Kaprun-Opfer: Überlebende fordern zwei Millionen Euro pro Todesopfer

12. November 2008, 14:43
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Überlebende schließen sich Strafanzeige als Privatbeteiligte an - Anwalt: Die Summe sei lediglich als symbolische Summe zu verstehen

Salzburg - Opfer bzw. Angehörige der Brandkatastrophe in Kaprun vom 11. November 2000 mit 155 Toten schließen sich als Privatbeteiligte der Strafanzeige gegen fünf Gutachter des Kaprun-Strafverfahrens des deutschen Gutachter Hans-Joachim Keim vom 16. April 2008 an die Staatsanwaltschaft Salzburg an.

Überlebende aus Deutschland sowie japanische und holländische Hinterbliebene melden Schadenersatzansprüche nach vergleichbaren europäischen Fällen (Unfall im Mont Blanc Tunnel oder Flugzeugunfall von Cavalese, Eschede, Anm.) in Höhe von zwei Millionen Euro pro Todesopfer an, bestätigte ihr Rechtsvertreter, der Wiener Rechtsanwalt Gerhard Podovsovnik, der APA.

Die Summe sei lediglich als symbolische Summe zu verstehen, um nochmals wach zu rütteln, so der Advokat. Den Mandanten gehe es überhaupt nicht um Geld, "sie wollen wissen, ob es einen Verantwortlichen und Schuldigen gibt". Die Opfer bzw. deren Überlebende würden nicht damit fertig werden, "dass niemand die Verantwortung für das Unglück übernimmt und sich niemand offiziell entschuldigt und keine Garantien und Maßnahmen getroffen werden, dass hier eine erhöhte Sicherheit im Skitourismus gegeben ist". Wenn das Unglück zur Mittagszeit passiert wäre, dann hätte es aufgrund der toxischen Vergiftungen Hunderte Tote gegeben, was bis heute totgeschwiegen werde, so Podovsovnik.

Es sei nach wie vor ein großer Skandal, wie in Angelegenheit Kaprun im Strafverfahren verfahren worden wäre. Auch in der internationalen Presse seien ähnliche Kommentare zu lesen, und es herrsche Unverständnis darüber, "wie die Republik Österreich mit einem solchen Desaster umgegangen ist", so Podovsovnik. "Grundsätzlich kann sich ja niemand mehr darauf verlassen, dass wenn Baugenehmigungen und Betriebsanlagengenehmigungen vorhanden sind, diese dann auch den technischen Standards und dem technischen Know-how entsprechen." Grundsätzlich mache sich niemand darüber Gedanken, solange nichts passiert und "wenn was passiert, dann sind alle entsetzt, weil etwas passiert ist."

Österreich habe im Fall Kaprun "bisher jedenfalls leider kläglich versagt hat", betonte der Anwalt. In einem derart prominenten Fall mit internationaler Betroffenheit, sollte ein Staat nicht in eigener Sache zu entscheiden haben und dürfen. Podovsovnik führte beispielsweise an, dass der Staat indirekt an der Betreibergesellschaft beteiligt gewesen sei, sich somit selbst Baubewilligungen über die Gemeinde erteilt und auch über die zuständigen Ministerien die Betriebsgenehmigungen gegeben habe.

"In derartigen Fällen muss der Staat sich wohl für befangen erklären, wobei dies sowohl für alle möglichen Staatsanwälte, Richter als auch die Ministerien selbst gilt." Es sollte deshalb unverzüglich ein internationaler Strafgerichtshof eingerichtet werden (nach dem Vorbild der internationalen Kriegsverbrechertribunale), der aufgrund der österreichischen Strafgesetze, ein Urteil nach österreichischen Grundsätzen zu fällen hätte. Dieser internationale Strafgerichtshof sollte im Fall der Befangenheit des Staates, umgehend durch den betroffenen Staat selbst eingeschalten werden können, so der Anwalt. (APA)

 

 

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