Police"-Drummer Copeland nennt Musikindustrie "undemokratisch"

12. November 2008, 13:49
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Live-DVD der Abschiedstour von The Police erscheint im November - "Wenn Sting und ich uns streiten, gewinne ich"

Um die Abschiedstour seiner Band in Worte zu fassen, bemüht The-Police-Schlagzeuger Stewart Copeland schon mal außergewöhnliche Vergleiche mit Trauminseln in der Südsee: "Das letzte Konzert der Reunion-Tour war wie das Ende eines perfekten Urlaubs auf Bora Bora. Es war die perfekte Tour für uns alle. Und wir haben eins gelernt: Wenn sich Bassist und Drummer vor dem Konzert anschreien, wird es eine großartige Show."

30 Jahre "Roxanne"

30 Jahre nach der Veröffentlichung ihrer Hitsingle "Roxanne" waren Copeland, Frontmann Sting und Gitarrist Andy Summers 2007/2008 noch einmal gemeinsam auf die Bühne gegangen. 14 Monate zogen sie über fünf Kontinente und begeisterten u.a. auch in Österreich mit Klassikern wie "Message In A Bottle" und "Every Breath You Take" nahezu 3,7 Millionen Fans.

Am kommenden Freitag (14.11.) erscheint nun ein Bild- und Tonträger, der die Abschiedstour des Trios für die Nachwelt konservieren soll. Das Musikpaket "Certifiable" (Universal) zeigt neben dem kompletten Police-Konzert im Riverplate Stadio Buenos Aires ein 50-minütiges Hintergrund-Feature mit dem Titel "Better Than Therapy", gedreht von Copelands Sohn Jordan.

"Das Feature ist das Beste an der ganzen DVD. Es zeigt, was im Kopf eines der größten Musiker unserer Zeit - Sting - vor sich geht. Es ist unglaublich schwer, aus ihm ein Wort rauszubekommen, aber Jordan hat ihn zum Reden gebracht. Ich selbst habe viel über die Band gelernt, als ich die Doku zum ersten Mal sah", sagte Copeland.

Im AP-Interview erklärte der Schlagzeuger, welchen Gesetzmäßigkeiten der kreative Schaffensprozess der Rockband gefolgt ist. "Die Stärke unserer Band lag immer in der Polarität. Wir leben und machen Musik völlig unterschiedlich. Durch die Konzerte und das Publikum aber funktionierte es."

"Mit einem Poeten kann man einfach nicht diskutieren"

Verbale Auseinandersetzungen mit Frontmann Sting endeten allerdings immer gleich: "Mit einem Poeten kann man einfach nicht diskutieren. Wenn Sting und ich uns streiten, gewinne ich. Aber dann schreibt er zwei Zeilen Poesie... und schon ist meine ganze Argumentation ruiniert", sagte Copeland schmunzelnd.

Ernstere Töne schlug er indes beim Thema Musikindustrie an. "Die Bands, die du heute in den Charts hörst, sind von der Industrie erschaffen worden. In dieses Ranking zu kommen, ist heute nicht mehr demokratisch. Wir schafften es mit Police, weil wir unendlich viele Konzerte spielten, weil wir dafür kämpften. Heute entscheidet die Industrie, wer berühmt wird."

Das Erschaffen von Musik ist nach Copelands Ansicht dagegen demokratischer geworden. Jedes Kind könne zu Hause eine CD aufnehmen und ins Internet stellen. "Heute entwickeln sich Talente, die es früher niemals in die Öffentlichkeit geschafft hätten. Das ist die gute Nachricht an der Geschichte", sagte Copeland.

Nach Einschätzung ihres Schlagzeugers wird "The Police" trotz des Erfolges wohl nie wieder in Originalbesetzung auf Tournee gehen. "Jeder Funke 'Policeness' ist aufgebraucht. Wir haben alles auf die Bühne gebracht. Ich denke, wir sind fertig." Ganz sicher war sich Copeland aber nicht: "Ich sage Nein. Aber immer wenn ich Nein sagte, lag ich falsch." (Von Viktoria Schiller/AP)

 

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