Fast ein Fünftel des Mittelstands will Jobs abbauen

12. November 2008, 17:27
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Die Finanzkrise schlägt auf kleine und mittlere Unternehmen durch. Umsatz und Gewinne brechen ein, vor allem konsumnahe Branchen stehen unter Druck. An Kredite zu gelangen wird zunehmend schwierig

Die Wirtschaftslage bei den heimischen Klein- und Mittelbetrieben hat sich deutlich eingetrübt. Laut einer Untersuchung von Creditreform planen 17,7 Prozent der befragten Unternehmen den Abbau von Mitarbeitern. Vor einem Jahr waren es noch zehn Prozent.

In Deutschland wiederum erwarten die fünf deutschen "Wirtschaftsweisen" zwar eine Rezession, aufhorchen ließen die Experten aber mit ihrer Prognose, dass die Trendwende bereits im Frühjahr 2009 einsetzen werde. Allerdings werde die Erholung relativ schwach ausfallem, das Wachstum wird auf 0,4 Prozent geschätzt. Die Experten fordern kräftigere Maßnahmen zur Konjunkturbelebung, als sie die deutsche Regierung in Aussicht gestellt hat.

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Berlin/Wien - Das Kreditvolumen in Europa geht deutlich zurück, zeigen die Statistiken der Europäischen Zentralbank. Die Banken steigen auch in Österreich auf die Bremse, in der Klemme sehen sich vor allem kleine und mittlere Unternehmen, belegt eine aktuelle Studie der Creditreform, für die im Oktober 1700 Betriebe befragt wurden.

Die Hälfte der kleinen Unternehmen erlebt bereits jetzt einen zum Teil deutlich erschwerten Zugang zu Finanzmitteln. Belastend seien steigende Kreditzinsen, ein Drittel der befragten Betriebe musste höhere Sicherheiten beibringen. Und bei 4,9 Prozent wurden die Kredite nicht im gewünschten Volumen gewährt. Was die geplante Aufnahme von Fremdkapital betrifft, rechnet jedes zehnte kleine Unternehmen damit, bei den Banken mit seinen Ansuchen abzublitzen. Dass es keine Probleme mit der Finanzierung gibt, glaubt kein einziges.

Die Bank als Förderer des Mittelstands sei in Zeiten wie diesen nur noch ein Werbeslogan, sagt Creditreform-Vorstand Helmut Rödl. Die Situation sei prekär, an der restriktiven Kreditvergabe würden auch Auflagen des Staates an die Finanzinstitute, kleinen Betrieben weiterhin ausreichend Kapital zur Verfügung zu stellen, nichts ändern.

Laut einer Studie der KMU Forschung Austria stellen Bankenverbindlichkeiten ein Drittel des Gesamtkapitals im Handwerk und Gewerbe. Aus Sicht der Creditreform sind nun neue Kreditmanagement-Systeme gefragt. Der Lieferantenkredit werde an Bedeutung gewinnen, das könnte vor allem die Baubranche in die Bredouille bringen, die mehr als bisher vorfinanzieren müsse. Die Zahlungsziele würden schleichend ausgeweitet, die Bonitätsprüfung der Kunden falle vielfach unter den Tisch, warnt Rödl im Gespräch mit dem STANDARD.

Die Krise an den Finanzmärkten trifft Österreichs kleine Unternehmen bis ins Mark. Fast 84 Prozent der Betriebe erwarten sinkende Nachfrage. Die Auslastung ihrer Kapazitäten werde zurückgehen, glauben zwei Drittel, Investitionen müssten eingeschränkt werden. 15 Prozent der Befragten fürchten gar um die Stabilität ihres Unternehmens.

Die Bereitschaft, im kommenden halben Jahr neue Mitarbeiter einzustellen, ist dementsprechend gering. Nahezu 18 Prozent gehen davon aus, Arbeitsplätze streichen zu müssen. Relativ robust geben sich hier nur die Maschinenbauer, die metallverarbeitende Industrie und die IT- und Datenverarbeiter.

Alles in allem hat sich die Stimmung im Mittelstand im Vergleich zum Vorjahr erheblich eingetrübt. Fast jeder vierte Betrieb kämpft mit Umsatzeinbrüchen. Vor allem konsumnahe Branchen wie der Handel sehen ihre Erlöse schmelzen. Was die Erträge betrifft, klagen ein Viertel der Befragten über Rückgänge, das sind doppelt so viele wie vor einem Jahr. (vk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.11.2008)

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