Gefälschte "New York Times" verkündet Ende des Irakkriegs

13. November 2008, 11:45
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"All the News We Hope to Print": Aktion von Kriegsgegnern, Menschenrechtsgruppen und Umweltschützern

In New York ist am Mittwoch eine gefälschte Ausgabe der Zeitung "New York Times" (NYT) mit Schlagzeilen wie "Der Krieg im Irak ist vorbei" verteilt worden. Das bis ins Detail der renommierten US-Zeitung gleichende Gratisblatt wurde von der Aktivisten- und Aktionskünstlergruppe "The Yes Men" herausgegeben. Die 14-seitige Zeitung ist auf den kommenden Nationalfeiertag am 4. Juli 2009 datiert. "All the News We Hope to Print" steht neben dem Schriftzug "New York Times" - in Anlehnung an das Motto "All the News that's Fit to Print" der echten NYT. Die "Special Edition" gibt es auch im Internet: nytimes-se.com. Außer dem Ende des Irakkriegs vermeldet die gefälschte "New York Times" unter anderem auch eine Anklage gegen den scheidenden US-Präsidenten George W. Bush wegen Hochverrats.

Abzug der US-Truppen auf Seite eins

Auf der ersten Seite der Zeitung ist ein Foto zu sehen, das den Abzug der US-Truppen aus dem Irak zeigen soll. In einem Artikel über das "erste Interview nach seiner Anklage wegen Hochverrats" gibt Bush schwere Fehler bei der Entscheidung zum Einmarsch in den Irak zu. Zudem kündigt der Präsident in dem erfundenen Interview an, sich höchstpersönlich an der Suche nach Al-Kaida-Chef Osama bin Laden beteiligen zu wollen. Weiters ist zu lesen, dass sich die frühere US-Außenministerin Condoleezza Rice für Lügen über die angeblichen Massenvernichtungswaffen im Irak entschuldigt habe. Das Blatt berichtet über eine Öl-Steuer zur Finanzierung von Umweltstudien, den Ausbau von Fahrradwegen in New York und die Einführung einer nationalen Gesundheitsvorsorge.

Herausgeber des Fakes: "The Yes Men"

"The Yes Men" outeten sich als Herausgeber der Fake-NYT. Sechs Monate lang hätten sie an dem Blatt gearbeitet und über eine Million Exemplare mit Hilfe von tausenden Freiwilligen kostenlos in New York und anderen US-Städten verteilt. "Ich denke, es ist jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Diskussion, was wir erreichen wollen", sagte "Yes Men"-Mitbegründer Igor Vamos am Mittwoch der "Albany Times Union". Er habe für die falsche "New York Times" einen Bericht über das weltweite Verbot von Massenvernichtungswaffen geschrieben, so der Assistenzprofessor am Rensselaer Polytechnic Institute in New York.

Einer der Urheber des Projekts, der sich selbst als "Wilfred Sassoon" ausgab, sprach von rund 30 beteiligten Autoren. Seinen Angaben nach lieferten auch einige Mitarbeiter der echten "New York Times" Artikel ab. Von der renommierten Tageszeitung gab es zunächst nur einen knappen Kommentar: "Das ist eindeutig eine gefälschte Ausgabe der Times. Derzeit versuchen wir, mehr darüber herauszufinden", sagte Sprecherin Catherine J. Mathis.

Die "Yes Men"-Aktivisten schlossen sich Ende der 90er Jahre zusammen. Die Globalisierungskritiker gerieten vor allem durch eine gefälschte Internet-Seite der Welthandelsorganisation WTO in die Schlagzeilen. Als vermeintlich legitime WTO-Mitarbeiter wurden sie zu Konferenzen und Vorträgen eingeladen, bei denen sie satirisch Kritik übten. Ihre Aktionen wurden 2003 in dem Pseudo-Dokumentarfilm "The Yes Men" beleuchtet.

"The War is over": YouTube-Video mit Reaktionen aus New York. (APA/red)

Links
Homepage der gefälschten "New York Times": nytimes-se.com
Die Echte: nytimes.com
theyesmen.org

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    Gefälschte und echte Ausgabe der "New York Times".

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