezahlten 1,40 Euro je Aktie liegen.(ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.11.2008)

 

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    Post-Chef Wais verteidigt den Sparkurs, ein Streikteam bereitet ab sofort Kampfmaßnahmen vor, Ausstände sind ab 22. November möglich.

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