Fujitsu Siemens Österreich sieht Ausstieg von Siemens gelassen

12. November 2008, 14:28
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Umsätze weiter stark gestiegen - Derzeit kein Personalabbau geplant - Wirtschaftskrise ist "willkommene Ausrede" für Mitbewerber

Die Führung der heimischen Niederlassung von Europas größtem Computerhersteller, Fujitsu Siemens Computers (FSC), gibt sich auch nach dem kürzlich beschlossenen Ausstieg des Münchner Siemens-Konzerns aus dem PC-Gemeinschaftsunternehmen optimistisch. Die Umsätze hätten im ersten Halbjahr weiter stark zugelegt, ein Personalabbau sei derzeit nicht geplant, erklärte Wolfgang Horak, der für die Geschäfte von FSC in Österreich und der Schweiz verantwortlich ist, am Mittwoch, im Gespräch mit der APA.

Gut aufgestellt

Zu kolportierten Sparmaßnahmen "können wir nichts sagen, solange nichts entschieden ist. In Österreich sind wir jedenfalls gut aufgestellt", so Horak. In den ersten drei Quartalen 2008 habe es am heimischen Computermarkt ein Plus bei den Stückzahlen von 13,6 Prozent gegeben, während bei Fujitsu Siemens Computers eine Steigerung um 24,6 Prozent verzeichnet wurde. "Und wir werden auch künftig schneller wachsen als der Markt", gab sich Horak überzeugt.

Aufträge von Großkunden

"Geradezu phänomenal" verlaufen sei das dritte Quartal. Dazu hätten auch Aufträge von Großkunden - trotz der wirtschaftlich schwierigen Zeit - beigetragen. Von anderen Anbietern sei die Krise als "willkommene Ausrede" benutzt worden. Bei Desktop-PCs habe man im vergangenen Quartal ein Plus von 36,7 Prozent (Gesamtmarkt: 4,5 Prozent) verzeichnet. Im Serverbereich betrug die Steigerung 12,5 Prozent, während der Gesamtmarkt ein Minus von 20,7 Prozent einfuhr.

Negative Auswirkungen des Ausstiegs von Siemens seien derzeit nicht absehbar. "Der Vertrieb wird weiter lokal abgewickelt, das ist in unserer DNA. Außerdem können wir durch unser Kompetenzzentrum für Virtualisierung in Wien auch auf globaler Ebene etwas beitragen", sagte Horak. Österreich könne bei der Neuausrichtung durchaus einen Beitrag leisten. "Das, was man uns bisher erzählt hat, wo Fujitsu hin will, stimmt mit dem überein, was wir in den vergangenen Jahren gemacht haben", erklärte der Manager zur APA.

Keine Gespräche mit Lenovo

Es gebe keine Gespräche mit dem chinesischen Rivalen Lenovo, der bereits das PC-Geschäft von IBM übernommen hat, über den Verkauf der Konsumentensparte. Fujitsu setze hier vor allem auf Qualität und wolle "bei diesem unbeschreiblichen Preiskampf" nicht mitmachen, so Horak. Durch die Billig-PC-Schiene habe auch die Seriosität als Rechenzentrumsanbieter gelitten. Die Aufstellung als IT-Infrastrukturbetreiber werde beibehalten, wobei der Schwerpunkt auf "IT als Service" liege. Horak gibt sich jedenfalls hochmotiviert: "Wir entwickeln uns von der Nummer eins in Deutschland zur Nummer drei weltweit."

Fujitsu übernimmt wie berichtet die 50-prozentige Beteiligung von Siemens für rund 450 Mio. Euro und will damit die globale Expansion des japanischen Konzerns starten. Der deutsche Technologiekonzern hatte sich wiederholt unzufrieden mit den Renditen des Unternehmens gezeigt und begründete den Schritt mit der weiteren Konzentration auf die Sektoren Industrie, Energie und Gesundheit. Das Geschäft soll per 1. April 2009 abgeschlossen werden. Zum neuen Firmenchef wurde der bisherige Finanzvorstand Kai Flore ernannt, der intern als "Macher" gilt. Sein Vorgänger Bernd Bischoff hat "aus persönlichen Gründen" abgedankt.

Vorsteuergewinn von 105 Mio. Euro

Fujitsu Siemens ist Europas größter Computerhersteller mit weltweit rund 10.500 Beschäftigten und hat im vergangenen Geschäftsjahr 2007/08 (31. März) bei einem Umsatz von 6,6 Mrd. Euro einen Vorsteuergewinn von 105 Mio. Euro verzeichnet. Neben dem Stammwerk in Augsburg hat FSC ein Werk in Sömmerda (Thüringen), die Hauptverwaltung sitzt in München.

Die Fujitsu Siemens Computers Österreich GesmbH hat ihren Sitz in Wien sowie lokale Vertriebsrepräsentanzen in den Bundesländern und beschäftigt rund 250 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2007/08 legte der Umsatz des Unternehmens um 44 Prozent auf 282 Mio. Euro zu. (APA)

  • Wolfgang Horak: "Wir entwickeln uns von der Nummer eins in Deutschland zur Nummer drei weltweit."

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