MIP-Chairman erwartet für HVs hohe Mehrheiten für Board-Vorschläge

12. November 2008, 14:58
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Um einen erneuten Abstimmungs-Wirbel zu vermeiden, gibt es ein schriftlilches Voting, den "Rebellen" wirft MIP-Chef Haider Liquidations-Absichten vor

Wien - Für die mit Spannung erwarteten außerordentlichen Hauptversammlungen der Meinl International Power (MIP) am Donnerstag und Freitag in Wien geht Chairman Hans Haider von einer "hohen und eindeutigen Mehrheit" zugunsten der Board-Vorschläge aus und hofft, dass die "Rebellen"-Anträge "klar niedergestimmt werden".

Um sich diesmal Abstimmungs-Streitereien wie bei der letzten HV Ende Juli zu ersparen, soll das Voting diesmal schriftlich mit eigenen Abstimmungs-Bögen erfolgen. "Das sollte einen ähnlichen Wirbel wie beim letzten Mal vermeiden", hoffte Haider am Mittwoch im Gespräch mit der APA. Die Stimmen können zusammen oder auch für die einzelnen Tagesordnungspunkte separat abgegeben werden. Gezählt wird nach dem Additionsverfahren - und nicht nach dem Subtraktionsverfahren.

Der Gruppe unabhängiger Aktionäre unter ihrem Sprecher Alexander Proschofsky von Cube Invest wirft Haider vor, als "ungenanntes Ziel" die Liquidation der MIP vorzuhaben. Dazu gehöre die Forderung nach Auszahlung einer Zwischen- oder Sonderdividende in Höhe von 6 Euro pro Zertifikat, was in Summe fast 360 Mio. Euro wären. Nach Meinung von Experten käme das dem Ende der Gesellschaft gleich, da dazu eine Kapitalherabsetzung nötig wäre, so der MIP-Chairman.

Als wichtigster der zehn Punkte auf der Agenda der ersten, vom Board einberufenen ao HV am Donnerstag steht der Kauf der Meinl Power Management (MPM) durch die Audley Private Capital Management Ltd. von Michael Treichl. Geht das wie erwartet durch, wäre dies "eine völlig saubere Trennung. Es sind dann alle Lines zu Julius Meinl durchgeschnitten", wie dies erstmals in der HV von Mai als Wunsch geäußert worden sei, so Haider. Proschofsky & Co hatten ein Nahe- bzw. Freundschaftsverhältnis von Treichl und Meinl V. kritisiert. "Soweit ich weiß schenken sich die beiden nichts - auch wenn sie schon einmal gemeinsam Jagen waren", meint der MIP-Chairman.

"Lieferant"

Mit den 10 Mio. Euro, die MIP im Zusammenhang mit MPM an die Meinl Bank zahle, werde die Verkürzung der Verträge von 6 auf 4 Jahre abgegolten sowie die Auflösung des License Agreement mit Meinl. Was Treichl bzw. Audley den derzeitigen Eigentümern für die Managementgesellschaft zahle, wisse er nicht, so Haider. Der MIP entstünden daraus keine Kosten. Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, der ein Drittel an MPM hält, sei nie ein Organ von Meinl Power gewesen, sondern nur Vertragsnehmer, also "Lieferant".

Das mehrjährige Rendite-Ziel von 15 Prozent p.a. sei weiter intakt, trotz Finanzkrise, sagte MIP-Chairman Hans Haider am Mittwoch: "Bei den bisherigen Projekten erreichen wir das. Es könnte aber bei der Fremdfinanzierung schwieriger werden." Von der Bankenkrise sei Meinl Power nicht betroffen, "wir haben keine Ausfälle in der Veranlagung".

Wenn ein Fremdkapitalanteil von zum Beispiel 85 Prozent auch bei schon genehmigten Projekten allenfalls unmöglich werde - wovon auch andere Projektanten berichten -, sondern viel niedriger ausfallen müsse, würde dies die Rentabilität natürlich drücken. Bei allen Vorhaben sei "die Frage, wie viel die Banken finanzieren". Deshalb konzentriere man sich bei den Investments neben einzelnen Projekten auch auf Beteiligungen an Gesellschaften, die vielleicht einmal börsefähig werden, "wenn damit ein höherer Return zu erzielen ist".

Keine Dividende

Die Ausschüttung einer Dividende ist weiterhin nicht geplant: "Wir haben von Anfang an gesagt, schon im Sommer 2007, dass wir die Ergebnisse reinvestieren wollen." Eine Wertsteigerung in Aktien sei - in normalen Zeiten - immer die attraktivere Variante. Eine Kapitalerhöhung sei derzeit kein Thema, meinte Haider angesprochen auf ein früheres Interesse eines Fonds der schwedischen Wallenberg-Familie: "Wir haben Geld in der Kasse." Es hätten aber bereits mehrere Interessenten bei Meinl Power angeklopft.

Drei MIP-Projekte sind schon cashwirksam, ein viertes demnächst. Das Windpark-Projekt Hohenlohe in Deutschland bringt seit Ende 2007 Geld. Fertig sind auch die Solar-Parks Almeria und Solon in Spanien. Kurz bevor steht der Erwerb eines weiteren deutschen Windparks.

Bei der ersten, vom Board einberufenen ao HV am Donnerstag soll - neben der MPM-Übernahme durch Treichls Audley - auch ein weiterer Zertifikatsrückkauf sowie eine "signifikante" Beteiligung eines Audley-Fonds an der MIP abgesegnet werden. Wie viel Audley derzeit schon an MIP hält, ist Haider nicht bekannt. Zum Rückkauf sind weitere 3,88 Mio. Zertifikate vorgesehen, zusammen mit den schon gut 2,1 Mio. gehaltenen wären damit die 10 Prozent erreicht, die in Österreich als Maximum der Standard sind. Der Rückkauf erfordert als einziger Punkt auf der Agenda eine Zwei-Drittel-Mehrheit.

Auf der von einer unabhängigen Aktionärsgruppe verlangten weiteren ao HV am Freitag soll nach deren Willen unter anderem die Auszahlung sämtlicher Cash-Bestände der MIP beschlossen werden. Die "Rebellen" halten zusammen 8,1 Mio. der knapp 60 Mio. MIP-Zertifikate. (APA)

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