Auch Kärntner Hypo holt Geld vom Staat

12. November 2008, 19:32
35 Postings

Die Hypo Group Alpe Adria braucht in Summe rund zwei Milliarden Euro Kapital und holt es von Aktionären und Staat. UniCredit und ihre Töchter denken noch nach; ihre Bilanzen sind von der Krise gezeichnet

Wien - Die Kärntner Hypo Group Alpe Adria holt sich, wie erwartet, frisches Geld. Am Mittwoch hat der Aufsichtsrat der Hypo Alpe Adria Bank International AG einen entsprechendenVorschlag an die Hauptversammlung beschlossen. Es geht um zweiTranchen: 700 Mio. Euro wollen sich die Klagenfurter von ihren Aktionären abholen. 57,5 Prozent hält die schwer angeschlagene Münchner BayernLB, die selbst 5,4 Mrd. Euro aus dem deutschen Bankenhilfspaket braucht. 26,5 Prozent gehören dem Grazer Versicherer Grawe, 16 Prozent dem Land Kärnten, 0,02 Prozent der Mitarbeiterstiftung. Bis zur Hauptversammlung am 2. Dezember werden die Details ausverhandelt.

Zudem werden sich die Kärntner aber auch Geld vom Staat holen, der Vorstand unter Tilo Berlin wurde zu zweckdienlichen Gesprächen ermächtigt. Beträge wurden nicht genannt, im Oktober hatte Berlin aber erklärt, die Kernkapitalquote der Bank von 5,5 auf "neun bis zehn Prozent" erhöhen zu wollen. Macht insgesamt einen Bedarf von rund zwei Mrd. Euro; für denStaat würden so rund 1,3 Mrd. Euro übrigbleiben. Die Bank weist im ersten Halbjahr einen Verlust von rund 62 Mio. Euro aus. Mit dem frischen Kapital will Berlin den "Handlungsspielraum der solide und nachhaltig aufgestellten Bank erweitern". Die Ratingagentur Moody‘s hat mehrere Positionen der Bank auf ihre Watchlist gesetzt.
Die aktuelle Elferfrage der Finanzwirtschaft (Geld vom Staat?) noch nicht gelöst haben die meisten anderen österreichischen Großbanken - etwa die Bank Austria.

BA-Handelsergebnis rot

Sie gab am Mittwoch ihre Zahlen bekannt: Der Nettogewinn bis Ende September betrug 1,6 Mrd. Euro; das Handelsergebnis war wegen der finanzkrisenbedingten Kurswertberichtigungen mit minus 278 Mio. Euro tiefrot. (2007: Plus 180 Mio.)
Dank der weltweit gelockerten Bilanzierungsregeln (ebenfalls finanzkrisenbedingt) hat sich die Bank Austria rund 120 Mio. Euro (netto: 93) Mio. Euro an weiteren Abschreibungen erspart.

Zum Gewinn (imVorjahr war es 6,2 Prozent mehr; bereinigt um Sondereffekte und Zukäufe in Kasachstan und der Ukraine um 1,6 Prozent weniger) haben in erster Linie wieder die Geschäfte inOsteuropa beigetragen.

Einen Ausblick auf das Jahresergebnis gewährt die Bank aufGrund der Unwägbarkeiten der Finanzmärkte nicht (die ursprüngliche Prognose hatte drei Mrd. Euro Gewinn nach 2,7 Mrd. im Vorjar betragen). Der Generaldirektor der Bank Austria (BA), Erich Hampel, rechnet aber mit einem "stabilenGeschäftsverlauf", die Finanzkrise habe "in den vergangenen Wochen ihrenHöhepunkt erreicht" . Hampel hält die BA wegen ihres Geschäftsmodells für "relativ resistent", argumentiert er. Das Marktumfeld bleibe aber weiter schwierig.

Ob die BA mit ihrer Kernkapitalquote von 7,6 Prozent auch Geld vomStaat holen wird, ist noch offen. Entsprechende Gespräche führt Hampel mit dem Chef der BA-Mutter UniCredit, Alessandro Profumo, in Italien.

In Österreich, so wird kolportiert, hoffen Vertreter des Bundes (der ja 15 Mrd. Euro Beteiligungskapital zur Verfügung stellt; 2,7 Mrd. davon hat schon die Erste Bank reserviert), dass UniCredit sich Geld in Italien holt und ihre österreichische Tochter gleich mitversorgt.

In Italien ist die UniCredit am massivsten von der Krise betroffen. Ihr Gewinn hat sich im dritten Quartal halbiert, auf netto 551 Mio.Euro (aufgefettet durch Gewinne der von der Bank Austria gesteuerten Osttöchter).

Die Belastungen und Abschreibungen machten in Summe 1,3 Mrd. Euro aus - und zwar trotz gelockerter Bilanzierungsregeln. Sie haben dem Handelsergebnis weitere Abwertungsverluste von 856 Mio. Euro "erspart" . DieKernkapitalquote der italienischen Bank mit rund 177.400 Mitarbeitern ist bis Ende September auf 5,67 Prozent abgestürzt - die Kapitalerhöhung um sechs Mrd. Euro ist so gut wie fix.
HVB "zu reich" für Hilfe

Auch die deutsche UniCredit-Tochter HypoVereinsbank (HVB) denkt noch über das Staatspaket nach. Sie hat im dritten Quartal einen Verlust von 285 Mio. Euro eingefahren; nach einen Gewinn von 83 Mio. im Vorjahreszeitraum. Ohne die Bilanzierungslockerungen wäre der HVB-Verlust noch einmal um satte 700 Mio.Euro höher ausgefallen. Dank starkem zweitenQuartal betrug der Gesamtverlust per Ende September "nur" rund 64 Mio. Euro. Für die Staatshilfe könnte die HVB aber "zu reich" sein: 6,5 Mrd. Euro hat sie noch aus dem BA-Verkauf, die Kernkapitalquote beträgt rund 15 Prozent. (gra, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.11.2008)

Share if you care.