"Warum nicht immer so?"

12. November 2008, 14:45
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Karl Daxbacher hätte seine Austrianer im Derby fast nicht wiedererkannt, Einsatz und Begeisterung wurden wiedergefunden - Hadernder Pacult

Wien -  Der Tag, nachdem Außenseiter Austria Meister Rapid 2:0 (2:0) geschlagen hatte, gehört der Reflexion über das Geschehene. Thomas Krammer, dem in der 6. Minute das erste violette Tor gegen Rapid nach 280 Minuten gelungen war,  empfand das Resultat "als Entschuldigung an die Fans für die schwachen Darbietungen" zuvor. "Wir haben zuletzt dreimal sehr schlecht gespielt, das hat auch uns geärgert. Wir wollten unsere Fans versöhnen", sagte Rubin Okotie, der in Minute 23 das 2:0 besorgt hatte, und vonTeamchef Karel Brückner in den Kader für das Länderspiel gegen die Türkei berufen wurde.

Joachim Standfest interpretierte die Tatsache, dass seine Mannschaft zuletzt dreimal eine "auf den Deckel bekommen" hat, als Grund für die Wandlung zum Positiven. "Das waren Dämpfer zu rechten Zeit. Mit dem schnellen 1:0 aus der ersten Chance ist unser Selbstvertrauen zurückgekommen", meinte der Flügelmann. Auch Kapitän Jocelyn Blanchard äußerte sich ähnlich. "Wir haben vergessen gehabt, dass Fußball auch Arbeit in der Defensive heißt. Die ganze Mannschaft war wirklich stark. Wir haben gewusst, dass man ohne Kampf kein Derby gewinnt", meinte der Franzose.

Karl Daxbacher hatte seine Schützlinge fast nicht wiedererkannt. Einen solchen Einsatz und diese Begeisterung habe er von seinen Spielern in dieser Form noch nie gesehen. "Sie müssen sich fast vorwerfen lassen, warum sie nicht immer so auftreten. Allen muss klar sein, dass wir nicht mehr die spielerische Austria sind, daher müssen wir kämpfen, kämpfen und nochmals kämpfen", befand Trainer.

Besonders die stabilisierte Abwehr freute Daxbacher. Der junge Aleksandar Dragovic vertrat den verletzten Franz Schiemer mit einer fehlerfreien Leistung.  "Wir waren von der ersten Minute an aggressiv und haben auch taktisch clever gespielt. Hut ab", lobt der für den sportlichen Bereich zuständige AG-Vorstand Thomas Parits.

Rapid mittellos

Daxbachers Widerpart im grünweißen Lager nahm zur Kenntnis, dass es auch "im Sport oft anders kommt als man denkt". Aber Peter Pacult suchte die Fehler für das 0:2 in erster Linie beim Unparteiischen Bernhard Brugger und seinem Assistenten Rene Zechner. "Der Grund für die Niederlage war ganz klar das Abseitstor, das zum 0:1 führte. Der Assistent war indisponiert. Das darf man nicht vom Tisch wischen, das sind spielentscheidende Situationen. Von den ersten zehn Minuten haben wir sechs den Ball gehab," ärgerte sich Pacult.

Mit dem 0:1 wäre all das, was man sich für das Spiel vorgenommen habe, über den Haufen geworfen worden. Das 0:2 kreidete er nicht dem Derby-Debütanten Andreas Lukse im Tor ("Ich war nicht nervös."), sondern vielmehr dessen Vorderleuten an. Dober und Maierhofer wären nicht nahe genug am Mann gewesen. "Nach dem 0:2 haben wir dann kein Mittel gefunden, um die im eigenen Stadion mit neun Mann hinter der Mittellinie stehende Austria zu gefährden. Wir haben zwar gefällig, aber ungefährlich gespielt", befand Pacult.

Auch deshalb, weil sein Kapitän, der mit schmerzender Achillessehne gespielt hatte, überhaupt nicht ins Spiel kam.  Steffen Hofmann von Fernando Troyansky und danach von Michael Madl an die Kette gelegt worden war, konnte sich nicht entfalten. Und also auch Rapid nicht.  "Wir haben es den Austrianern sehr einfach gemacht. Wir haben ihnen die Tore mehr oder weniger geschenkt", gab Hofmann zu. Er selbst hatte per Kopf das 0:1 eingeleitet.

Stefan Maierhofer, war ebenfalls geknickt. "Wir haben heute nicht das rübergebracht, was wir können. Das tut mir für die Mannschaft und für die Fans leid," sagte der Stürmer, der gemeinsam mit Boskovic in Minute 73 eine Doppel-Chance zum Anschlusstreffer leichtfertig verjuxt hatte. Pacult fand an der Niederlage auch etwas Gutes. "Wie Hofmann nach seinem Fehler hat die ganze Mannschaft nie aufgesteckt. Das Risiko, das wir nach der Pause genommen haben, ist von Austria nicht genützt worden."

Der 49-Jährige hatte mit zwei Defensiven im zentralen Mittelfeld begonnen, nach fast einer halben Stunde Drazan für Kulovits gebracht, zur Pause mit Kavlak für Ketelaer noch einen Offensiven eingewechselt und auf ein 3-5-2-System umgestellt. Das hatte allerdings letztlich nur optische Konsequenzen.

Lämmchen

Befürchtete Fankrawalle blieben am Dienstag aus. "Wir dürfen uns alle freuen, haben in und rund um das Stadion ein Fußballfest erlebt. Beide Fan-Gruppen haben ihre Mannschaften toll unterstützt, alles ist im Rahmen geblieben", resümierte Austrias Finanzvorstand Markus Kraetschmer zufrieden.

Mit 660 Sicherheitskräften war das größte Aufgebot mobilisiert worden, dass das Horr-Stadion im Zuge eines Spiels der Bundesliga je erlebt hatte. Damit wurde der Aufwand im Vergleich zu "normalen" Spielen verdoppelt. (APA/red)

 

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    Fernando Troyansky verkörperte am Dienstag idealtypisch jene Qualitäten, die Karl Daxbacher von seinen Mannen sehen will.

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