Wirkung unbekannt - Vertrieb illegal

12. November 2008, 16:43
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Angepriesen wird die elektronische Zigarette für den tabakfreien Genuss von Nikotin und zur Rauchentwöhnung - Die WHO und Lungenärzte warnen jetzt vor möglichen giftigen Zusätzen - Die Wirkung auf die Gesundheit ist unbekannt

Die gröberen Einschränkungen für Raucher in Österreichs Gaststätten ab kommenden Jänner nahen. Grund genug für findige Hersteller ein nicht ganz so neues 'Wundermittel' wieder zu bewerben, mit dem Raucher auch in Nichtraucherzonen ungehindert rauchen können. Die elektronische Zigarette funktioniert ganz ohne Tabak und wird deswegen auch in Nichtraucherzonen toleriert werden. "Sie erzeugt keinen Rauch, gefährdet Dritte nicht und fällt daher nicht unter das Tabakgesetz und auch nicht in die Nichtraucherschutz-Regelung", bestätigt Daniela Klinser, Sprecherin des Gesundheitsministeriums. In der Beschreibung heißt es, dass Nikotin durch das Verdampfen von Flüssigkeit freigesetzt wird, aber keine Verbrennungsschadstoffe entstehen. Erhitzt wird durch Elektro-Akkus, nicht durch Feuer.

Unklare und illegale Vertriebswege

Der Vertrieb der Elektrozigaretten erfolgt über das Internet, wo die bestellten Produkte aber tatsächlich herkommen, ist meist unklar. Die Hauptbestandteile sind ein Inhalationsteil und eine Nikotinkapsel. "Da die Nikotinkapsel als Arzneimittel eingestuft wird und der Inhalationsteil als Medizinprodukt, ist eine eigene behördliche Bewilligung für deren Vertrieb verpflichtend", so Franz Pietsch, zuständiger Behördenleiter für Drogenkoordination und Rechtsfragen im Gesundheitsministerium. Verkauft werden dürfen elektronische Zigaretten daher nur von konzessionierten Verkäufern, das sind theoretisch Drogerien oder Apotheken.

"Der Vertrieb in Österreich über das Internet ist somit unzulässig", so Pietsch. In der Vergangenheit habe es zum Beispiel mit dem Produkt 'Ruyan' in Österreich Probleme gegeben. "Die Anbieter sind aber generell schwierig auszuforschen, weil sie beispielsweise die Provider wechseln", weiß Pietsch. Er rät vom Gebrauch der elektronischen Zigarette ohne vorherige medizinische Abklärung ab.

Sicherheit nicht gewährleistet

Auch Marcus Müller, Bereichsleiter der AGES PharmMed sagt, dass die Herstellung der Produkte nicht qualitätsgesichert sei: "Im Endeffekt weiß ich nicht, was ich da inhaliere". Nicht nur die Sicherheit der elektronischen Zigaretten für die Gesundheit sei unklar, Konsumenten könnten auch mit unvorhergesehenen Kosten konfrontiert werden. Das Erwerben über das Internet sei zwar für den Käufer nicht strafbar, fange der Zoll die Ladung aber ab, könne er Kosten beim Empfänger einheben.

Wirkung auf Körper unbekannt

Nicht nur die Vertriebskanäle scheinen dubios, auch über die Wirkung des Arzneimittels und Medizinprodukts ist kaum etwas bekannt. Die Elektrozigarette soll nämlich auch noch ein probates Mittel zur Rauchentwöhnung sein - so zumindest das Versprechen der Hersteller. 2004 wurde von einer chinesischen Firma in Hongkong der Prototyp entwickelt. Besonders verärgert zeigte sich vor kurzem die WHO darüber, dass einige Hersteller nun mit dem WHO-Logo auf ihren Websites werben.

WHO warnt vor Gebrauch

"Über die Sicherheit des Produkts und seine Eignung zur Rauchentwöhnung ist nichts bekannt", warnt Raman Minhas von der „Tobacco Free Initiative" der World Health Organization (WHO) im Interview mit derStandard.at/Gesundheit. Die WHO wisse nicht, ob Elektrozigaretten Substanzen freisetzen, die zu Krebs oder anderen Krankheiten führen können, wenn sie über die Lunge inhaliert werden.

Bei der elektronischen Zigarette fallen zwar die schädlichen Rauchinhaltsstoffe von Tabak weg, laut Minhas ist aber auch das pure Nikotin nicht von sich aus sicher. Es komme immer auf die Dosierung, die Konsumentengruppe und die Nutzungsbedingungen an. Weil die Vermarktung der E-Zigarette aber nicht durch unabhängige Regulierungsbehörden kontrolliert werde, könne für nichts garantiert werden. Klinische Studien und Analysen zur Toxizität fehlen. "Der Genuss von elektronischen Zigaretten könnte die Nikotinabhängigkeit daher auch noch verstärken", warnt Minhas Aufhörwillige.

"Nicht für Rauchentwöhnung"

Auch Irmgard Homeier vom Pulmologischen Zentrum Wien, Baumgartner Höhe und Mitglied der 'Initiative Ärzte gegen Raucherschäden', empfiehlt die elektronische Zigarette nicht zur Rauchentwöhnung: „Es gibt keine wissenschaftliche Datenlage, die beweist, dass die Raucherentwöhnungsrate damit verbessert werden kann", sagt sie.

Die Medizinerin empfiehlt die Nikotin Ersatz Therapie (NET) (Nikotinpflaster, -kaugummi, -inhalator, Anm.) für den Fall, dass man tatsächlich mit dem Laster aufhören will und schon hochgradig abhängig ist. "Es gibt eindeutige wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass die NET die Entwöhnungsrate verdoppelt." Diese Therapie sei sicher und könne in den meisten Situationen der Raucherentwöhnung gefahrlos angewendet werden. "Über die von der elektronischen Zigarette abgegebene Nikotinmenge und ihre Anflutung im Gehirn wissen wir zu wenig Bescheid." (Marietta Türk, derStandard.at, 12.11.2008)

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    Die elektronische Zigarette fällt nicht unter das Rauchverbot, da der Qualm Wasserdampf und die Glut elektrisch ist. Die Elektozigarette versorgt Raucher durch einen elektronischen Zerstäuber mit Nikotin.

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