Prozess: Ex-AR-Chef Bussfeld: "Hätte Fragen gestellt"

12. November 2008, 15:49
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Die Swap-Dimensionen seien nicht mit der damaligen Bank-Strategie vereinbar, ihr Bekanntwerden mit "massiven Nachteilen verbunden"

Klagenfurt - Im Prozess gegen die zwei Ex-Vorstände der Hypo Group Alpe Adria, Wolfgang Kulterer und Günter Striedinger, sowie Vorstand Thomas Morgl am Landesgericht Klagenfurt sind am Mittwoch der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende der Hypo, Klaus Bussfeld und der stellvertretende Aufsichtsratschef Othmar Ederer einvernommen worden. Bussfeld, der im April 2005 abgelöst wurde, erklärte, er hätte "viele Fragen gestellt", wäre ihm von den Swap-Verlusten berichtet worden. Ederer sagte, er sei über die verzögerte Information durch Kulterer "enttäuscht".

Sein Arbeitsverhältnis zu Kulterer bezeichnete Bussfeld als "geschäftsorientiert und sachlich". Es habe Spannungen gegeben, dies sei daran gelegen, dass er sowohl den Begriff Aufsicht als auch jenen des "Rats" wahrgenommen habe. Sein plötzlicher Abgang sei auf Wunsch des damaligen Mehrheitseigentümers, des Landes Kärnten, erfolgt.

Richter Christian Liebhauser-Karl wollte wissen, ob der Wechsel im Aufsichtsrat mit den Swap-Problemen zusammenhängen könnte. Immerhin sei sein Nachfolger Moser nur wenige Wochen nach Amtsantritt vom Vorstand informiert worden. Er habe keine Informationen bekommen, hätte er jedoch davon erfahren, hätten viele Fragen geklärt werden müssen. So wäre zu diskutieren gewesen, ob die Dimension der Derivativgeschäfte mit der Strategie der Bank vereinbar gewesen sei. Die Einschaltung der Innenrevision wäre laut Bussfeld "sowieso der allererste Schritt" gewesen.

Gravierende Nachteile

Weitere Fragen Bussfelds wären "nach Verantwortung, nach dem Risk Controlling, der Frage, werden die Bücher an jedem Tag abends geschlossen, nach Limits, aber auch Auswirkung auf das Eigenkapital" gewesen. Gefragt, was ein Publikwerden der Verluste bedeutet hätte, meinte Bussfeld "ex post betrachtet", das hätte der Bank "gravierende Nachteile" gebracht, denn im Dezember 2004 habe die Vorbereitung auf die Wandelanleihe und den geplanten Börsengang begonnen.

Ob er selbst den gesamten Aufsichtsrat informiert hätte, sei sehr schwer zu beantworten, meinte Bussfeld auf eine Frage von Staatsanwältin Carmen Riesinger. Man müsse bei solchen Dingen auch darauf achten, das Ansehen der Bank nicht zu beschädigen. Die Geschäfte, welche der Hypo die hohen Verluste eingebracht hatten, waren seiner Ansicht nach "Investmentbanking-Geschäfte".

Ederer, er hatte am 19. Mai 2005 von den Swap-Verlusten erfahren, erklärte, ihm wäre es lieber gewesen, er wäre umgehend von den Vorgängen informiert worden. Er sei enttäuscht gewesen und habe Kulterer auch nach dem Grund für die Verzögerung gefragt, "er hat mir aber keine für mich plausible Erklärung geben können".

Er sei zum damaligen Zeitpunkt, nach der Information durch Kulterer, der Einschätzung gewesen, dass die Hypo die "negativen Marktwerte" ohne größere Probleme bewältigen könne. Die Situation sei aus damaliger Sicht nicht so dramatisch einzuschätzen gewesen, dass der gesamte Aufsichtsrat hätte informiert werden müssen. Die Größenordnung sei beträchtlich gewesen, aber kein "Katastrophenereignis". Das Zurückziehen des Testates für die Bilanz 2004 durch die Wirtschaftsprüfer sei für ihn "sehr überraschend" gekommen, betonte Ederer. (APA)

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