Tunesien: Exil-Autorin kritisiert Pseudo-Medienfreiheit

12. November 2008, 16:56
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Staatschef Ben Ali verwandelte das Land in eine "schwache Diktatur"

Wien/Graz - Seit der Machtergreifung durch Präsident Ben Ali vor rund 20 Jahren habe sich Tunesien in eine "schwache Diktatur" verwandelt, betonte die in Graz lebende Exil-Tunesierin und Schriftstellerin Sihem Bensedrine am Mittwoch bei einer Diskussions-Veranstaltung in der steirischen Landeshauptstadt.

Die einstige Unabhängigkeit der tunesischen Medien sei unter dem "Deckmantel der Demokratie" offiziell zwar erhalten geblieben, die Realität sehe aber anders aus, so die regimekritische tunesische Schriftstellerin. Anlässlich des "Internationalen Tages der inhaftierten AutorInnen" am 15. November veranstaltete das European Training and Research Centre for Human Rights and Democracy (ETC) in Graz ein Gespräch mit der Exilschreiberin sowie dem Vorsitzenden des "Writers in Prison-Komitees" des P.E.N. Clubs Austria, Helmuth A. Niederle.

Regimekritische Schriftsteller und Autoren kämen mit der Regierung Tunesiens oft in Konflikt, teilte das ETC in einer Aussendung mit. Auch Angehörige und Freunde der Betroffenen würden nicht verschont. Die "teilweise peinlichen Befragungen" der Angehörigen würden "die Dissidenten in die soziale Isolation schlittern" lassen. Diese seien auch "wirtschaftlichem Druck" ausgesetzt, indem sie beispielsweise unter "steuerlicher Ungleichbehandlung" zu leiden hätten.

Die "offiziellen Medien" des Landes würden ihren Beitrag dazu leisten, indem Gerüchte und Unwahrheiten über ungeliebte Persönlichkeiten verbreitet werden, heißt es in der Aussendung. Die Möglichkeit, frei zu publizieren, bestehe schlichtweg nicht. (APA)

 

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