Viele Frauen in Europa schlecht informiert

12. November 2008, 17:51
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Nur jede zehnte Spanierin kennt verursachendes HP-Virus - Österreicherinnen laut Initiative "nur ein bisschen besser" aufgeklärt

Nizza - Viele Frauen wissen kaum über Gebärmutterhalskrebs und den Karzinome verursachenden HPV (Human Papilloma Virus) Bescheid. Bessere Aufklärungen und Information sind laut Studien in EU-Ländern dringend notwendig. Zu diesem Schluss kamen Fachleute und EU-weite Initiativen am Dienstag bei einer Konferenz der europäischen Forschungseinrichtung EUROGIN in Nizza.

Wissensdefizite und Angst

Eine Infektion mit dem Virus der für 99,7 Prozent aller Gebärmutterhalskarzinome verantwortlich gemacht wird, kann durch Impfungen verhindert werden. Umfragen würden Wissensdefizite zeigen, die bei vielen Frauen für Angst und Panik sorgen. Auch durch mangelnde Informationen würden jährlich nach wie vor rund 280.000 Frauen an dem gefährlichen Krebsleiden sterben. Gebärmutterhalskrebs ist weltweit die zweithäufigste Todesursache bei Frauen, pro Jahr wird rund 500.000 Frauen die erschreckende Diagnose verkündet.

In Österreich setzt sich seit 2007 eine Initiative (http://www.gebaermutterhalskrebs.at) unter der Federführung von Schauspielerin Katharina Stemberger für eine bessere Aufklärung und die staatliche Finanzierung der HPV-Impfung ein. Derzeit wird die 600 Euro teure Immunisierung zwar im Impfplan empfohlen, allerdings nicht von öffentlicher Hand finanziert.

Situation in Österreich "seltsam"

Hervorgehoben wurde bei der EUROGIN-Konferenz in Nizza vor allem die zweigleisige Prävention durch Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen gegen das HPV-Virus. Die derzeitige Situation in Österreich, welches eine Immunisierung zwar empfehle, aber nicht finanziere sei "seltsam", sagte der italienische Mediziner Paolo Bonanni vom Europäischen Zentrum für Krankheitskontrolle (ECDC) am Rande der Veranstaltung. "Es ist wichtig auch für das zu zahlen, was empfohlen wird."

"Geniale Prävention"

"Ich glaube, dass es eine ganz geniale Prävention ist", betonte Stemberger. 75 Prozent der Bevölkerung werden mit HPV infiziert. Pro Jahr führt dies bei 6.000 Frauen zu Krebsvorstufen, die mittels Konisation operativ aus der Gebärmutter herausgeschnitten werden müssen. Dies sei bei weitem keine Kleinigkeit, sonder laut dem AKH-Mediziner Wolfgang Maurer eine innere "Genitalverstümmelung". Stemberger setzte einen Vergleich: Müssten Männer einen Teil ihres Penis entfernen lassen, würde es einen riesen Aufschrei geben.

Trotz der Gefahr von Frühgeburten nach dem Eingriff und möglichen Neuinfektionen, wurde die Impfung in Österreich bisher nicht in den Impfplan aufgenommen, kritisierte Stemberger. "Viele Frauen müssen mehrere Konisationen durchführen, sich die Gebärmutter ganz entfernen lassen und schaffen es doch nicht."

Ziel: Bessere Aufklärung

Ziel der Initiative sei daher vor allem eine bessere Aufklärung. Viele Frauen wüssten nicht einmal, warum sie regelmäßig einen Gynäkologen besuchen sollten oder das Gebärmutterhalskrebs durch einen Virus hervorgerufen werde. In Spanien wissen laut EUROGIN nur zehn Prozent der Frauen über HPV Bescheid. "Es ist bei uns nur ein bisschen besser", meinte Stemberger über Österreich.

Nicht bekannt sein dürfte auch die Tatsache, dass Kondome nur bedingt vor der sexuellen Übertragung des Virus schützen. Bereits Hautkontakt genügt für eine Infektion. Neben Aufklärung ist laut Stemberger auch das Schließen der Informationslücke nach einem schlechten Abstrich-Befund beim Arzt wichtig. Gynäkologen hätten nur bedingt Zeit für Erklärung, erarbeitet werde daher gerade ein Infopaket mit Kontaktdaten zu Fachleuten, so die Schauspielerin. Dieses soll künftig bei den Ärzten aufliegen, zusätzlich veranstaltete die Initiative einmal im Monat Info-Treffen mit Experten. (APA/red)

 

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