Neue IPI-Kampagne fordert weltweite Gerechtigkeit für Journalisten

12. November 2008, 13:45
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Schicksale von inhaftierten und attackierten Reportern werden veröffentlicht, um Verantwortliche zum Handeln zu bringen

Gereichtigkeit für Journalisten weltweit fordert das International Press Institute (IPI) mit der neuen Kampagne "Justice Denied" ("Gerechtigkeit verweigert"). Schicksale von inhaftierten oder attackierten Reportern sollen im Zuge der Kampagne in Medien veröffentlicht werden. Anschließend will die Organisation die Verantwortlichen in den jeweiligen Ländern dazu bringen, sich für die gerechte Behandlung der Journalisten einzusetzen, so David Dadge, Direktor des IPI, bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien.

In aller Welt würden Journalisten routinemäßig bestraft, nur weil sie ihren Job machen, meinte Dadge. Allein im Jahr 2007 seien 93 Journalisten getötet worden, heuer bisher 37. Dutzende seien weltweit inhaftiert, meist beschuldigt, den Ruf der Nation beleidigt oder Staatsgeheimnisse verbreitet zu haben. "Es ist nicht so, dass das Leben eines Journalisten für uns mehr wert wäre als jenes eines normalen Bürgers", erklärte Dadge. "Doch es gibt eine Verbindung zwischen Journalisten und dem Zugang zu Information für die Öffentlichkeit - die Inhaftierung eines Journalisten verweigert den Menschen ihr Recht auf Information."

Individuellen Schicksale von zehn Reportern

Für die Kampagne hat das IPI die individuellen Schicksale von zehn Reportern ausgewählt, die in verschiedenen Ländern inhaftiert sind oder Opfer von Gewalt wurden. Die Beispiele stammen aus Gambia, Sri Lanka, Serbien, der Türkei, Aserbaidschan, Kuba, Eritrea, Kurdistan, Bangladesch und Mexiko. Auf einer eigens eingerichteten Website liest man beispielsweise von Rodolfo Rincon Taracena, einem mexikanischen Journalisten: Der investigative Reporter der Tageszeitung "Tabasco Hoy" ist seit Jänner 2007 spurlos verschwunden, nachdem er Artikel über lokale Drogenhändler veröffentlicht hatte.

Mohammad Atiqullah Khan Masud, Herausgeber der Tageszeitung "Janakantha" in Bangladesch, wurde im März 2007 verhaftet. Er war einer jener Journalisten, die im März 2007 die neu einberufene Übergangsregierung aufgefordert hatten, klar Stellung für Pressefreiheit und gegen Zensur zu beziehen. Masud wurde im Oktober in mehreren Anklagepunkten zu 48 Jahren Haft verurteilt. Schon in den Jahren davor war es immer wieder zu gewalttätigen Angriffen und Drohungen gegen Journalisten der Zeitung gekommen.

"Sichtbar bleiben"

Die Geschichten der Reporter sollen weltweit über die Medien veröffentlicht werden, damit sie "sichtbar bleiben", so Uta Melzer vom IPI. Man erhoffe sich davon, den angeborenen Gerechtigkeitssinn der Menschen anzusprechen, ergänzte Dadge. Ziel sei es, die Verantwortlichen dazu zu bringen, alte Fälle neu aufzurollen und eine gerechte Gerichtsverhandlung abzuhalten. Außerdem will man die Regierungen in den betroffenen Staaten überzeugen, längst ad acta gelegte Mordfälle aufzuklären. Dabei hoffe man auch auf die Unterstützung von Intergovernmental Organisations wie der UNO und der EU. (APA)

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