Immoeast-Millionen an Futurelab-Eigentümer

12. November 2008, 17:34
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60 Millionen Euro von der Immoeast-Kapitalerhöhung im Mai 2007 flossen über eine Constantia-Tochter an die Privatstiftung des Gründers und Haupteigentümers von Futurelab, einem Biotechnologielabor in Wien.

Wien - Im Sog des Constantia Privatbank(CPB)- und Immofinanz-Strudels werden täglich neue ungeklärte Finanzierungsströme bekannt. So wurden nach der Kapitalerhöhung der Immoeast 2007, die im Wesentlichen dazu diente, (unerlaubt) eigene Aktien der Gruppe zurückzukaufen, auch 60 Mio. Euro an die Duff-Privatstiftung von Michael Havel, Gründer, Haupteigentümer und Geschäftsführer von Futurelab, überwiesen. Das Geld kam von CGS Gamma Immobilien Vermietung GmbH, einer damaligen Constantia-Privatbank-Tochter. Die CGS_Gamma wurde per 30. Juni 2008 an die niederländische Constantia Packaging B.V. abgetreten. Havel gibt, wie er dem Standard ausrichten ließ, zur Duff-Privatstiftung keine Auskünfte.

Futurelab ist ein Biotechnologielabor in Wien, mit 2200 Mitarbeitern in sieben Ländern. Im Juli 2007 hat die Duff-Stiftung einer UIAG-Tochter für angeblich 44 Mio. Euro deren 33 Prozent-Anteil an Futurelab abgekauft. Die Wiener Städtische, die 41,67 Prozent an Futurelab hält, kann ausschließen, dass das Geld direkt in die Futurelab floss. Dem Vernehmen nach will sich die Immoeast auf der Suche nach Sicherheiten auch die Mehrheit an Futurelab sichern.

560 Mio. Euro der ominösen 900- Mio.-Euro-Anleihe aus der Kapitalerhöhung wurden für den Kauf _von Immofinanz-Aktien verwendet (Anschaffungspreis: rund zehn Euro), die heuer über CPB-Töchter an die Investoren Rudolf Fries und Spitz-Eigentümer Walter Scherb weiterverkauft wurden. Fries und Scherb zahlten, wie berichtet, sieben Euro für die Aktien. Für die restlichen 370 Mio. Euro wurden Immoeast-Aktien um zehn Euro je Aktie gekauft. Ein Großteil dieser Immoeast-Aktien wurde über zwei CPB-Töchter zurückgekauft: Die CPB Corporate Finance Consulting, Geschäftsführer Karl Petrikovics und Christian Thornton (Immofinanz-Vorstand), und die CPB Hepta Anlagen Leasing GmbH. Beide Gesellschaften wurden im Mai 2008 an die B.V. abgetreten. Andernfalls hätte die CPB kein Testat vom Wirtschaftsprüfer bekommen, zumal das Eigenkapital der Bank nur 180 Mio. Euro beträgt.

Gekauft wurden die Immoeast-Aktien zwischen Ende Mai und August 2007. Derzeit sind in beiden Gesellschaften noch rund 370 Mio. Euro aushaftend, fehlen also. Die Differenz zu den 530 Mio. Euro steckt in Immobilienprojekten und in Futurelab. Immofinanz-Vorstand Michael Wurzinger, der in der CPB Hepta gemeinsam mit Petrikovics als Geschäftsführer im Firmenbuch steht, sagte zum _Standard, er habe diese Funktion bereits am 22. Juli zurückgelegt.

Der Grund: Durch eine Notenbank-Prüfung in der Constantia erfuhr Wurzinger heuer im Sommer, dass über diese Firma „ohne mein Wissen" millionenschwere Transaktionen flossen. Wurzinger war bis 30. Juni 2008 Asset Manager der CPB und wechselte mit 1. Juli in den Vorstand der Immofinanz. Die CPB Hepta wurde im Sommer 2007 als Projektgesellschaft für ein Wohn- und Geschäftshaus in der Siebenbrunnengasse im 5. Bezirk gegründet. „Aufgrund meiner langjährigen Zugehörigkeit zum Unternehmen wurde mir diese Funktion als Aufwertung und Wertschätzung meiner bisherigen Tätigkeit angeboten", sagte Wurzinger.

Schlecht lief es für den AWD, dem Hauptvertriebspartner der Immofinanz. In den ersten drei Quartale sackte das operative Ergebnis um 68 Prozent auf neun Millionen Euro ab. Der Umsatz ging um 27 Prozent auf 91,8 Millionen Euro zurück. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.11.2008)

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