ÖBB geben 2009 einen neuen Takt vor

12. November 2008, 17:19
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Der Fahrplan 2009 soll schnelleres Umsteigen ermöglichen - 3000 Bus-Schiene-Anschlüsse werden auf Taktfahrplan umgestellt - In Niederösterreich gibt es hunderte Beschwerden

St. Pölten/Wien - Der ÖBB-Fahrplan 2009, der am 14. Dezember 2008 in Kraft tritt, hält diesmal besonders viele Änderungen parat. Ursache allen Übels für Gewohnheitstiere: Die ÖBB planen, bis 2012 einen integrierten Taktfahrplan nach Vorbild der Schweiz einzuführen und beginnen nun mit den dafür fälligen Fahrtverschiebungen. Der Taktfahrplan soll rascheres Umsteigen ermöglichen und Abfahrtszeiten leichter merkbar machen, sagte Gabriele Lutter, Sprecherin des Vorstands der ÖBB-Personenverkehr am Mittwoch vor Medienvertretern. Bei wichtigen Knotenpunkten sollen immer kurz vor der vollen oder halben Stunde die Anfahrten erfolgen und wenige Minuten später die Abfahrten.


Mehr als 3000 Bus-Schiene-Anschlüsse werden für den Start des Taktfahrplans abgeändert. Vor allem in Kärnten, der Steiermark und in Niederösterreich rund um St. Pölten. Insgesamt wird das Verkehrsnetz ausgebaut: Die Anzahl der gefahrenen Kilometer beträgt auf der Schiene um 3,5 Millionen mehr und damit beinahe 100 Millionen Kilometer. Die Busse legen fast 150 Millionen Kilometer zurück, um 4,3 Millionen mehr als 2008.

Zahlreiche Beschwerden

Obwohl der Fahrplan erst in einem Monat in Kraft tritt, gibt es bereits zahlreiche Beschwerden darüber. In Niederösterreich hat Landeshauptmann-Stellvertreter und Konsumentenschutzreferent Josef Leitner (SP) eine elektronische Hotline eingerichtet, "bei der sich hunderte Pendler gemeldet haben". Die Einwände werden an die ÖBB weitergegeben, und "es wird versucht, einiges noch zu verbessern, aber alles kann natürlich nicht gelöst werden", sagt Leitner.

Bei der geplanten Einstellung des defizitären Flughafenbusses von Baden wirkten die Proteste: Land, Verkehrsverbund und ÖBB einigten sich auf dessen Erhaltung.
Nach wie vor erregen bei Bahnkunden Fahrplanänderungen bei der Traisentalbahn Unmut, wo Züge ab 14. Dezember zwischen St. Pölten und Lilienfeld um 19 Minuten länger brauchen - laut ÖBB wegen der Bauarbeiten am St. Pöltner Hauptbahnhof.

Aufregungan der Nordbahn

Aufregung herrscht auch an der Nordbahn, wo Schüler der Hauptschule Dürnkrut künftig nach Schulschluss 45 Minuten auf die Abfahrt ihres Zuges warten müssen. Außerdem halten Züge an einigen Stationen weniger oft. Auch die S2 lässt zwischen Mistelbach und Laa/Thaya künftig Haltestellen aus. Ausgebaut wird in der Region Wien-Niederösterreich dagegen die S15. Sie wird bis Unter-Purkersdorf verlängert und soll in der Hauptverkehrszeit viermal pro Stunde fahren. Für Pendler aus dem Waldviertel soll es schnellere Busverbindungen geben.

In Kärnten ist die Einführung des Taktfahrplans am weitesten fortgeschritten. Hier gibt es künftig Abfahrten im 30-Minuten-Takt zwischen Klagenfurt und Villach, Auf drei weiteren Strecken fahren die Züge stündlich. Bei der AK Kärnten gab es bisher eine einzige Beschwerde zu den Neuerungen.

447 Millionen ÖBB-Kunden


2007 beförderten die ÖBB insgesamt 447 Millionen Kunden, davon waren 200 Millionen Bahnfahrer. Die Zahl dürfte 2008 steigen. Dementsprechend wird auch die Kapazität im Fernverkehr vergrößert. Ab 14. Dezember fährt der Railjet, ein Hochgeschwindigkeitszug, die Strecke Budapest-Wien-München und retour. Ende 2009 soll er _im Zwei-Stunden-Takt verkehren. Doppelt so oft werden Züge mit dem neuen Fahrplan zwischen Wien und Graz fahren.
Wer im Zug sitzt, soll auch geschwinder ans Ziel kommen: Direktzüge zwischen Salzburg und Villach werden um zwölf, auf der Strecke Wien-Leoben-Villach um 21 Minuten schneller. (Gudrun Springer/ DER STANDARD Printausgabe 13.7.2008)

 

  • 200 Millionen Bahnfahrer beförderte die ÖBB 2007. Nicht alle freuen sich auf den Fahrplan 2009, der am 14. Dezember in Kraft tritt
    foto: standard/ fischer

    200 Millionen Bahnfahrer beförderte die ÖBB 2007. Nicht alle freuen sich auf den Fahrplan 2009, der am 14. Dezember in Kraft tritt

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