EU-Rekordstrafe: 1,4 Milliarden für Autoglaskartell

12. November 2008, 19:01
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Vier Konzerne hintergingen die Autoindustrie

Brüssel - Vier Hersteller von Autoglas - der französische Saint-Gobain-Konzern, Asahi aus Japan, Pilkington aus Großbritannien und Soliver aus Belgien - haben zwischen 1998 und 2003 mit Preisabsprachen, weit reichenden Gebietsschutz-Vereinbarungen und der "Zuordnung" von Kunden gegen das Kartellrecht der EU verstoßen, gab Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes am Mittwoch bekannt.

"Diese Unternehmen haben die Automobilindustrie und die Fahrzeugkäufer fünf Jahre lang hintergangen, und das auf einem Markt mit einem Umsatz von zwei Milliarden Euro", sagte die Kommissarin. Der Marktanteil der Unternehmen im europäischen Wirtschaftsraum beträgt fast 90 Prozent. Danach richtet sich auch die Rekordstrafe von insgesamt fast 1,4 Milliarden Euro. Bisher war das Aufzugskartell mit rund einer Milliarde Euro Rekordhalter.

Besonders hart trifft es Saint-Gobain als Wiederholungstäter mit 896 Millionen Euro. Der Hersteller von Windschutzscheiben, Scheinwerfern und Glas-Schiebedächern bekam einen Zuschlag von 60 Prozent und muss damit fast gleichviel bezahlen wie Microsoft. Der US-Software-Konzern wurde bisher zu einer Geldstrafe von insgesamt 899 Millionen Euro verurteilt.

"Das Management und die Aktionäre der Unternehmen, die Konsumenten und die Industrie durch Kartelle schädigen, lernen offenbar nur durch die harte Tour" , sagte Kroes. Die Strafe für Asahi wurde um 50 Prozent reduziert, da sich das japanische Unternehmen bei der Aufdeckung des Kartells "sehr kooperativ" verhalten habe, sagte die Kommissarin. Ins Rollen brachte den Fall eine anonyme Anzeige. (Michael Moravec, Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.11.2008)

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