Europaweite Umwälzungen

12. November 2008, 17:23
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Postsysteme zwischen Monopolerhalt und Liberalisierungsdruck

In ganz Europa stehen die Postbetreiber vor der Entscheidung, sich mit Rationalisierungen auf den Wettbewerb vorzubereiten oder mit Staatshilfe den Status quo zu verlängern. In Kroatien etwa wackeln 1200 Stellen der Hrvatska posta.

In Frankreich gibt es derzeit ein Gerangel um Privatisierungsschritte beim Platzhirschen La Poste. Konzernchef Jean-Paul Bailly will den Konzern mit 300.000 Beschäftigten auf die Öffnung des europäischen Postmarktes 2011 vorbereiten und strebt dazu eine Kapitalerhöhung von rund drei Milliarden Euro an. Weil der Staat Mehrheitseigner der Post bleiben soll, will Bailly nicht von einer Privatisierung reden. Er verweist darauf, dass das Unternehmen in seiner derzeitigen Form nicht wettbewerbsfähig sei. Der geplante Börsengang des Konzerns wurde wegen der schlechten Verfassung der Aktienmärkte jedenfalls abgeblasen.

Gutes Service samt fetter Renditen - so wird die Situation der Schweizerischen Post eingeschätzt. Rationalisierungen machten zwar auch vor dem Nachbarland nicht halt, mit 2300 Filialen und zahlreichen alternativen Vertriebsstellen wie mobilem Service oder Abholstellen ist das Netz aber weit engmaschiger als das des österreichischen Platzhirschen (1300 Ämter). Dank eines Monopols bei Briefen - die in der EUbereits erfolgte Liberalisierung über 50 Gramm kommt in der Schweiz erst 2009 -, schaffte die Post seit dem Jahr 2000 eine Verachtfachung der Gewinne auf 900 Millionen Franken. Damit zählt das Unternehmen international zu den rentabelsten Betrieben der Branche.

Eine Wende im allgemeinen Liberalisierungsdrang in Europa vollzog die Slowakei. Nachdem der Markt großteils bereits geöffnet war, reservierte Bratislava die an Bedeutung gewinnenden Hybrid-Mail-Services für die Slovenska Posta. Die EU schritt prompt ein. (as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.11.2008)

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