Finanzkrise: Wenn das Rückgrat bricht

12. November 2008, 19:35
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Während die Bankenwelt mit Millionen-Geldspritzen rechnen darf, sieht es für den Rest der Wirtschaft trist aus - Verena Kainrath

Österreich lässt sich bei Geldspritzen für die verwundete Bankenwelt nicht lumpen, hundert Milliarden Euro sind kein Pappenstiel. Das Konjunkturpaket für die restliche Wirtschaft schaut da schon mickriger aus.

Garantien in Höhe von einer Milliarde Euro für den Mittelstand zeigen guten Willen, ebenso das Vorziehen von Infrastrukturprojekten. Das Kraut wird damit aber für Unternehmen, die in Zeiten des Wahlkampfes gern als Rückgrat der österreichischen Wirtschaft gepriesen werden, nicht gerade fett. Förderungen für Investitionen sind nett. Brechen die Märkte rundum ein, sind die Betriebe freilich mit anderem beschäftigt als mit Expansion. Für viele geht es derzeit ums nackte Überleben. Und das wird Jobs kosten. Meist ohne den öffentlichen Aufschrei, der Großkonzerne in der Schieflage begleitet. Unterm Strich aber nicht weniger folgenschwer.

Der Mittelstand droht weltweit in die Bredouille zu geraten, und Österreich kann sich davon nicht abkoppeln. Rund 60 Prozent der kleinen Unternehmen machen schon jetzt keine Gewinne. Ihre Eigenkapitalquote liegt im Schnitt bei mageren 23 Prozent. Bankverbindlichkeiten stellen ein Drittel des Kapitals, die Bonität lässt zu wünschen übrig.

Drehen die Banken den Kredithahn zu, sind die Kleinen die Ersten, denen das Geld ausgeht. Die Finanzwelt präsentiert sich gern als Partner des Mittelstands. Die Realität sieht anders aus, und restriktive Kreditvergabe ist den Banken angesichts eigener Turbulenzen auch nicht zu verübeln. KMUs gehören steuerlich stärker als geplant entlastet, Förderungen von Bildung und Forschung endlich in Angriff genommen. Sonst wird dieses Rückgrat brechen. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.11.2008)

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