Italien: Streik bei Parteiblatt "Liberazione"

12. November 2008, 14:11
posten

Protest gegen Jobkürzungen

Der italienischen Tageszeitung "Liberazione", Parteiblatt der altkommunistischen Partei Rifondazione Comunista, droht wegen einer finanziellen Krise das Aus und die Belegschaft ist in den Streik getreten. Gestern (Mittwoch) erschien die Tageszeitung aus Protest gegen die Umstrukturierungspläne, die drastische Personalkürzungen vorsehen, nicht.

Vier Millionen Euro Schulden meldet das Parteiblatt, das in den letzten vier Jahren einen Absatzrückgang von 30 Prozent verzeichnete. Rifondazione-Sekretär Paolo Ferrero, ist pessimistisch: Die Schließung der Tageszeitung sei ohne einschneidende Ausgabenkürzungen und die Streichung mehrerer Journalistenstellen unabwendbar. 37 Redakteure und weitere 30 Mitarbeiter der Zeitung zittern um ihren Arbeitsplatz.

"Unannehmbar"

"Die Rifondazione, Eigentümerin der Tageszeitung, will den Arbeitnehmern die Kosten der finanziellen Schwierigkeiten aufhalsen, die auf offenkundige Verwaltungsfehler zurückzuführen sind. Diese Haltung ist unannehmbar, vor allem weil sie eine kommunistische Tageszeitung so hart trifft", sagte der Betriebsrat der Tageszeitung. In den vergangenen Wochen hatte die "Liberazione"-Redaktion bereits zwei Tage gestreikt. Die von dem Journalisten Piero Sansonetti geführte Zeitung wurde 1991 gegründet. 2006 erhielt "Liberazione" 3,7 Millionen Euro öffentliche Beiträge. Seit März gibt "Liberazione" eine kostenlose Abendsausgabe der Zeitung in Rom und Mailand heraus. Damit rückte sie zum ersten italienischen Blatt auf, das im Bereich Free Press investierte.

Die Regierung Berlusconi kürzte die Subventionen für Parteiblätter und für im Medienbereich aktive Non-Profit-Genossenschaften, was auch das Überleben der kommunistischen Tageszeitung "Il Manifesto" ernsthaft gefährdet. Seit Jahresbeginn erhielt "Il Manifesto" keinen Zuschuss mehr von der Regierung. Die Lage ist dramatisch. Die Auflage der Zeitung ist in den Jahren von 60.000 auf 35.000 geschrumpft. Daher veröffentlichte die Zeitung einen Appell an die Leser, Geld zu spenden, um dem "Manifesto" den Bankrott zu ersparen.

Italienische Medien erleben derzeit eine schwierige Phase. Die Redaktion der Turiner Tageszeitung "La Stampa", einem der prestigereichsten Blättern in Italien, streikte kürzlich, weil der Verleger das aktuelle Gehaltsniveau nicht auch für das kommende Jahr garantieren wolle. Die Zeitung, die mit einer täglichen Auflage von 300.000 erscheint, steht unter Kontrolle der Autogruppe Fiat. (APA)

Share if you care.